Puh, ganz schön heiß heute! Bei diesen Sommertemperaturen kommt man selbst im Sitzen schon ins Schwitzen. Spätestens, wenn die Unterarme an der Schreibtischplatte festkleben, sehnt man sich nach einer Abkühlung. Hitzefrei im Büro! Das wäre toll … aber ist die temperaturbedingte Auszeit im Arbeitsalltag überhaupt erlaubt? Wir klären auf und verraten, wie Sie den Sommer im Büro am besten überstehen.

Sommer, Sonne, Sonnenschein. Wie schön! Wäre da nur nicht dieses Büro, das uns fünf Tage die Woche vorm PC an einen Stuhl fesselt, statt am See auf ein Badehandtuch. Da sehnt man sich nach der Zeit, in der man noch die Schulbank drückte. Zeigte das Thermometer zu hohe Temperaturen an, warteten im Klassenzimmer alle gespannt auf die Erlösung: Hitzefrei! Und schon wenig später lag man mit einem Eis in der Hand im Schwimmbad. Ob der Chef heute wohl auch, wie damals die Direktorin, mit der Ansage „Es ist Hitzefrei im Büro!“ für Freudensprünge sorgt? Dieses Mal warten Sie leider vergebens …

Hitzefrei im Büro – gibt’s das nur im Märchen?

Könnte man meinen. Zumindest, wenn man Anfang Juli auf Facebook die Meldungen des Satire-Portals „Postillon“ verfolgt hat. Dort hieß es nämlich in einem Post am 2. Juli: „Amtliche Mitteilung: Heute ab 14 Uhr deutschlandweit Hitzefrei!“. Das Arbeitsministerium habe beschlossen, dass alle Berufsgruppen außer Bademeister und Eisverkäufer ihre Arbeitsstelle verlassen und das schöne Wetter genießen sollen. Wer „Postillon“ kennt, weiß, dass diese Nachricht natürlich wie immer nicht der Wahrheit entsprach. Ob Büro oder Baustelle – alle Arbeitnehmer mussten selbst bei den tropischen Temperaturen auf der Arbeit schwitzen als die ersten extremen Hitzewellen des Jahres über Deutschland rollten. Fakt ist: Es existiert keine gesetzliche oder rechtliche Regelung, die besagt, dass Angestellte ein Recht auf Hitzefrei hätten.

Hitzefrei für Schüler: Wann bekommen Kids wirklich frei?

Tatsächlich gilt das auch für Schüler. Die Entscheidung, ob Hitzefrei gegeben wird oder nicht, liegt in der Verantwortung der Schulleitung – einen Anspruch darauf gibt es nicht. In puncto Hitzefrei unterscheiden sich die rechtlichen Regelungen der Bundesländer. So heißt es beim Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst dass eine „Hitzefrei“-Entscheidung von der Höhe der Raumtemperaturen abhängig ist, eine konkrete Temperatur wird aber nicht genannt. In den Verwaltungsvorschriften von Brandenburg steht:

„Werden um 10 Uhr 25 Grad Celsius Außentemperatur im Schatten oder um 11 Uhr an einem für die Raumlufttemperatur innerhalb des Gebäudes repräsentativen Ort 25 Grad Celsius gemessen, soll nicht länger als bis 12 Uhr unterrichtet werden, sofern in der Zwischenzeit keine wesentliche Abkühlung eingetreten ist. Für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II, des Zweiten Bildungsweges und der Fachschulen wird der Unterricht in der Regel dem Stundenplan entsprechend fortgesetzt.“

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen legt wie Bayern keine Temperatur fest, gibt aber einen Anhaltspunkt, dass bei einer Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Hitzefrei gegeben werden kann. Auch in Niedersachen können Schüler bei Spitzentemperaturen nachhause geschickt werden, wenn der Unterricht dadurch erheblich beeinträchtigt wird.

Hitzefrei im Büro: Arbeiten bei Rekordwerten

Ganz so einfach, wie in unserer Vorstellung von damals, scheint die Sache mit dem Hitzefrei in der Schule also gar nicht zu sein. In der Arbeitswelt wird das Ganze natürlich noch ein bisschen strenger gehandhabt. Das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erklärt, dass es für Arbeitnehmer keinen direkten Rechtsanspruch auf Hitzefrei gibt – und auch keinen auf klimatisierte Räume. Aber: Nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass seine Angestellten keiner gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt sind. Wenn es draußen zu heiß ist, können die Temperaturen drinnen schließlich unerträglich werden.

