Hast du schon einmal stundenlang an einer Bewerbung für einen Job gesessen, nur um dann nie wieder etwas von der Firma zu hören? Willkommen in der Welt der Ghost Jobs!

Anzeige

Was sind eigentlich Ghost Jobs?

Ghost Jobs narren immer mehr Bewerber und verschwenden ihre kostbare Zeit. Diese Fake-Stellenanzeigen bewerben Jobs, die entweder längst besetzt sind oder nie existiert haben. Doch warum in aller Welt machen Unternehmen das? Ist doch eigentlich quatsch, nicht ganz.

Die wahren Gründe hinter Ghost Jobs

  1. Imagepflege und Wachstumsillusion: Unternehmen wollen dynamisch, erfolgreich und wachstumsstark erscheinen. Dauerhaft ausgeschriebene Stellen signalisieren Expansion und Innovation – eine Strategie, die Investoren, Kunden und Fachkräfte beeindrucken soll. Stell dir vor, ein Unternehmen sieht in den Augen der Öffentlichkeit aus, als würde es boomen, obwohl es hinter den Kulissen eher stillsteht.

  2. Marktforschung: Durch Ghost Jobs können Firmen den Arbeitsmarkt analysieren und herausfinden, welche Qualifikationen und Fähigkeiten gerade verfügbar sind. Sie nutzen diese Taktik, um ihre zukünftigen Personalentscheidungen besser planen zu können. Es ist ein Spiel mit den Hoffnungen und Träumen der Bewerber, nur um interne Daten zu sammeln.

  3. Bewerberdatenbank: Firmen sammeln Bewerbungen, um eine pralle Datenbank potenzieller Kandidaten zu erstellen. Das beschleunigt den Rekrutierungsprozess erheblich, wenn tatsächlich eine Stelle frei wird. Sie haben dann sofort Zugang zu einem Pool an Bewerbern, ohne den langwierigen Rekrutierungsprozess erneut durchlaufen zu müssen. So hat man auch in Zeiten des Fachkräftemangels passende Bewerber schnell zur Hand.

  4. Skill Assessment: Sie wollen herausfinden, ob ihre Mitarbeiter noch wettbewerbsfähig sind und wo Schulungen und Weiterbildungen notwendig sein könnten. Zudem sind diese Informationen für zukünftige Stellenausschreibungen wertvoll, da Unternehmen möglicherweise bestimmte Tools und Fähigkeiten noch nicht im Blick haben. Durch die Analyse der eingehenden Bewerbungen können sie außerdem neue Trends und Technologien entdecken, die sie noch nicht auf dem Schirm hatten.
  5. Druck auf Beschäftigte ausüben: Oftmals wird durch die Veröffentlichung von Ghost Jobs suggeriert, dass schnell „Ersatz“ für die eigene Stelle gefunden werden kann. Hier soll der Konkurrenzkampf angeheizt und der Eindruck erweckt werden, dass schnell eine bessere Fachkraft für den eigenen Job gefunden werden kann. Der so entstehende Druck kann dazu führen, dass Mitarbeiter härter und produktiver arbeiten, aus Angst, ihren Job zu verlieren.

Warnsignale: So erkennst du Ghost Jobs

Das Entlarven von Ghost Jobs ist nicht immer ganz einfach. Hier sind die typischen Warnsignale, auf die du achten solltest:

Anzeige
  • Dauerhafte Online-Präsenz: Wenn eine Stellenanzeige über Monate hinweg unverändert online ist, sollten bei dir die Alarmglocken läuten. Kling Klong. Solche Anzeigen deuten oft darauf hin, dass die Position nie besetzt werden soll. 

  • Vage Stellenbeschreibungen: Fehlen klare Anforderungen und Aufgabenbeschreibungen, ist Vorsicht geboten. Seriöse Stellenanzeigen sind detailliert und präzise. Unklare Angaben deuten ebenfalls darauf hin, dass die Stelle gar nicht existiert.

  • Unklare Unternehmensinformationen: Seriöse Unternehmen bieten in ihren Anzeigen direkte Links zu Karriereseiten und geben klare Kontaktinformationen an, damit Bewerber sie schnellstmöglich kontaktieren können. Wenn du keine konkreten Informationen findest, sei skeptisch. Es könnte sich um einen Ghost Job handeln.

Ghost Jobs zermürben Bewerber und schaden dem Unternehmensimage

Ghost Jobs frustrieren Bewerber nicht nur, sondern rauben ihnen wertvolle Zeit. Vergebliche Bewerbungsbemühungen und ausbleibendes Feedback können die Motivation und das Selbstvertrauen stark beeinträchtigen. Logisch, wer immer im Ungewissen bleibt. Ständige Absagen oder Nicht-Antworten sind ein zermürbender Prozess, der deine psychische Gesundheit belastet. Stell dir vor, du setzt alles auf eine Bewerbung (das sollte man nicht tun) und bekommst nie eine Antwort – das nagt an deinem Selbstwertgefühl.

