Spätestens seit der Werbekampagne eines berühmten Zigarettenherstellers kennt sie jeder: die „Generation Maybe”. Doch was und wer steckt eigentlich hinter diesem Ausdruck? Wir nehmen sie heute einmal genauer unter die Lupe und klären für Sie die Frage, welche Veränderungen die Generation Maybe in die moderne Arbeitswelt bringt.

1. Defintion: „Generation Maybe” – wer oder was soll das sein?
2. Ist die Digitalisierung der Kern allen Übels?
3. Auch Arbeitgeber leisten ihren Beitrag
4. Hat die Generation Maybe den Bezug zur Realität verloren?
5. Wenn alle Türen offenstehen, fällt eine Entscheidung schwer
6. Trenderscheinung oder zukunftsweisende Entwicklung?

Definition: „Generation Maybe” – wer oder was soll das sein?

Als Generation Maybe werden die derzeit Mitte 20- bis 30-Jährigen bezeichnet, welche zwar über eine exzellente Ausbildung verfügen, dennoch aber Schwierigkeiten damit haben ihre berufliche Identität zu finden. Es ist die Generation der Unentschlossenen. Experten nennen sie auch höhnisch die Generation ohne Eigenschaften. Es handelt sich also um jene jungen Leute, die in den 80er und frühen 90er Jahren zur Welt kamen, und dadurch um die erste Generation, welche im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist. Eben dieser Digitalisierung wird nun auch die Schuld an der Unentschlossenheit zugeschoben. Doch haben wir es uns damit nicht ein bisschen zu einfach gemacht?

Ist die Digitalisierung der Kern allen Übels?

Gewiss trägt auch die Digitalisierung ihren Teil zur Entwicklung der Generation Maybe bei. Schon in der Kindheit wurde sie mit deutlich mehr Eindrücken großgezogen als es noch bei ihrer Elterngeneration der Fall war. Im Fernsehen, und später auch im Internet, waren plötzlich viel mehr Informationen zugänglich und Berichte über andere Kulturen, Religionen und Lebensweisen gehörten quasi zur Tagesordnung. Und damit nicht genug mit der bunten Welt der Digitalisierung: Die sozialen Medien setzten gleich nochmal einen drauf: Es ist jetzt kein Geheimnis mehr, dass der frühere Schulkamerad einen tollen Job bei der renommierten Werbeagentur in Shanghai ergattert hat oder dass die Kommilitonin aus dem Studium ihr Leben bei der Backpack-Tour durch Australien genießt. Die Möglichkeiten scheinen unendlich und mehr und mehr steigt der Druck, sich mit anderen zu vergleichen. Jede Idee scheint plötzlich realistisch, jede Religion könnte die passende sein und auch beruflich scheint es keinerlei Grenzen mehr zu geben. Studieren gehört schon zum guten Ton und der Job im Ausland ist quasi zum Greifen nahe. Kein Wunder, dass sich da früher oder später die Qual der Wahl bemerkbar macht.

Auch Arbeitgeber leisten ihren Beitrag

Dennoch kann die Digitalisierung nicht einfach als Sündenbock vorgeschoben werden. Klar trägt Social Media einen großen Teil dazu bei, dass man sich plötzlich ständig mit allen anderen vergleicht und dadurch unter dem stetigen Druck der Selbstoptimierung steht. Doch auch die Arbeitgeber leisten ihren Beitrag zur Entwicklung der Generation Maybe. Unbefristete Arbeitsverträge werden immer mehr zur Seltenheit und der klassische Industriebeamte hat schon lange ausgedient. Stattdessen müssen sich Berufseinsteiger viele Jahre lang durch Praktika, Volontariate oder Traineestellen erst einmal beweisen, bevor sie überhaupt eine Chance auf einen Arbeitsvertrag haben. Befristet – versteht sich. Dass sich die Generation Maybe mit der Generation Praktikum deckt, ist gewiss kein Zufall. Rund 18 Prozent der Berufseinsteiger in Deutschland absolvieren nach ihrer Ausbildung erst einmal ein Praktikum. 20 Prozent zählen sogar mehrere Praktika, bevor sie einen festen Arbeitsvertrag unterzeichnen. Trotz, dass für die Generation Maybe also irgendwie alles möglich ist, scheint das ruhige und vorhersehbare Leben mit einem sicheren Arbeitsplatz, welches noch die Generation ihrer Eltern führte, schier unerreichbar.

