Angst fühlt sich unangenehm an, auch wenn das Ereignis nur in unserer Vorstellung stattfindet. Unser Gehirn unterscheidet bei seinen Reaktionen nämlich nicht ob es nur Einbildung ist oder tatsächlich passiert.

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Daher lässt allein die gedankliche Vorstellung, vielleicht eine falsche Entscheidung zu treffen, einen Fehler zu machen, etwas nicht richtig hinzubekommen und sich zu blamieren, sofort unangenehme Gefühle wie Angst, Scham oder Ohnmacht in einem entstehen, die wir eben auch körperlich spüren.

Angst ist also eine Form von Furcht, die in der Regel als Ergebnis unserer Gedanken auftritt. Sie beruht seltener auf eine akut vorhandene körperliche Gefahr in der gegenwärtigen Umgebung, sondern meistens auf eine gedankliche Vorstellung der Zukunft.

Wenn wir unsere Ängste als das anerkennen würden, was sie sind, nämlich Produkte unserer Phantasie, unserer (unwahren) Gedanken und Bewertungen, könnten wir vielleicht besser mit ihr umgehen.

Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab (Marc Aurel)

Wenn es aber nur Gedanken sind, dann können wir daran etwas ändern! Räumen Sie das Gerümpel in Ihrem Kopf auf!

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Das Gute an der Angst: sie fördert die Suche nach besseren Alternativen.

So gesehen fördert Angst also auch das Lernen. Im besten Fall überlegen wir uns im Voraus, was wir tun müssten, um die Situation gut zu überstehen, den Chef zu überzeugen, die Präsentation zu überarbeiten, oder einfach, um mit dem Ergebnis zufriedener zu sein. Angst macht uns aber auch auf einen Missstand aufmerksam: die Situation überfordert uns, der Job passt nicht zu unseren Stärken, unser Denk- und Verhaltensmuster sind nicht mehr hilfreich – und: wir sollten nicht länger wegschauen!

Angst kann also eine nützliche Reaktion sein, allerdings haben nur wenige Menschen den richtigen Umgang mit ihrer Angst gelernt.

  1. Wir haben in unserer Kindheit meistens nur unzureichend gelernt, mit unseren Emotionen umzugehen und wurden entweder bestraft oder abgelenkt, wenn wir unsere Gefühle wie Wut, Angst und dergleichen lautstark geäußert haben. Daraus haben wir abgeleitet, dass es am besten ist, diese Gefühle zu unterdrücken, nicht zuzugeben und nicht zu beachten – sonst werden wir nicht akzeptiert oder gemocht.
  2. Heute weiß man, dass es wesentlich sinnvoller ist, seine Gefühle anzunehmen und auch zu seinen so genannten „negativen“ Gefühlen wie Trauer, Hilflosigkeit, Wut, Ärger, Einsamkeit, usw. zu stehen und sie innerlich zur Kenntnis zu nehmen. Immerhin sind sie ein direkter Zugang zu unserem Selbst, denn sie drücken unsere Bedürfnisse aus, die nicht zu beachten wir gelernt haben.
  3. Vielen fällt es deshalb auch schwer, ihre Gefühle in Worten auszudrücken (ich fühle mich ärgerlich, ängstlich, unsicher… wenn das… passiert)

Hier eine Liste von Strategien, um mit der Angst fertig zu werden:

Vermeidungsstrategie

Unsere typische Grundstrategie im Umgang mit der Angst ist: sie möglichst zu vermeiden!
„Wenn es mir Angst macht, dann lass ich es einfach bleiben!“ lautet häufig eine innere Devise. Wir setzen Angst nicht als Instrument ein, sondern fürchten Angst als etwas Unheimliches. Anstatt sie sinnvoll zu nutzen, leugnen und vermeiden wir die beängstigenden Situationen.

