Vielleicht haben Sie es noch vor sich, das von vielen Arbeitnehmern ungeliebte Mitarbeitergespräch unter vier Augen? Haben Sie Gründe, sich deshalb mulmig zu fühlen? Eigentlich könnte doch so ein Austausch für beide Seiten recht nützlich sein.

Trotzdem betrachten viele Vorgesetzte wie auch Untergebene das von der Firmenleitung angeordnete Jahresmitarbeitergespräch als lästigen Pflichttermin. Und entsprechend verläuft es dann meistens. Während der Vorgesetzte möglicherweise keine Lust hat, sich Kritik anzuhören, befürchtet der Mitarbeiter vor allem unliebsame Fragen, die mit seinem Privatleben zu tun haben. Diese aber müssen Sie nicht beantworten. Nutzen Sie Ihr Recht zu sagen: „Ich ziehe es vor, wenn wir uns heute auf die Arbeitsebene beschränken.“ Vielleicht ist das Gespräch dann schon bald vorbei – oder es entwickelt sich prächtig.

Welchen Sinn hat das Mitarbeitergespräch?

Es gilt grundsätzlich als relevantes „Personalinstrument“ mit dem Ziel, den Mitarbeiter zu motivieren. Dabei wird gemeinsam Bilanz gezogen, der Arbeitnehmer erhält eine Bewertung seitens des Vorgesetzten und die Chance, mit diesem die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen zu besprechen.

Vor allem bei Veränderungen in der Firma müssen die Mitarbeitergespräche nicht im üblichen Turnus erfolgen, sondern können auch außer der Reihe stattfinden. Immer wenn neue Strukturen geschaffen werden, ist die direkte Kommunikation besonders sinnvoll. Generell verhält es sich nämlich so, dass Sie als Mitarbeiter ein Recht darauf besitzen, regelmäßig von Ihrem Chef zu erfahren, wie er über Sie denkt und wie er Ihre Leistungen einschätzt. Sie stehen also im Mittelpunkt, deshalb widerstehen Sie der Versuchung, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, um Ihrem Boss ebenfalls ein Feedback zu verabreichen. Er möchte es zu diesem Anlass gerade nicht hören – es sei denn, Sie werden ausdrücklich danach gefragt.

Gehaltsfragen haben im Mitarbeitergespräch nicht zu suchen

Experten empfehlen, beispielsweise eine Belobigung nicht mit der Aufforderung zu verwechseln, eine Gehaltsverhandlung vom Zaun zu brechen. Falls Sie über eine Gehaltserhöhung verhandeln möchten, sollten Sie sich um einen separaten Termin bemühen.

Im Mittelpunkt des Jahresmitarbeitergespräches stehen drei Themen: das Arbeitsumfeld, das Feedback des Vorgesetzten sowie die Entwicklungschancen des Mitarbeiters. Diese sind nicht unbedingt gleichzusetzen mit einem Aufstieg innerhalb der Firmenhierarchie – also erwarten Sie nicht zwangsläufig eine Beförderung als Ergebnis der Unterredung. Es kann sein, dass Ihr Chef Ihnen lediglich eine Weiterbildungsmöglichkeit aufzeigt oder Ihnen ein konkretes Angebot macht – verbunden mit Perspektiven nach erfolgreicher Absolvierung.

Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihr Vorgesetzter in seine Bewertung sowohl harte als auch weiche Faktoren einfließen lässt – Ihre fachlichen und menschlichen Fähigkeiten stehen gleichermaßen zur Bewertung an. Das kann dann unangenehm sein, wenn Sie sich z. B. in einem bestimmten Fall nicht kollegial oder teamfähig verhalten haben. Sie bekommen aber möglicherweise eine Chance, sich zu erklären – nur rechtfertigen sollten Sie sich nicht. Am besten ist immer noch der Satz: „Es wird nicht wieder vorkommen.“ Über das Volumen Ihrer Aufgaben und Ihre Erfolge, dieses zu bewältigen, wird ebenfalls zu sprechen sein.

Was Sie in einem Mitarbeitergespräch unbedingt vermeiden sollten

Die privaten Nachfragen wurden bereits erwähnt – weichen Sie aus, oder sagen Sie klar und deutlich, dass Sie diese nicht zu beantworten zu gedenken. Lassen Sie sich nicht verleiten, einem wohlmeinend auftretenden Chef Ihr Herz auszuschütten, weil Sie Eheprobleme oder Geldsorgen haben. Selbst wenn Ihre aktuellen Schwierigkeiten zu einem Leistungsabfall geführt haben, sind Sie nicht zur Auskunft verpflichtet. Ob Sie ggf. etwas zu Ihrem Gesundheitszustand sagen, bleibt Ihnen überlassen. Unter Umständen gibt es etwas, das Ihr Vorgesetzter wissen sollte oder ohnehin bald erfahren müsste.

Halten Sie sich mit Kritik zurück und lassen Sie sich nicht mit „gesammelter“ Kritik eines kompletten Kalenderjahres konfrontieren. Falls Ihr Boss nicht weiß, wie demotivierend dies wirkt, dürfen Sie sich einen zarten Hinweis erlauben. Sie können z. B. erwähnen, dass es in Ihrem Hause die lobenswerte Einrichtung eines Kritik- oder Konfliktgespräches gibt, in dem zeitnah Fehler oder Fehlleistungen besprochen werden.

Sollte es sich gar nicht vermeiden lassen, dass massive Kritik vonseiten des Vorgesetzten im Jahresmitarbeitergespräch laut wird, so können Sie sich dagegen wappnen, falls Sie die vorgebrachten Vorwürfe oder Resümees als Nachkarten oder Schikane empfinden. Akzeptieren Sie es, wenn Ihnen die Folgen eines Fehlers vor Augen geführt werden, aber lassen Sie es nicht zu, als Persönlichkeit total demontiert zu werden. Kontern Sie mit dem Hinweis, dass Sie es sehr zu schätzen gewusst hätten, wenn diese Kritik bereits früher erfolgt wäre.

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