Praktikum, Volontariat, Trainee… Trendmodelle, die für viele Berufsanfänger mittlerweile zum regelrechten Teufelskreis mutieren. Während noch vor wenigen Jahren ein Hochschulabschluss gleichbedeutend war mit einer Garantie auf eine gut bezahlte Festanstellung in Industrie, Forschung und Co., stehen die Absolventen heutzutage oftmals vor befristeten Verträgen und Bezahlungen unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Verkauft werden diese Modelle als Chance auf eine dauerhafte Anstellung. Doch wird das Versprechen zur Realität? Und wenn ja, wie schaffen Sie den Sprung in die Festanstellung?

Inhalt:

1) Abschluss- und was jetzt?
2) Einmal unbefristet, bitte!
3) Von nichts kommt nichts
4) Tipps und Tricks für eine gute Außenwirkung
5) Und am Schluss war doch alles vergebens?
6) Zahlen und Fakten

Abschluss- und was jetzt?

Berufserfahrung ist das Stichwort. Es sind kaum Stellenausschreibungen zu finden, in denen nicht mindestens drei Jahre vorausgesetzt werden. Als frischer Absolvent jedoch treffen Sie bereits hier auf das erste Hindernis. Während Ihres Studiums sollten Sie bestenfalls Berufs- und Auslandserfahrung gesammelt haben, allerbeste Noten dabei natürlich selbstverständlich, sonst sieht es auf dem Stellenmarkt erst einmal schwarz aus. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Und selbst dann: Unbefristete Verträge sind out. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen und rasanter Konjunkturschwankungen halten die Unternehmen ihre Belegschaft gerne flexibel. Zudem sind die gut ausgebildeten Praktikanten, Volos und Trainees hoch qualifizierte und dennoch angenehm günstige Arbeitskräfte. Der gesetzliche Mindestlohn setzte zwar erst kürzlich strengere Regelungen in Kraft, Ausnahmen jedoch gibt es genügend. Warum also sollten Arbeitgeber noch unbefristete Verträge herausgeben? Zugegeben, gegen ein Praktikum nach dem Studium für die erste Berufserfahrung oder die einjährige Volontariatsstelle im Unternehmen der Träume ist nichts einzuwenden. Doch was dann?

Einmal unbefristet, bitte!

Seien Sie mutig und fragen gleich beim Bewerbungsgespräch nach den möglichen Perspektiven. Dies vermittelt Ihrem zukünftigen Arbeitgeber nicht nur ein positives und motiviertes Bewerberbild, sondern bietet Ihnen zugleich Aufschlüsse über Ihre Funktion als Praktikant, Volo o.ä. Sollen Sie nur Kaffee kochen? Oder werden Sie professionell in den entsprechenden Arbeitsbereich eingeführt, mit dem Ziel einer längerfristigen produktiven Zuarbeit? Stoßen Sie bereits zu diesem Zeitpunkt auf Mauern oder schwammige Perspektiven, sollten Ihre Alarmglocken „billige Arbeitskraft“ läuten. Betreiben Sie Networking, holen Sie sich Informationen bei Angestellten, freien Mitarbeitern oder Geschäftspartnern. Vielleicht waren diese selbst einmal in Ihrer Position? Was haben sie zu berichten und welche Tipps könnten Ihnen helfen? Die richtige Vorbereitung und exklusive Stellenauswahl sind das A und O für die Umwandlung einer befristeten in eine unbefristete Stelle. Und dann?

Von nichts kommt nichts

Eine gute Leistung ist natürlich unabdingbar. Termingerechte Abgabe, zufriedenstellende Qualität, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit. Der befristete Vertrag ist für beide Seiten die perfekte Möglichkeit zur Überprüfung der eigenen Zufriedenheit. Dabei steht natürlich die Tätigkeit an sich im Vordergrund, doch auch viele weitere Aspekte fließen am Ende des Praktikums in die beidseitige Beurteilung mit ein. Wie fühlen Sie sich wohl und haben sich in das Team eingefügt? Wie gut konnten Sie Ihre Arbeit erledigen und hatten Spaß dabei? Wie selbstsicher, freundlich und engagiert treten Sie auf? Alles in allem sollte die Entscheidung für oder gegen eine Stelle eine Mischung aus Ihren gewonnen Erfahrungen und dem Bauchgefühl sein. Denn spricht alles für die Stelle, Ihr Bauch sagt aber Nein, so hören Sie lieber auf ihn. Denn das Unterbewusstsein nimmt oft Kleinigkeiten wahr, wie eine schlechte Atmosphäre oder unterschwellige Konflikte, die Ihnen so direkt nicht bewusst sind. Andersherum wird auch der Arbeitgeber Ihnen nur dann eine Festanstellung anbieten, wenn er hundertprozentig von Ihnen überzeugt ist.