Das Problem ist: diese Art des Vermeidungsverhaltens gewinnt nach und nach die Oberhand in Ihrem Leben und Sie trauen sich dann immer weniger zu. Ihre Unsicherheit nimmt zu, und Sie passen Ihr Verhalten immer weiter an die Angst an. Dadurch wird Ihre Angst unproduktiv und lähmend. Das Vermeiden der Angst hindert Sie auch daran, sich mit der Realität und Ihren wirklichen Möglichkeiten auseinander zu setzen und neue Ziele zu wagen. Das Problem wächst…

Verdrängungsstrategie

Angst ist also die Erwartung, dass etwas Schlimmes passieren wird, das wir abwehren möchten: Wir möchten uns nicht blamieren, wir wollen nicht ausgegrenzt werden, wir wollen nicht haftbar gemacht werden, wir wollen nicht unseren Job verlieren und uns nicht bedroht fühlen, wir wollen nicht schwach sein, wir wissen aber auch nicht genau wie wir das anstellen sollen und möchten daher, dass die Angst doch bitteschön einfach weggehen soll! Wir ignorieren und verdrängen.

Nicht selten wird als Unterstützung zur Verdrängung und Beruhigung ein Suchtverhalten an den Tag gelegt: zu viel Arbeit, übermäßiger Sport, Medikamente, Alkohol oder die Beruhigungszigarette. Durch die Ablenkung bzw. Suchtstoffe wird der Eindruck erweckt, dass das Problem kleiner wird. Auf Dauer werden damit jedoch eher zusätzliche Schäden zugefügt und die Angst setzt sich fest.

Fest steht: erst durch Unterdrückung und Vermeidung gewinnt Angst an Macht. Starke Angst ist in letzter Konsequenz immer eine Todesangst.

Gedankenkarussell

Häufig kommt es vor, dass wir glauben, wenn wir uns mit der angstmachenden Situation nur ausreichend beschäftigen, dann könnten wir sie kontrollieren. In Wirklichkeit steigern wir uns aber hinein und können das Gedankenkarussell nicht mehr stoppen. Wenn wir uns nämlich mit Sorgen und Befürchtungen beschäftigen, geben wir unseren Ängsten Energie und trauen uns vieles, was uns möglich wäre, nicht mehr zu. Stattdessen schimpfen wir auf die böse Welt da draußen, die uns ja angeblich nicht lässt. Fühlen Sie daher Ihre Angst, nehmen sie Ihre Befürchtungen zur Kenntnis, und hinterfragen Sie sie…und dann tun Sie es einfach!

Atemstrategie

Sind Sie ein Flachatmer? Als „Erste-Hilfe-Maßnahme“ können Sie folgendes ausprobieren: Sobald Sie sich in einem Angstzustand (=jede Form der Anspannung: kann sich auch in Wut äußern) befinden, versuchen Sie bewusst und tief zu atmen, ohne die Angst bzw. das unangenehme Gefühl verdrängen zu wollen. Konzentrieren Sie sich für mindesten fünf Minuten nur darauf, ein und auszuatmen. Oft ebbt das Gefühl dann ab und der Nebel im Kopf lichtet sich. Jetzt können Sie klarer denken.

Worst- Case- Szenario

Eine weitere hilfreiche Methode ist, sich kurz zu überlegen:
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  • Was kann schlimmstenfalls passieren?
  • Was kann ich dann machen?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass das passiert?
  • Was kann ich jetzt tun, damit es nicht passiert?
  • Was kann ich jetzt tun, damit es mir besser geht und ich mich sicherer fühle?

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Die wenigsten Situationen sind so gravierend, dass sie wirklich lebensbedrohlich sind oder es keinen Rettungsplan gäbe …!

Bewegungsstrategie

Da Angst ein Stressauslöser ist, kann Bewegung viel helfen. Es muss kein übermäßiges Sportprogramm sein, sondern ein flotter Spaziergang an der frischen Luft kann dem Körper schon helfen, wieder besser in Balance zu kommen und sich zu entspannen – und damit auch Ihrem Geist!