Infografik: Generation Praktikum | Statista
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Stattdessen steigen die Ansprüche der Arbeitgeber immer weiter: Exzellente Sprachkenntnisse in zwei, drei oder mehr Fremdsprachen gehören zum neuen Standard, Auslandserfahrung ist erwünscht und Bewerbungen ohne Berufserfahrung werden häufig unverzüglich aussortiert. Der moderne Bewerber sollte also bestenfalls höchstens 25 Jahre alt sein, zwei verschiedene Studiengänge mit einer Eins abgeschlossen haben, fünf Jahre im Ausland verbracht und nebenher bereits mindestens zehn Jahre gearbeitet haben. Der Durchschnitt ist nicht mehr gut genug. Es sind also nicht nur die sozialen Medien und der ständige Vergleich mit Freunden, Bekannten oder auch völlig Fremden, sondern es sind auch die Arbeitgeber selbst, welche durch den seltsamen Mix aus überzogenen Erwartungen, befristeten Arbeitsverträgen und anhaltenden Sparmaßnahmen die Generation Maybe in eine geradezu lähmende Unentschlossenheit treiben. Kein Wunder, dass sich die Mittzwanziger und 30-Jährigen irgendwo zwischen “Alles ist möglich” und “Ich bin nicht gut genug” wiederfinden!

Hat die Generation Maybe den Bezug zur Realität verloren?

Experten werten die Unentschlossenheit der Generation Maybe als Zeichen der Überforderung. Im Mittelpunkt steht stets das Streben nach Selbstverwirklichung, doch wo und wie die jungen Erwachsenen diese finden können, bleibt ein großes Rätsel. Der Eine sucht sein großes Glück in der steilen Karriere in der Industrie, der Nächste führt ein heimatloses Dasein als digitaler Nomade auf einer niemals endenden Weltreise. Nur selten strebt die Generation Maybe aber nach einem festgesetzten Ziel, Entscheidungen werden mehr oder weniger aus dem Bauch heraus getroffen, der richtige Weg wird sich durch den Zufall oder das Schicksal schon noch finden und damit auch der Traumberuf beziehungsweise -job. Und selbst dieser sieht gänzlich anders aus als noch vor zehn oder 20 Jahren:

  • ausgewogene Work-Life-Balance
  • eine sinnhafte Tätigkeit
  • Möglichkeiten zur beruflichen sowie persönlichen Weiterentwicklung
  • flexible Arbeitszeiten
  • gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • o.ä.

Das sind nur einige der neuen Anforderungen, welche die Generation Maybe an ihren Traumjob stellt. Und das nicht anstatt, sondern zusätzlich zu den materiellen Werten, wie einer guten Bezahlung oder hierarchischen Aufstiegsmöglichkeiten. Ist die Generation Maybe also vielleicht so unentschlossen, weil sie völlig unrealistischen Vorstellungen vom Arbeitsleben nachhängt?

Wenn alle Türen offenstehen, fällt eine Entscheidung schwer

Nein. Die jungen Erwachsenen, welche zur Generation Maybe gezählt werden, verfügen in der Regel über eine exzellente Ausbildung. Theoretisch gesehen, stehen ihnen damit beruflich alle Türen offen. In den Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels sind ihre hohen Ansprüche an den Traumberuf also durchaus als realistisch zu werten. Die Generation Maybe sieht sich in einer besseren Verhandlungsposition als noch ihre Eltern- oder Großelterngeneration. Sie will schlichtweg mehr vom Leben, fordert das ein und kann es in vielen Fällen auch haben. Doch wenn es nach oben keine Grenzen gibt, wann ist dann der Zeitpunkt gekommen, einfach mal zufrieden zu sein? Vielleicht liegt das Problem also darin, dass die Generation Maybe das Glücklichsein verlernt hat. Zufriedenheit, was bedeutet das eigentlich? Wenn ein Job nicht den Erwartungen entspricht oder sich der Beruf in der Realität als weniger traumhaft herausstellt als gedacht, wird kurzerhand gekündigt. Der Patchwork Lebenslauf ist in der Generation Maybe daher schon eher der Standard als die Ausnahme.

Trenderscheinung oder zukunftsweisende Entwicklung?

Schlecht muss das nicht unbedingt sein. Wer keine Angst mehr vor Veränderung hat, kann sich schließlich auch stetig verbessern. Und auch bei den Unternehmen ist mittlerweile ein Umdenken zu erkennen:

Die Arbeitgeber wissen, dass sie die hochqualifizierten Fachkräfte aus der Generation Maybe nicht mehr nur mit materiellen Argumenten locken und langfristig an das Unternehmen binden können.

Wenn Werte wie die ausgewogene Work-Life-Balance mehr in den Fokus rücken, könnte dies auf Dauer einen Rückgang der stressbedingten psychischen und physischen Erkrankungen nach sich ziehen. Doch zu diesem Zeitpunkt ist das reine Spekulation. Dennoch stehen die Chancen gut, dass die Generation Maybe, wenn sie denn früher oder später einmal weiß was sie will, auch genau das erreichen kann. Es ist also an der Zeit, sich von dem Entweder-oder zu verabschieden, eine Entscheidung zu treffen, sich Ziele zu setzen und die zahlreichen Möglichkeiten dieser einzigartigen Generation voll und ganz auszunutzen. Und dann? Dann müssen Sie lernen einfach wieder glücklich und zufrieden zu sein, ohne den ständigen Vergleich und die andauernde Selbstoptimierung. Die Generation Maybe ist daher irgendwie weder Trenderscheinung noch zukunftsweisende Entwicklung – und irgendwie auch beides. Oder was denken Sie?

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