Tipps und Tricks für eine gute Außenwirkung

Schein ist manchmal mehr als Sein. Aber der Schein sollte nicht trügen. Sprich: vermitteln Sie ein rundum positives Bild von Ihrer Person und Ihren Fähigkeiten, aber gaukeln Sie Ihrem Chef und Ihren Kollegen nichts vor. Denn früher oder später kommen auch Ihre Schwächen ans Licht. Stehen Sie dazu, stellen Sie wenn nötig Fragen bevor Sie einen Fehler machen und bitten Sie um Hilfe bei Überforderung. Kleine Schwächen machen durchaus sympathisch und werden bei einem Berufsanfänger auch immer gerne toleriert. Zudem bekunden Sie Neugierde und eine hohe Lernbereitschaft. Das ist jedem Arbeitgeber allemal lieber als der perfekte Alleingänger, der vor lauter Eifer zu Fehlern neigt. Wenn Ihnen das alles aber noch zu Lari-Fari war, kommen hier die Tipps und Tricks für motivierte Praktikanten:

  • Pünktlichkeit: simpel aber wichtig. Schon beim Bewerbungsgespräch ist Unpünktlichkeit das absolute No-Go unter den Fettnäpfchen. Zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein ist das A und O während des Praktikums. Seien Sie ausgeschlafen und motiviert morgens zur Stelle und sagen Sie dem Chef als Erster Hallo, während Ihre Kollegen noch verträumt über dem Kaffee hängen. Aber Vorsicht: Übertreiben Sie es nicht mit der Freundlichkeit. Sonst werden Sie bei Ihren Kollegen schnell als Schleimer abgestempelt.
  • Bleiben Sie daher einfach sie selbst, freundlich, respektvoll. Dem Chef gegenüber natürlich, aber auch Ihren Teamkollegen gegenüber. Machen  Sie sich überall beliebt, ohne es zu übertreiben. Denn dann wirkt es schnell gekünstelt und unecht. Sich selbst treu zu bleiben ist eine der wichtigsten Lektionen im Arbeitsleben.
  • Erledigen Sie die Ihnen zugeteilten Aufgaben gewissenhaft. Auch dann, wenn es vielleicht einmal keinen Spaß macht. Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Also Augen zu und durch. Und wenn Sie mal Langeweile haben sollte, gehen Sie nicht online und checken Ihre Facebook-Mails, sondern bieten Sie den Kollegen Ihre Hilfe an, zeigen Eigeninitiative und bringen in früheren Stellen oder im Studium erworbenes Wissen sowie frische Ideen in das Team mit ein.
  • Und nun sind Sie bestimmt neugierig, was der Chef über Sie und Ihre mögliche Zukunft in dem Unternehmen denkt. Dennoch: Geduld ist gefragt. Sich bei dem Bewerbungsgespräch kurz nach den Perspektiven zu erkundigen ist die eine Sache. Den Chef immer und immer wieder danach zu fragen oder zu einem viel zu frühen Zeitpunkt damit auf ihn zuzugehen eine andere. Dadurch wird er sich schnell unter Druck gesetzt fühlen oder genervt reagieren. Also warten Sie das Abschlussgespräch ab und greifen dann die besprochenen Perspektiven der Bewerbung wieder auf.

Und am Schluss war doch alles vergebens?

Wohl kaum! Klar kann es passieren, dass Sie zum Ende Ihres Praktikums trotz all der Mühen ohne Festanstellung dastehen. Das kann unterschiedlichste Gründe haben, von Konjunkturschwankungen bis Überbesetzung. Aber nicht verzagen: Halten Sie den Kontakt zu Chef und Kollegen, rufen Sie hin und wieder an oder schreiben eine E-Mail. Wenn Sie bewusst machen, wie sehr Sie sich wünschen für genau dieses Unternehmen zu arbeiten, werden Sie vielleicht die nächste Anlaufstelle sein wenn eine Mitarbeiterin schwanger wird oder der Betriebsälteste in den Ruhestand geht. Flexibilität und schnelle Einsatzfähigkeit sind in der heutigen Wirtschaft nämlich wichtige Tugenden. Warum also sollte nicht auf einen neuen Mitarbeiter zurückgegriffen werden, der bereits angelernt ist und nur so vor Motivation und Einsatzwillen sprüht?! Und je nach Branche bietet sich zwischenzeitlich vielleicht die Zuarbeit als Freelancer an. Also Geduld, ihre Chancen stehen gut, das belegen auch zahlreiche Studien…

Zahlen und Fakten

…denn bei Audi, Porsche, Bosch und Co. sind Praktika mittlerweile ein Muss, bevor eine Arbeitskraft neu eingestellt wird. Berufserfahrung hin oder her. 60 Prozent der Audi Beschäftigen haben zuvor ein Praktikum abgeleistet, bei Porsche sind es sogar 80 Prozent. Wer zu Bosch möchte, kommt an einem dreimonatigen Praktikum nicht vorbei. Die Deutsche Bank rekrutiert 50 Prozent ihrer Mitarbeiter aus den hauseigenen Praktikanten, Ernst & Young setzt neben der Erfahrung im eigenen Betrieb zudem mindestens ein fachfremdes Schnuppern voraus. Teufelskreis oder Chance? Im Endeffekt kann das Jeder für sich selbst entscheiden. An Praktikum, Volontariat oder Trainee kommt heutzutage dennoch kaum ein Berufseinsteiger vorbei. Und bestimmt gab es auch nicht immer nur schlechte Erfahrungen?

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