Körperstrategie

Bewegung hilft immer, um Stress abzubauen, aber haben Sie schon mal versucht, Ihre Körperhaltung bei Angst bewusst zu verändern? Stellen Sie sich doch mal aufrechter hin, heben Sie den Blick, spüren Sie den Boden unter den Füßen, der Sie trägt. Entspannen Sie Ihr Gesicht. Und jetzt stellen Sie sich vor, wie Sie aussehen würden, wenn Sie das Problem souverän gelöst hätten… Vielleicht merken Sie schon, wie sich Ihr Zustand langsam verbessert und ein Lächeln Ihre Lippen umspielt? Sobald sich Ihre Physiologie verändert hat, wird sich auch das Gefühl einstellen, als könnten Sie es schaffen!

Lassen Sie sich überraschen, welche guten Lösungen Ihnen dann auf einmal einfallen werden.

Bewusstmachungsstrategie

Für den richtigen Umgang mit der Angst ist es nützlich, das Vertrauen in die eigene Person und in das Leben an sich zu stärken. Hier hilft es, sich mit einem Freund, Coach oder auch alleine, mal Gedanken zu den eigenen Stärken aber auch (unbewussten) Glaubenssätzen zu machen. Es ist sinnvoll, die eigenen sorgenvollen Gedanken öfter mal auf Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Haben wir nicht gelernt uns selbst ständig mit Sätzen wie: „Ich muss es schaffen!“ oder „Ich darf keinen Fehler machen!“ „…dann verliere ich bestimmt meinen Job, etc. …“, anzutreiben? Diese Art von Glaubenssätzen sollten Sie kritisch hinterfragen:

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  • Wer sagt das denn?
  • Ist das überhaupt wahr?
  • Und wer wäre ich, wenn ich das nicht denken würde? Wie würde sich das anfühlen?
  • Mit welchem Gedanken könnte ich mir Mut machen?

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Definitions – Strategie

„Es gibt keinen Misserfolg – nur Resultate“. Machen Sie sich diese Weisheit aus dem NLP bewusst. Angst vor Fehlern ist ein früh trainiertes Verhalten. Sie können Ihre Ansicht über „Fehler“ aber heute ändern. Fehler sind nichts weiter als Erfahrungen und außerdem ergeben sie sich erst aus Bewertungen in der Rückschau. In dem Moment haben wir es immer so gut gemacht, wie wir konnten. Und so haben Sie wieder etwas dazu gelernt…

Sie könnten sich auch sagen, Fehler machen bedeutet nur, dass noch etwas fehlt, was hier und jetzt erlernt werden kann. So gesehen sind Fehler die Wegweiser zum Erfolg! …und nicht etwas, wovor man Angst haben muss.

MUT = „Meinem Urteil trauen“

Erfolgreiche Menschen trauen sich, Dinge auszuprobieren und dazuzulernen – trotz der Angst versagen zu können. Das setzt natürlich ein gewisses Vertrauen in sich selbst und die Welt voraus. Dazu muss man überzeugt sein, das man grundsätzlich in Ordnung ist und liebenswert. Und das es ausreicht, sein Bestes zu geben, auch wenn das nicht perfekt ist. (Man kann ja immer dazu lernen!)

Erfolgreiche Menschen nehmen daher die Chance wahr, Dinge auszuprobieren, um zu lernen, was funktioniert und was nicht und betrachten ihre Fehler daher als Rückmeldung über Kursabweichungen und Verbesserungsmöglichkeiten. Es ist eine Frage der Einstellung!

Affirmationsstrategie

Gerade bei Ängsten spielen uns unsere Gedanken und Überzeugungen oft einen Streich. Wir stellen uns etwas vor, dass noch gar nicht passiert sind und machen uns Sorgen. Wir interpretieren eine Situation anhand eines unbewussten negativen Glaubensmusters und sind beunruhigt. Spüren Sie Ihre negativen Überzeugungen auf und ersetzen Sie sie mit Mut machenden Affirmationen, z.B.: „Heute gelingt mir alles! Ich bin okay! Ich bin beschützt, etc.“

Die richtige Strategie wäre also nicht in Richtung „Desaster“ sondern in Richtung „Master“ zu denken!