Dieser unnötige Stress und die Enttäuschung verbreiten sich schnell durch Mundpropaganda und soziale Medien. Bewerber teilen ihre negativen Erfahrungen mit Freunden, Familie und Online-Communities, was das Ansehen des Unternehmens nachhaltig beschädigt und zukünftige Bewerber abschreckt.

Rechtliche Grauzonen und fehlende Regulierung

Obwohl das bewusste Irreführen von Bewerbern schon moralisch fragwürdig ist, bewegen sich viele Unternehmen in einer rechtlichen Grauzone. Es gibt kaum Präzedenzfälle, in denen Bewerber erfolgreich gegen Firmen vorgegangen sind, die Ghost Jobs veröffentlicht haben. Juristische Experten fordern daher klarere gesetzliche Regelungen, um solche Praktiken zu unterbinden oder zumindest einzudämmen. Derzeit fehlt es an klaren Gesetzen, die diese „bewussten“ Täuschungen effektiv ahnden.

Anzeige

Welche Branchen sind besonders betroffene?

Ghost Jobs tummeln sich besonders in Branchen, die einem hohen Konkurrenzdruck ausgesetzt sind und einen ständigen und hohen Bedarf an Fachkräften haben:

  • IT-Branche: Der kontinuierliche Bedarf an neuen Technologien und qualifizierten Fachkräften führt zu häufigen Ghost Jobs. Unternehmen möchten immer vorbereitet sein und einen Pool an Talenten in der Rückhand haben. Sicher ist sicher.

  • Gesundheitswesen: Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen nutzen Ghost Jobs, um bei Bedarf schnell reagieren zu können. Angesichts des Fachkräftemangels in dieser Branche ist dies eine gängige Praxis.

  • Marketing und Vertrieb: Dynamische Märkte erfordern flexible Ressourcen, weshalb hier oft Ghost Jobs geschaltet werden. Die Unternehmen wollen bei neuen Projekten oder Marktveränderungen sofort reagieren und die nötigen Talente zur Hand haben.

Strategien: So schützt du dich vor Ghost Jobs

Hier sind einige Strategien, um dich vor Ghost Jobs zu schützen:

  • Direkte Kontaktaufnahme: Fragen bei Unklarheiten direkt beim Unternehmen nach. Ein kurzer Anruf kann oft schnell klären, ob die Stelle tatsächlich noch zu besetzen ist. Scheue dich nicht, proaktiv zu sein. So sparst du dir zumindest die Zeit für dein Bewerbungsschreiben.

  • Netzwerken: Berufliche Netzwerke wie LinkedIn oder Xing bieten wertvolle Informationen und helfen, Erfahrungen anderer zu nutzen. Hier kannst du direkt von anderen Bewerbern erfahren, welche Erfahrungen sie mit Unternehmen XYZ gemacht haben.

  • Gründliche Recherche: Überprüfe das Unternehmen und seine Stellenanzeigen genau. Regelmäßig vage oder dauerhaft offene Anzeigen sind ein Warnsignal. Eine gründliche Hintergrundrecherche kann dir viel Ärger ersparen.

Ghost Jobs schaden Betroffenen langfristig

Persönliche Geschichten verdeutlichen die emotionalen und praktischen Konsequenzen von Ghost Jobs. Patricia Parnet beschreibt auf Medium, wie sie nach Monaten erfolgloser Bewerbungen an ihren Fähigkeiten zweifelte und entmutigt wurde. Solche Berichte zeigen, wie tief die Enttäuschung und Frustration über diese Praxis gehen können. Es ist wichtig, diese Geschichten zu teilen und das Bewusstsein für dieses Problem zu schärfen.

Anzeige

Statistik: Bis zu 20 Prozent der ausgeschrieben Stellen sind Fake

Eine Studie von Indeed zeigt, dass bis zu 20% der online ausgeschriebenen Stellenanzeigen nicht auf tatsächliche offene Positionen hinweisen. Diese Zahl unterstreicht die Dringlichkeit, sich mit dem Phänomen der Ghost Jobs und Fake Stellenanzeigen endlich auseinanderzusetzen. 

Fazit und Aufruf

Ghost Jobs belasten in Zeiten des Fachkräftemangels den Arbeitsmarkt zusätzlich. Es ist an der Zeit, dass Unternehmen für mehr Transparenz und Ehrlichkeit im Bewerbungsprozess sorgen. Du als Bewerber solltest aktiv nachfragen und dich mit Entscheidern vernetzen, um solchen Praktiken vorzeitig den Stecker zu ziehen. 

Teile diesen Artikel, diskutiere in den Kommentaren und unterstütze andere Bewerber auf ihrem Weg zu einem ehrlichen und transparenten Bewerbungsprozess.

Anzeige

Bild: Foto von Billy Aboulkheir auf Unsplash