Folge: Die Leistungsfähigkeit sinkt, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen treten auf und das Herz-Kreislaufsystem wird belastet. In einer Arbeitsstättenrichtlinie heißt es, dass die Lufttemperatur in den Arbeitsräumen nicht über 26 Grad betragen sollte. Der Arbeitgeber muss bei einer Außentemperatur von 26 Grad Schutzmaßnahmen für seine Angestellten treffen. Bei geeigneten Maßnahmen ist demnach dann auch eine Arbeit bei wesentlich höheren Temperaturen möglich.

Kein Hitzefrei? So bewahren Sie einen kühlen Kopf

Als Arbeitnehmer lässt sich Hitzefrei im Büro also nicht durchboxen. Man kann seinen Arbeitgeber aber durchaus dazu auffordern, geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Arbeitsbedingungen bei Hitze zu verbessern. Das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt, dass Arbeitgeber und Beschäftigte in Absprache gemeinsam folgende Vorkehrungen treffen sollten:

  • Lüften Sie die Büroräume nachts oder in den frühen Morgenstunden gut durch.
  • Schalten Sie Wärmequellen wie Lampen, Drucker und Kopierer nur nach Bedarf und reduziert ein.
  • Ist eine Klimaanlage vorhanden, sollte diese nicht zu kalt eingestellt werden, damit der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen nicht zu hoch ist – sonst droht eine Erkältung.
  • Sorgen Sie mit einem Tischventilator für Abkühlung.
  • Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung, indem Sie die Jalousien herunterlassen.
  • Nutzen Sie flexible Arbeitszeiten: Fangen Sie morgens früher an zu arbeiten, wenn es noch kühl ist und vermeiden Sie Überstunden.
  • Legen Sie zusätzlich kurze Pausen ein.
  • Besondere Rücksicht muss auf Schwangere, stillende Mütter, ältere Menschen und Kranke genommen werden.

Und was ist, wenn Sie nicht im Büro arbeiten, sondern draußen? Schwere körperliche Arbeit in den heißesten Stunden des Tages und die Mittagssonne sollte man meiden. Es wird empfohlen, im Schatten zu arbeiten und sich mit Kleidung und Sonnencreme zu schützen.

Was sonst noch hilft, wenn es schon kein Hitzefrei im Büro gibt:

  • Wasser marsch! Lassen Sie sich zur Abkühlung kaltes Wasser über die Handgelenke laufen oder stellen Sie sich einen Eimer kaltes Wasser für die Füße unter den Tisch.
  • Tragen Sie lockere Kleidung, die Luft durchlässt und bei der es nicht zum Wärmestau kommt.
  • Trinken Sie viel: Am besten öfters am Tag kleiner Mengen. Sehr kalte Getränke sollten Sie besser meiden, denn unser Körper ist sonst dazu gezwungen Wärme zu produzieren.
  • Essen Sie kleine leichte Mahlzeiten, die nicht belasten. Schreiben Sie sich vor allem Obst und Gemüse auf den Speiseplan.

Sie haben den heißen Tag überstanden? Dann nichts wie raus aus dem Büro: Eis essen, schwimmen, auf dem Balkon sitzen … wir wünschen Ihnen einen schönen (abgekühlten) Feierabend! Und falls Sie Tipps haben, wie man sich im Büro sonst noch am besten abkühlt … immer her damit – schließlich sind wir alle Leidensgenossen!

1 Kommentar

  1. Wieso ist die Rede immer nur von Bürojobs. Im Verkauf, der Produktion, Backstube oder Werkstatt fragt auch keiner. Ne da wird es erwartet schließlich will ja jeder seine Waren und Dienstleistungen egal wie es dem Gegenüber dabei ergeht. Nur ein Bruchteil der Arbeitnehmer ist im Büro tätig. Aber irgendwie geht das an vielen und vor allem den öffentlichen Medien vorbei! Big dislike!

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