Relevanzstrategie

Ein guter Ausweg aus akuten Angstsituationen ist die Fragestellung, welche Relevanz die Begebenheit zu einem späteren Zeitpunkt noch haben wird: Welche Bedeutung hat dies in einem Jahr für mich? In zehn Jahren? Oder man geht noch weiter, nämlich bis an das eigene Lebensende und fragt sich:

a. Interessiert das dann noch jemanden?
b. Und werden Sie nun deswegen Ihr Leben heute voller Angst vor Fehlern oder einem möglichen „Scheitern“ leben?
c. Oder voller Freude darüber, dass Sie sich getraut haben und das Leben mit all seinen Überraschungen und Wendungen bewusst gelebt haben?

In dem Vertrauen, dass „Alles zu Ihrem Besten dienen wird“? Sie werden sehen, wie diese Überlegungen Ihre Angst von selber schrumpfen lässt

Schätzen Sie Ihre Angst als guten Freund

Einer der wirkungsvollsten Strategien, mit der Angst umzugehen, ist es, sich ihr mutig zu stellen und sie anzunehmen als einen Teil Ihrer Persönlichkeit. Geben Sie ihr einen Namen und freunden sie sich mit ihr an. Sie hat Ihnen schon viele gute Dienste geleistet. Würdigen sie Ihre Angst also einmal ausdrücklich. Und dann tun Sie das, wovor Sie Angst haben einfach trotzdem!

Entscheiden Sie sich für Liebe statt Angst

Dann das Gegenteil von Angst ist Liebe! Hätten Sie das gedacht? Da wo Liebe ist, ist keine Angst. Liebe zum Leben, Liebe zu sich selbst, Liebe zu anderen. Angst ist negatives Denken und beurteilen wie „Ich bin nicht gut genug“, „Du hast das falsch gemacht“, „Die anderen werden mich auslachen“.

Liebe hingegen ist Dankbarkeit, Freude und Großzügigkeit, mit sich und den anderen. „Ich habe mein Bestes gegeben“, „Okay, ich kann dazu lernen“, „Du hast das gut gemacht“, „Ich kann den anderen ihre falsche Einschätzung verzeihen“, etc. Diese Haltung bringt Freiheit, Gelassenheit, Entspannung und ein Leuchten in die Augen!

Wenn ich mein Leben noch einmal Leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe. Marlene Dietrich

Und hier noch zwei Methoden, die entwickelt wurden, um Ängste und Phobien aufzulösen:

Klopfstrategie

Die Klopftherapie, z.B. EFT (Emotional Freedom Techniques) oder PEP(Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie), kann mit Anleitung auch selbst durchgeführt werden. Sie können eine Anleitung im Internet finden, ein Buch kaufen oder einen ausgebildeten Therapeuten konsultieren. Es wirkt sehr gut gegen Angstzustände.

Wingwave Coaching

Wingwave® wirkt ähnlich wie PEP und ermöglicht, stressauslösende Glaubensmuster gezielt zu erkennen und in sehr kurzer Zeit aufzulösen. Wingwave® ist daher eine sehr wirksame Methode gegen Ängste (z.B. Redeangst, Prüfungsangst, etc.) und Phobien (Höhenangst, Flugangst, etc.), und wurde aus der Traumatherapie weiterentwickelt.

Fazit: Angst ist etwas Normales und eine wichtige Emotion für uns Menschen. Und es gibt viele Möglichkeiten, mit seiner Angst souverän umzugehen. Ebenso, wie durch die eigene Gedankenwelt unbewusst Angst erschaffen wird, kann auch bewusst innerer Friede geschaffen werden, indem wir lernen,

a) Das Angstgefühl willkommen zu heißen und nicht wegzudrücken
b) Sich seiner flüchtigen Gedanken bewusst werden: Welche negativen Gedanken stecken hinter meiner Angst?
c) und ihnen eine neue Richtung geben: anstatt darauf fixiert zu sein, was alles Schlimmes passieren könnte, sich stattdessen vorstellen, wie es wäre, wenn alles wunderbar geklappt hat und welche Schritte dafür jetzt hilfreich wären. Das wäre dann lösungsorientiert…

Unser Gehirn ist nämlich durchaus lösungsorientiert, aber die Richtung geben immer noch wir vor!

Artikelreihe:
Teil 1: Nur ja nichts falsch machen
Teil 2: Woher kommt die Angst und was löst sie aus?