Schlechte Manieren können zum Karrierehemmer werden – takt- und stilloses Verhalten Geschäftsabschlüsse scheitern lassen. Benimm-Trainings erfreuen sich großer Beliebtheit: Nicht nur Führungskräfte, auch ganz normale Menschen entdecken wieder, dass gute Manieren das Leben erleichtern können. Sogar Schulklassen sind an diesen Kursen interessiert, Personalchefs achten bei jungen Erwachsenen auf die gute Kinderstube, da diese auch für die empathischen Fähigkeiten verantwortlich gemacht wird.

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Dabei geht es nicht nur darum, etwa Austern und Hummer „richtig“ zu verspeisen. Praxisnah wird gezeigt, wie wir Fettnäpfchen umgehen können und selbstsicher auch prekären Situationen gewachsen sind. Der erste Eindruck ist sehr wichtig: Schon in drei bis fünf Sekunden entscheidet sich, wie jemand wirkt. Zu 55 % hängt das von Kleidung, Körpersprache und Geruch ab. Zu 38 % ist der Klang der Stimme maßgeblich und nur mit sieben Prozent fließt der Inhalt des Gesagten in die Beurteilung ein.

Die Macht des ersten Eindrucks

Für Stil-Experten sind solche Erfahrungswerte Grund genug, das äußere Erscheinungsbild zu „schulen“ – ein Gradmesser für Qualität und Professionalität. Wichtig ist, sich den Gepflogenheiten des Unternehmens und den Erwartungen der Kunden anzupassen. Ein sicheres Gespür für das richtige Outfit zu haben, stärkt jede Persönlichkeit. Sicherlich lässt sich eine Persönlichkeit nicht stylen, doch kann man sie mit einem geschickten Styling zum Ausdruck bringen.

In der Freizeit sollte jeder tragen und machen dürfen, was er mag. Doch spiegelt die Kleidung die Einstellung und den Charakter eines Menschen wieder. Durch die angemessene Kleidung zeigen wir auch dem anderen gegenüber Achtung und Akzeptanz. Überhaupt ist Wertschätzung und ein respektvolles Miteinander ein bedeutsamer Punkt im Umgang mit anderen Menschen.

Hallo, Guten Tag oder Servus – Grüßen zählt zu den Eckpfeilern der Höflichkeit

Ein wichtiges Thema ist noch immer das Grüßen und Begrüßen. Starre Regeln sind zwar gewichen, aber im Geschäftsleben zählt nach wie vor der Rang. Generell gilt: Hierarchie toppt Geschlecht und Alter und das heißt, die 55jährige Sekretärin grüßt ihren dreißigjährigen Chef zuerst. Bei der Begrüßung mit Händeschütteln reicht dagegen der Ranghöhere als erster die Hand.

Pünktlichkeit ist auch ein Zeichen von Zuverlässigkeit

Schon Napoléon Bonaparte sagte: „Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und dem Menschen doch das Kostbarste stehlen: Die Zeit.“ Eines der größten Zeitfresser ist das Warten auf Zuspätkommende bei Meetings. Pünktliches Erscheinen bei Besprechungen ist obligatorisch. Auch der Chef darf ein Vorbild sein, denn zu spät kommende Chefs lösen schlechte Stimmung aus und finden häufig „Nachahmer“. Auch im Privatleben sollte Pünktlichkeit selbstverständlich sein, denn mit jedem Zuspätkommen spielen wir mit der Zeit der anderen Menschen, mit denen wir verabredet sind.

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Wertschätzung und Respekt – nicht für jeden selbstverständlich

Grundsätzlich haben Indiskretion, Verantwortungslosigkeit, Egoismus und Rücksichtslosigkeit im Umgang mit Kollegen nichts zu suchen. Alles, was Menschen herabsetzt, sollte im privaten Umfeld und auch im Büro vermieden werden. Wer freundlich, offen und respektvoll mit seinen Mitmenschen umgeht, der hat die beste Basis für den erfolgreichen Umgang mit Menschen. „Menschliche Kompetenz“ ist hier das Zauberwort, welches uns nicht nur die Türen sondern auch die Herzen öffnet.

Sage mir, wie du isst, und ich sage dir, was du bist

Diese Aussage aus dem 18. Jahrhundert von dem französischen Schriftsteller Jean Anthelme Brillat-Savarin ist nach wie vor aktuell. Problematisch für viele Menschen ist tatsächlich die Tischkultur. Auch in der Kantine sollte man seine Manieren trotz Zeitdrucks nicht vergessen. Hastiges Herunterschlingen, mit vollem Mund sprechen, Schmatzen, Schlürfen sind derbe Taktlosigkeiten. Dass man das Messer nicht ableckt, die Ellbogen nicht auf den Tisch stützt und nicht mit hängendem Kopf am Tisch sitzt, ist längst nicht allen klar.

Mehr Leichtigkeit beim Lunch mit dem Kunden oder beim Geschäftsdinner mit dem Chef

Wie schnell aus einem angenehmen Abend ein verkrampfter Drahtseilakt werden kann! Sie begleiten Ihren Chef zu einem Geschäftsessen in ein gutes Restaurant. Für Sie kein Grund unentspannt zu sein – wären da nicht plötzlich lauter verschiedene Bestecke, Gläser und Teller vor Ihnen auf dem Tisch! Welches Messer ist bloß das richtige für Ihre Vorspeise? Und auf welchen Teller kommt das Brot? Damit Sie in Zukunft Fettnäpfchen sicher umgehen, ist es ratsam, einen Ratgeber zu lesen oder ein unterhaltsames Aktiv-Seminar zu besuchen – „learning by doing“ ist bekanntermaßen die einfachste Art zu lernen.

Tischkultur im Wandel der Zeit

Für uns ist selbstverständlich, dass wir mit Gabel, Messer und Löffel essen. Manche meinen sogar, dass das ein Zeichen einer guten Kinderstube sei. Doch warum ist das eigentlich so? Schließlich essen nicht alle Menschen auf dieser Welt mit dem uns bekannten Besteck. In Asien werden beispielsweise Stäbchen verwendet – das ist für uns oft ganz schwierig. Bei uns in Europa gilt es als unschicklich, bei Tisch zu schmatzen und zu rülpsen. Das gehört in China sozusagen zum „guten Ton“ – man zeigt damit, dass einem das Essen schmeckt.

In der heutigen Zeit liegt bei einem festlichen Gedeck viel Besteck zu beiden Seiten und an der Stirnseite des Tellers. Oft finden Sie einen Platzteller aus Metall bzw. farblich vom Geschirr abgesetzt. Löffel und Messer liegen rechts, Gabeln links vom Teller. Das Dessertbesteck befindet sich oberhalb des Tellers. Dies wird von der Restaurantfachkraft vor dem Servieren des Desserts “heruntergezogen”. Die Gläser sind auf der rechten oberen Seite des Gedecks platziert.

Learning by doing

Krustentiere, Fisch und Geflügel fachgerecht zerlegen, Artischocken stilsicher genießen, den Unterschied zwischen Fingerfood und Fingergerichte kennenlernen, der Umgang mit der Serviette, die Bestecksprache – das sind alles wichtige Themen für das souveräne Verhalten bei Tisch.

Schlussendlich zeigt sich immer wieder, dass wir mit dem 1×1 der Umgangsformen an persönlicher Sicherheit für jede Situation gewinnen und viel natürlicher wirken – denn das gekonnte und sichere Auftreten entscheidet sowohl in der Privat- als auch in der Geschäftswelt über unseren Erfolg.