Eine besondere Qualität der Karriereberatung ist das Aufspüren von oft unbewussten Talenten und Fähigkeiten der Klienten, die für einen nächsten Arbeitgeber besonders wertvoll sind. So erkennt der Klient selbst, mit welchen Wert, welchen Nutzen er sich tatsächlich nach Außen präsentieren und verkaufen kann und sollte, damit die anvisierten Entscheider ihn als interessant einstufen – und im besten Fall einstellen.

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Viele Talente entwickeln sich dabei schon früh in einer Biografie. Diese haben für Menschen oft einen so selbstverständlichen Charakter, dass es ihnen schwer fällt, sie als Kompetenzen oder Expertise bei sich selbst wahrzunehmen oder zu beschreiben. Neben dem Reiss Profile spielt die familiäre Sozialisation und die Berufsbiographie eine große Rolle in diesem Prozess. Durch intelligente Fragetechniken kann ein professioneller Karriereberater mehr über den familiären Hintergrund der Klienten und ihre Sozialisation erfahren. Oft zeigen sich hier frühe Interessen und Ambitionen, die sich im Laufe des Lebens als Talente entwickeln – und bisher von Klienten nicht bewusst wahrgenommen wurden. So werden gemeinsam Ressourcen und Fähigkeiten herausgearbeitet, aber auch Belastungspotenziale oder Grenzen erkannt.

In der beruflichen Biographie geht es schließlich sehr tief ins Detail. Der Fokus ist auf berufliche Situationen ausgerichtet, in denen sich besondere Qualitäten gezeigt haben. In welchen Projekten, bei welchen Aufgaben, bei welchen Verantwortlichkeiten? Ziel ist das Sichtbarmachen von Fähigkeiten, über das, was Klienten geleistet und vor allem in ihren jeweiligen beruflichen Stationen bewirkt (!) haben. Was ist davon für den zukünftigen Arbeitgeber wertvoll? Wo ist der Mehrwert gegenüber anderen Bewerbern?

In der Summe fließen diese Erkenntnisse im CV in ein Kurzprofil, das die fachlichen und persönlichen Kompetenzen komprimiert darstellt. Damit der nächste Leser – der Entscheider für den nächsten Job oder Karriereschritt – auf einen Blick erkennen kann, welchen wertvollen Mitarbeiter er bekommen kann.

Selbst-MARKE-ting: Den eigenen Markenkernwert kennen und kommunizieren

Ein weiterer Baustein jeder Karriereberatung ist das Thema Selbstmarketing. Denn eigene Talente und Kernkompetenzen zu kennen, ist das eine, sie auch zu kommunizieren und dem nächsten Gegenüber wissen zu lassen, das andere. Wie kommuniziere ich also meine Kernkompetenzen und vor allem meinen Nutzen kompakt und klar nach Außen – dem potentiellen nächsten Arbeitgeber oder nur dem nächsten Gesprächspartner, den ich auf eine Businessveranstaltung am Bistrotisch kennenlerne? Wer weiß, vielleicht steht mein nächster Chef vor mir.

Welche Kompetenzen sind Bestandteile der „Ich-Marke“?

In meinen Vorträgen zum Thema „Selbst-MARKE-ting und Netzwerken“ habe ich dazu eine kleine Übung, mit der ich das meist weibliche Publikum anrege, sich Gedanken über ihre Kernkompetenzen zu machen. Es geht um die Attribute, von denen jeder möchte, dass sie vom Gegenüber wahrgenommen werden und sie auch später noch mit dieser Person in Verbindung bringt. Anders ausgedrückt: Es geht darum, welche Kernkompetenzen Bestandteil der „Ich-Marke“ sind.  Denn sowohl in meinen Netzwerkgesprächen als auch in den Beratungen mit meinen Kundinnen ist deutlich zu spüren, wie schwer es fällt, diese eigenen Kompetenzen zu formulieren und anschließend klar zu kommunizieren.

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Aus der Marketingwelt gibt es den Begriff Markenkern. Dieser umschreibt, mit welchen Attributen einer Marke aufgeladen ist. Das gilt auch für das Personal Branding. Deshalb empfehle ich jeder Frau, für sich selbst ihre zwei-drei Kompetenzen zu definieren und sich in der Einleitung eines Satzes „Ich bin Expertin für …“ zu üben. Hilfreich bei diesem Prozess kann ein beruflicher Sparringspartner sein, den sie um ein Feedback bitten können, mit welchen Kompetenzen sie denn bisher wahrgenommen werden. Vermieden werden sollten dabei übrigens die typischen Soft Skills „… ich bin kommunikativ, teamorientiert und belastbar …“ – denn es geht hier um die Business Skills: Die Qualitäten.

Meine Erfahrung mit meinen Klientinnen ist: Die bisher eher marginale Wahrnehmung von kompetenten Frauen in Führungspositionen liegt unter anderem auch daran, dass das Wissen und die Kompetenzen von Frauen zu wenig bekannt sind. Frau hat es jedoch mit einer klaren verbalen Positionierung im Wesentlichen selbst in der Hand, konzentrierter mit ihren Qualifikationen wahrgenommen zu werden. Klappern gehört eben auch zum Handwerk.

Meine Empfehlung: Nutzen Sie die nächsten Gelegenheiten, wenn Sie Visitenkarten austauschen, um neben Ihrem Namen und Ihrem Unternehmen auch die ein, zwei oder drei Kompetenzen mit dem Überreichen der Karte zu verbinden, üben Sie sich im Aussprechen von wahrscheinlich etwas vollkommen Neuem. Nutzen Sie jede Gelegenheit, bis es Ihnen selbstverständlich von den Lippen kommt. Im nächsten Beitrag geht es dann um handfeste Unterstützung bei der Neuorientierung und im Bewerbungsprozess.

Übersicht zur Artikelreihe: Bausteine der Karriereberatung

Teil 1: Innere Antreiber und Ressourcen sichtbar machen
Teil 2: Talente und Markenkernwert sichtbar machen und kommunizieren
Teil 3: Karrierekick statt Karriereknick