Wie schnell Bewerber auf Stellenanzeigen antworten und dabei penibel alle Regeln einhalten, die sie aus entsprechenden Ratgebern gelernt haben, beeinflusst den Erfolg ihrer Bewerbung häufig kaum.

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Denn es ist längst bekannt, dass die meisten interessanten Positionen auf dem verdeckten Arbeitsmarkt, also unter der Hand, angeboten werden. Um einen guten und lukrativen Job zu ergattern, der nicht öffentlich ausgeschrieben wird, ist es erforderlich, andere und modernere Wege zu gehen.

Clevere Anwärter auf gute Jobs kümmern sich z. B. rechtzeitig um ein Praktikum bei dem Arbeitgeber ihrer Wahl und schreiben ihre Diplomarbeit im Unternehmen. Damit haben sie einen Fuß in der Tür, um dem Personalchef positiv aufzufallen. Denn einige wichtige Voraussetzungen sind ja bereits gegeben: die Kenntnis der Innenansicht der Firma und der Kontakt zu den Mitarbeitern. Fehlt nur noch das deutliche Signal: Hier gefällt es mir,  hier würde ich gern arbeiten  und mit meinem Wissen zum Erfolg der Firma beitragen. Ich habe auch schon eine Aufgabe im Auge, der ich mich gewachsen fühle.

Mut zur Initiativbewerbung

Als “Guerilla-Taktik” wird die Blindbewerbung bezeichnet, die in den häufigsten Fällen aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda in Angriff genommen wird. Wer davon hört, dass in einer bestimmten Abteilung dringend neue Mitarbeiter gesucht werden, kann zielgerichtet vorgehen. Oder sich an einen Personalberater wenden, der weiß, in welchen Unternehmen demnächst eine Aufstockung der Belegschaft ansteht.

Es ist durchaus möglich, dass auf Anhieb die Chemie stimmt – im Gegensatz zu den vorherigen Bewerbern, die der Personalberater auf das Unternehmen losgelassen hat. Wer mit der richtigen  Mischung aus fachlicher Qualifikation und persönlicher Kompetenz  punktet, hat die Chance zu gewinnen.

Networking wie ein Profi

Viel Zeit und Geld investieren manche Berufsanfänger, um vielversprechende Kontakte zu knüpfen. Und richtig dosiert, bringt Vitamin B immer noch den gewünschten Erfolg.  Feste Regeln für das Networking gibt es nicht  – die meisten Young Professionals sind auf Jobmessen und in Verbänden präsent und besuchen die Events ihres Internet-Business-Clubs. Ob es so funktioniert, hängt jeweils vom Ziel ab. Ein Hochschulabsolvent wird über das Berufsanfänger-Netzwerk seiner eigenen Branche kaum einen Job finden.

Keine Kraftakte veranstalten

Niemand muss überall dabei sein, weil er sich sowieso in verschiedenen sozialen Systemen bewegt, z. B. in seinem Berufsverband. Und bereits vor 40 Jahren erkannte der Soziologieprofessor Mark Granovetter, dass die meisten freien Jobs über Bekannte in Erfahrung gebracht werden. Beim Smalltalk ergeben sich häufig die interessantesten Perspektiven.  Entscheidend ist aber immer die Wellenlänge, ein positives Echo allein bringt niemanden weiter bzw. auf die Position, die er sich vorgenommen hat. Als erstklassige Vitamin-B-Lieferanten oder -Versorger werden Sportvereine, karitative oder kulturelle Verbände von Experten empfohlen.

Business-Clubs im Internet

Bei XING beispielsweise suchen auch Personalentscheider nach Talenten. Um gefunden zu werden, braucht man bei Xing ein klares Profil, das die eigenen Fähigkeiten deutlich, aber nicht marktschreierisch herausstellt. Auch wenn auf dieser Plattform mehr als eine Million Menschen aktiv sind, bleibt sie ein  virtuelles Werkzeug für das Kontakt-Management  und kann ein reales nicht ersetzen. Dieses findet eher im eigenen Unternehmen statt, wo Vitamin B unter guten Netzwerkern gehandelt wird.

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Kontaktpflege via Social Networking

Gute Kontakte sind das A & O für die Karriere. Auch privat sollten sich Anwärter auf beruflichen Erfolg gut vernetzen, z. B. über Vereine, Parteien oder Bürgerinitiativen. Doch muss niemand ein Vereinsmeier werden oder widerwillig Golf spielen, um die richtigen Kontakte zu knüpfen.

Ein anderer Weg ist es, eine Materialsammlung über das Unternehmen anzulegen, in dem der berufliche Einstieg oder Aufstieg wünschenswert erscheint.

Je mehr Insider-Tipps – auch aus den unteren Ebenen – zusammenkommen, desto besser ist der Bewerber vorbereitet, auch wenn er dadurch nicht gleich den heißen Draht zur Geschäftsleitung aufbaut.

Wichtig ist es, Anknüpfungspunkte zu sammeln und parat zu haben.

Hilfreich ist es auch, sich eine  Zwei-Minuten-Präsentation der eigenen Fähigkeiten und Ambitionen auszuarbeiten und diese auswendig zu lernen. Wann immer sich die Gelegenheit bietet und die Bitte, sich vorzustellen, geäußert wird, ist der potenzielle Bewerber vorbereitet. Er kann kurz und knapp die relevanten Fakten über sich preisgeben und schon damit einen guten Eindruck hinterlassen. Manchmal wird er erst über Umwege von der Resonanz erfahren, die seine Eigenwerbung ausgelöst hat – vielleicht dann aber genau an der richtigen Stelle.