Beamter wird in Deutschland nur, wer nicht zu alt, zu krank oder gar zu dick ist. Und wer nicht verbeamtet wird, muss finanziell spürbar Abstriche machen. Wie sieht es eigentlich aus mit den Kriterien für den Beamtenstatus?

Ein einziger Tag – nämlich der Gesundheitscheck beim Amtsarzt – kann darüber entscheiden, ob Sie in den Staatsdienst aufgenommen werden oder nicht. Dabei geht es auch um Geld und eine gesicherte Zukunft. Wenn Sie Übergewicht oder Bluthochdruck haben, sinken Ihre Chancen. Allerdings wird dies von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt.

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Falls Sie abgelehnt werden, müssen Sie wissen: Es gibt keinen rechtlichen Anspruch auf die Verbeamtung. Aber Abzüge, die z. B. bei Grundschullehrern bei rund 450 Euro netto höher liegen als bei Kollegen mit Beamtenstatus. Als Angestellte/r zahlen Sie nämlich alle Sozialabgaben.

Die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) kommentiert dies pragmatisch:

Es ist legitim, dass der Staat sich für eine Alimentationszulage bis zum Lebensende nur gesunde Leute einkauft.

Damit werde den Interessen der Steuerzahler Rechnung getragen. Wenn nämlich ein Beamter frühzeitig arbeitsunfähig wird, ist der Staat verpflichtet, ihn lebenslang zu alimentieren, d. h. ihn finanziell zu unterstützen.

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Insofern erscheint es kaum verwunderlich, dass Ältere und nicht mehr ganz Gesunde meist angestellt werden – 205.000 von bundesweit 850.000 Lehrern beispielsweise sind Angestellte im Öffentlichen Dienst. Davon arbeiten die meisten allerdings in Bundesländern, die überhaupt nicht verbeamten. Eine Reihe von Nachteilen gilt es für diese Pädagogen zu akzeptieren: geringeres Nettogehalt, knappere Altersbezüge, weniger Zulagen und Absicherung.

Dicke Lehrer – nicht willkommen?

Jeder intelligente Mensch weiß, dass Übergewicht ein gesundheitliches Risiko bedeutet. Wie aber steht es mit Bewerbern, die rauchen und regelmäßig Alkohol trinken? Offenbar wird der Konsum von Tabak und alkoholischen Getränken in vielen Bundesländern gar nicht überprüft, weil man der Meinung (wie in Bremen) ist, dies könne ein Amtsarzt kaum kontrollieren. Experten weisen jedoch darauf hin, dass das Risiko zu erkranken bei Rauchern größer sei als bei Übergewichtigen. Die Hamburger Schulbehörde argumentiert, der Konsum von Nikotin könne schließlich „abrupt aufgegeben werden“.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt: Jeder Anwärter auf Verbeamtung erhält eine zweite Chance und kann den Rat „Abnehmen und wiederkommen“ befolgen. Manche haben sich bis zum Termin der Nachuntersuchung auf ein passables Gewicht gehungert, nur um das begehrte Gesundheitszeugnis zu bekommen. Sie wissen, dass sie danach nie wieder kontrolliert werden. Kein Wunder also, dass es eine Menge korpulente Lehrer gibt.

Für Unmut sorgen die unterschiedlichen Maßstäbe bei der Verbeamtung, moniert die GEW. Ab einem BMI (Body Mass Index) von 30 beginnt nach allgemeiner Definition die Fettleibigkeit, und das Bundesland Bremen setzt hier dementsprechend eine Grenze. Das Land Niedersachsen entscheidet von Fall zu Fall und zieht Alter, Muskelmasse und Körperfettverteilung mit in Betracht. In Bayern können Sie mit einem BMI bis 34,9 noch Beamter werden, in Hamburg reicht die Toleranzgrenze sogar bis zu einem BMI von 40.

Ausfälle aufgrund von Krankheiten

Wenn die Bundesländer auch dafür Sorge tragen, dass es zu keinen Ausfällen aus gesundheitlichen Gründen kommt, kümmern sie sich nicht besonders gründlich um die Analyse ihrer Krankenstände. Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium leistet sich nach eigener Angabe keine statistische Erfassung, und angeblich aus Datenschutzgründen werden in den meisten Bundesländern keine Krankenstatistiken geführt. So kann die Annahme, Korpulenz führe zur Arbeitsunfähigkeit, nirgendwo durch statistische Werte untermauert werden.

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Dennoch ist es kein Geheimnis, welches die häufigsten Ursachen für Ausfälle sind, nämlich psychische Erkrankungen, Depressionen oder Burnout – generell eine Folge übermäßiger Stressbelastung. Ein Aspekt, den der Amtsarzt vor der Verbeamtung kaum voraussehen kann.

Die GEW sieht kaum Chancen für die Anfechtung der Verbeamtungspraxis in den einzelnen Ländern. Stattdessen kämpft sie dafür, die Bruttogehälter der Angestellten zu erhöhen, um diese mit den verbeamteten Kollegen gleichzustellen.

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