Angst gehört zum Leben. Die meisten Ängste, unter denen wir als Erwachsene leiden, sind jedoch erlernt. Einer der häufigsten Ängste im Berufsleben ist die Angst, Fehler zu machen.

Anzeige

Unsere Angst vor Misserfolg, sei es vor Prüfungen oder Reden, vor Fehlern, Kritik oder Ablehnung ist z.T. das Ergebnis, wie wir unsere Umwelt als Kind erlebt haben. Bei den meisten von uns waren Fehler unerwünscht und wurden sanktioniert. Zuhause und in der Schule.

Unsere inneren Überzeugungen, die uns antreiben und leiten, wie z.B. „sei perfekt, mach es allen recht, sei stark, beeil dich oder streng dich an“, rühren aus dieser Zeit. Und die damit verbundenen Konsequenzen, wenn wir es nicht waren, haben wir fürchten gelernt. Wir haben unsere alten Überzeugungen bis heute nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft oder uns gefragt, ob sie heute überhaupt noch relevant sind. Erstaunlicherweise fühlen sich z.B. die meisten auch als Erwachsene noch genauso abhängig von Lob und Tadel, wie damals als Kind!

Kein Wunder also, dass wir auch im Beruf häufig mit unseren Ängsten konfrontiert werden, vor allem wenn es darum geht, Anerkennung zu bekommen und seinen Job nicht zu verlieren. Gerade in unsicheren Situationen, wie z.B. bei Change Projekten, Umstrukturierungen, Krankheiten oder Kündigungen treten Ängste häufiger auf.

Funktion der Angst

Wer kennt das nicht, dieses flaue Gefühl im Magen, wenn man nur glaubt, etwas falsch gemacht zu haben? Dieses mulmige Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben? Diese plötzliche Nervosität, vielleicht nicht gut genug gewesen zu sein? Ein trockener Mund, eine piepsige Stimme, … Angst ist purer Stress!

Die Funktion der Angst ist aber überlebenswichtig: sie warnt uns und signalisiert eine Bedrohung.
Ob diese Bedrohung allerdings real ist, ist der Angst erst einmal egal. Wir fühlen uns schon durch unsere bloße Vorstellung (z.B. „Was werden wohl die anderen denken?“) in die Enge gedrängt… Dieser Gedanke löst somit ein Angstgefühl aus, das Gefahr signalisiert und der Körper stößt Adrenalin aus.

Da der Gedanke und eine akute Bedrohung aber nicht das Gleiche sind (wie es für ein Zebra wäre, das einen Löwen sieht), findet die Aktion, die jetzt nötig wäre, um das Adrenalin im System wieder abzubauen, nicht statt (das Zebra rennt los, deshalb braucht es zuerst einen Adrenalinstoss!).

Bei uns wird das Adrenalin meist nicht durch eine entsprechende Handlung sofort wieder abgebaut (daher schwören manche ja auf tägliches Joggen), sondern der Pegel steigt und führt zu unangenehmen Gefühlen und Körperreaktionen: der Magen ist flau, die Knie sind weich, der Hals fühlt sich „wie zugeschnürt“ an , der Mund wird trocken, der Nacken verspannt und ähnliches.

Anzeige

Je nach Veranlagung und allgemeinem Stresspegel, erleben wir solche Situationen mehrmals am Tag und das kann dann schon sehr anstrengend werden. Auch wenn mancher es schafft, sich bald wieder zu beruhigen, das Adrenalin ist schon längst ins Blut gegangen! Und im Büro haben wir selten die Gelegenheit, das Adrenalin schnell wieder abzubauen, in dem wir uns mal kurz abreagieren, rennen gehen oder in die Kissen boxen. Dadurch kann sich Angst irgendwann auch als Grundgefühl einstellen.

Die häufigste Bedrohung entsteht also durch unsere Projektion einer Zukunft, die so meistens nicht eintritt. Sie ist also nicht real, sondern wir erzeugen sie selbst, durch unsere Bewertungs- und Denkmuster. Dabei werden wir häufig von unseren eigenen Vorstellungen in die Irre geleitet. Gelingt es uns bei der Überprüfung der Situation nicht, die (irrige) Annahme der Bedrohung zu entkräften, fühlen wir uns blockiert und unfähig, uns zu konzentrieren oder normal weiter zu arbeiten. Alles wird durch den Schleier der Befürchtungen gesehen und schnell fühlt man sich als (Mobbing)Opfer.

Nicht die Umstände beunruhigen uns, sondern, wie wir darüber denken (Epiktet)

Das wiederum löst erneut inneren Widerstand und neue negative Gedanken über die vermeintlich bedrohende Situation aus. Wir wollen das es aufhört und am liebsten ganz verschwindet. Es kommt wiederum zur Adrenalinausschüttung und wir fühlen uns dann – innerhalb von Sekundenbruchteilen – gestresst bei dem Gedanken an die vermeintliche Situation. Wenn jetzt noch unsere Gedanken immer schneller darum kreisen und immer neue Argumente oder Konstellationen (aus)gedacht werden, dann ist die Panik perfekt!

Damit lässt sich sagen: Ängste werden also weitestgehend durch unsere eigenen Gedanken erzeugt. Wenn es aber nur Gedanken sind, dann können wir daran etwas ändern! 90% unserer Befürchtungen finden schließlich nur in unserem Denken statt, aber nie wirklich – trotzdem fühlt sich Angst immer real an. Angst ist aber nur ein Scheinzustand!

Frauen neigen dabei häufiger zu Versagensängsten im Job, als Männer. Sie wollen durch ihren Fleiß und ihre Fachkompetenz überzeugen und neigen daher öfter zu quälender Selbstkritik. Viele Frauen tendieren deshalb dazu das fleißige Bienchen zu sein, das besonders gewissenhaft und verlässlich arbeitet. Sie arbeiten sich auch in das schwierigste Thema ein und recherchieren es bis ins kleinste Detail. Denn sie haben gelernt, dass Leistung honoriert wird und hoffen, dass ihre Leistung ein Gegengewicht zu potentiellen Fehlern sein wird. Innerlich wird das dann mit dem Wertekodex: „mir ist ordentliche Arbeit, Anstrengung und Perfektion eben wichtig“ legitimiert.

Diese Haltung begünstigt aber nicht nur eine eingeschränkte Sicht auf die Realität, sondern schürt auch die Angst, nicht gut genug zu sein und ist die ideale Einstellung, um sich ein Hamsterrad zu kreieren, dass zwar wie eine Karriereleiter aussieht, aber keine ist!

Merke: Veränderung geschieht immer außerhalb der Komfortzone. Nicht innerhalb Ihrer gewohnten Verhaltensweisen. Also probieren Sie einfach mal neue Strategien aus!

Artikelreihe
Teil 1: Nur ja nichts falsch machen
Teil 3: Strategien gegen die Angst