Die sogenannte Industrie 4.0 hält in Deutschland Einzug und bringt große Veränderungen für die Arbeitswelt mit sich. Neue Kollegen sind plötzlich elektronisch gesteuert und die Angst der Deutschen um ihren Arbeitsplatz wächst – trotz des angeblichen Fachkräftemangels. Was hat es also wirklich auf sich, mit der Industrie 4.0, und sind Roboter als Arbeitskräfte tatsächlich eine Gefahr für unsere Jobs?

1. Was bedeutet Industrie 4.0?
2. Was hat die Industrie 4.0 mit Robotern zu tun?
3. Werden menschliche Arbeitskräfte also bald durch Roboter ersetzt?
4. Neue Arbeitsplätze durch den Einsatz von Robotern?
5. Wie weit reicht die Industrie 4.0?
6. Der Mitarbeiter von morgen
7. Fazit: Ist die Industrie 4.0 nun gut oder schlecht?

Was bedeutet Industrie 4.0?

Die Industrie 4.0 beschreibt den Prozess der zunehmenden Verschmelzung von Digitalisierung und Fertigungstechnik. Die Maschinen kommunizieren selbständig über das Internet, Fabriken werden immer autonomer und die Fertigungsprozesse unterliegen einem starken Wandel. Was das bedeutet? Für den Endkunden selbst bringt das enorme Vorteile, denn die Produkte können von nun an viel besser individualisiert und auf die speziellen Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. Funkverbindungen, mobile Endgeräte und internetgesteuerte Roboter sollen so schon bald für eine Verschmelzung der Informationstechnik mit der Fertigungsindustrie und Telekommunikation sorgen. Experten sehen in dieser Entwicklung die vierte industrielle Revolution, welche die Massenfertigung ablöst und die Rückkehr zum Unikat bringt, ohne dabei an Produktionsvolumen einbüßen zu müssen.

Was hat die Industrie 4.0 mit Robotern zu tun?

Durch die moderne Vernetzung und das neue Niveau künstlicher Intelligenz, können Roboter nun für immer mehr verschiedene und auch anspruchsvollere Aufgaben eingesetzt werden. Ausgestattet mit einem Internetzugang, einer Funksteuerung und Kameras, habe die Roboter in den letzten Jahren beeindruckende Fortschritte gemacht. Die digitale Steuerung ermöglicht ihnen ein fast selbständiges Arbeiten. Die Zuarbeit der menschlichen Arbeitskräfte wird immer weniger nötig. Dies schürt die Ängste um den eigenen Arbeitsplatz. Wenn die Maschinen intelligent, vernetzt und selbständig sind, wo bleibt dann noch Platz für uns Menschen?

Werden menschliche Arbeitskräfte also bald durch Roboter ersetzt?

Eine Frage, welche die Arbeitnehmer bei dieser Entwicklung natürlich beschäftigt, gar beunruhigt. Schließlich sind Roboter nicht nur effizienter, sie werden auch nie krank, müde oder unkonzentriert und sind auf Dauer für den Arbeitgeber eine günstige Alternative zur menschlichen Arbeitskraft. In der Theorie mag das auch zutreffen. Experten beruhigen jetzt aber:

Roboter werden in Zukunft eher als Hilfestellung eingesetzt werden und die Fachkräfte nicht ersetzen.

Im Gegenteil: Sie sollen die Arbeit erleichtern und die Menschen schonen. So wurden in der Montage bei Audi bereits einige Teams um einen neuartigen Roboter ergänzt, der nun schwere und körperlich anspruchsvolle Aufgaben übernimmt. Die Mitarbeiter müssen sich nicht mehr bücken und entlasten so ihren Rücken. Die Kollegen seien begeistert, so die grundlegende Aussage der einzelnen Teams. Doch natürlich hat jede Veränderung auch zwei Seiten, und die für den Arbeitnehmer negativen werden bekanntlich von der Industrie gerne verschwiegen. Der Tenor lautet stattdessen, Menschen werden immer nötig sein und niemals vollständig durch Roboter ersetzt werden. Die Industrie 4.0 soll in den kommenden Jahren angeblich sogar rund 390.000 neue Jobs in Deutschland schaffen.

Neue Arbeitsplätze durch den Einsatz von Robotern?

Während britische Forsche behaupten, dass durch die zunehmende Anzahl der Roboter 47 Prozent aller Angestellten in den USA in den nächsten 20 Jahren ersetzt sein werden, behaupten die Experten der ING-Diba Bank, dass es in Deutschland gar 59 Prozent sein könnten. Je routinierter eine Arbeit ausgeführt werden könnte, desto gefährdeter sei sie. Andersherum seien kreative Stellen und jene mit hoher Entscheidungsverantwortung als relativ sicher einzustufen. Natürlich müssen die Roboter entwickelt, programmiert, konfiguriert und bei Zeiten repariert werden, doch 390.000 neue Jobs für Maschinenbauer und Informatiker stehen wohl kaum 59 Prozent aller deutschen Arbeitsplätze entgegen. Zudem muss beachtet werden, dass es sich bei den gefährdeten Stellen vor allem um jene im Niedriglohnsegment handelt. Ein Studium zum Maschinenbauer bleibt da für die Betroffenen wohl kaum als Alternative. Das Problem ist:

Wir können die Industrie 4.0 nicht mehr aufhalten.

Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet also vielmehr, wie wir mit den Veränderungen umgehen können. Ein Thema, das derzeit Politiker, Gewerkschaften und den Bundeskongress beschäftigt.

Wie weit reicht die Industrie 4.0?

Tatsächlich betrifft die Industrie 4.0 nicht nur die Fertigungsindustrie selbst. Immer mehr Branchen profitieren von dem vermehrten Einsatz der Roboter. Ganz vorne mit dabei ist die Pflege. Roboter können den Pflegekräften schwere körperliche Arbeiten, wie das Heben und Wenden bettlägeriger Patienten, abnehmen oder den Bedürftigen selbst zu mehr Selbständigkeit helfen. Roboterarme beispielsweise, dienen für Paraplegiker immer häufiger als praktische Prothese und erleichtern ihnen den Alltag. Roboter sind in der Gesundheitsbranche daher ein wahres Geschenk des Himmels. Hinsichtlich des zunehmenden Arbeitskräftemangels in diesem Sektor jedoch, sprechen manche Experten bereits von hochintelligenten Robotern, welche in nicht allzu ferner Zukunft selbständig die Pflege von Alten und Kranken übernehmen können. Das mag wirtschaftlich zwar lohnend sein, die Gesellschaft jedoch schreit diesbezüglich laut auf. Der Gedanke, im Alter einmal von einer kalten und herzlosen Maschine betreut zu werden, ist erschreckend. Die Pflegekräfte selbst stimmen dem zu und sehen ihre Arbeitsplätze bislang nicht als gefährdet an. In der Fertigungsindustrie ist das anders:

Ein Roboter kostet umgerechnet nur 3,20 bis 6,30 Euro pro Stunde und liegt damit unter dem gesetzlich vereinbarten Mindestlohn.

Und ein Auto beschwert sich nicht, wenn es von Robotern anstelle von Menschen zusammengebaut wird. Dass Roboter in Zukunft daher nur „menschenunwürdige“ Arbeiten erledigen oder die Menschen körperlich schonen, diese aber nicht ersetzen sollen, fällt uns daher sehr schwer zu glauben.

Der Mitarbeiter von morgen

Einmal abgesehen von der Angst um den eigenen Arbeitsplatz, werden sich die Tätigkeitsfelder für die Arbeitnehmer durch die Industrie 4.0 auf jeden Fall ändern. Zum einen profitieren die deutschen Angestellten von der geringeren körperlichen Belastung, zum anderen werden eher die kreativen Eigenschaften und Stellen mit Entscheidungskraft immer wichtiger. Der Mitarbeiter von morgen sollte daher unbedingt elektronisch versiert sein und mit allen modernen Endgeräten arbeiten können. Derzeit werden zum Beispiel vermehrt iPads in den Fabrikhallen eingeführt, z. B. zur Steuerung der Maschinen. Zum anderen sollte er Daten analysieren und auswerten können, die digitale Technik verstehen, Projekte managen und mindestens die englische Sprache beherrschen.

Fazit: Ist die Industrie 4.0 nun gut oder schlecht?

Beides. Wie bei jeder Veränderung im Leben, bringt die Industrie 4.0 zahlreiche Vor- und Nachteile mit sich. Wie sich der Arbeitsmarkt in den nächsten 20 Jahren wirklich verändern wird, müssen wir größtenteils abwarten. Wir können und sollten uns aber dennoch dafür einsetzen, dass der Wandel so sozialverträglich wie möglich verläuft. US-amerikanische Ökonomen sehen durch die Maschinen ein Wachstum der Wirtschaft und damit steigenden Wohlstand voraus. Das Problem allerdings sei, dass dieser ungerecht verteilt wird. In den USA werden in der Industrie und Politik daher bereits ganz neue Aspekte der sozialen Umverteilung diskutiert, das Unternehmen McAfee fordert gar ein generelles Grundeinkommen. In Deutschland ist die Diskussion noch nicht so weit vorangeschritten. Verdi fordert derzeit die Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Die Studie der Telekom über das Arbeiten im digitalen Zeitalter kam zu dem Schluss: Die Digitalisierung sei kein „laues Lüftchen, sondern ein Sturm“. Es ist an der Zeit zu handeln…

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