Sich mit einem Rechthaber zu einigen – soll das ein Witz sein? Vielleicht haben Sie eine Kollegin oder einen Kollegen, die oder der Sie Tag für Tag mit seinem rechthaberischen Gehabe nervt?

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Ewige Rechthaber wissen alles besser, zeigen sich unbelehrbar und niemals kompromissbereit. Stets fühlen sie sich im Recht. Einen Grund, von ihrer Meinung abzuweichen, können sie nicht erkennen. Dies verträgt sich auch nicht mit ihrem Geltungsbedürfnis, das in einer Tour „Ich, ich, ich!“ zu brüllen scheint. Argumente? Zählen für den ewigen Rechthaber ohnehin nicht!

Trifft diese Charakterisierung ziemlich exakt auf eine Person in Ihrem beruflichen Umfeld zu? Womöglich auf jemanden, mit dem Sie dringend zurechtkommen müssen? Dann haben Sie eine Aufgabe vor sich, die viel Fingerspitzengefühl erfordert, denn rechthaberische Menschen sollten Sie behandeln wie ein rohes Ei.

Konfrontation kontra Sturheit?

Sie sollen mit einem Kollegen aus einer anderen Abteilung eine Absprache treffen und kriegen schon schlechte Laune, wenn Sie nur daran denken? Denn Sie kennen diese Person als eine von den ewigen Rechthabern. Daher können Sie sich ohne Probleme ausmalen, wie das Gespräch ablaufen wird. An eine Absprache im Wortsinn ist nicht zu denken, denn der Betreffende wird hundertprozentig nicht von seiner Meinung abrücken. Er wird Ihre Einwände nicht gelten lassen, Ihre Argumentation vom Tisch wischen und auf seinem Standpunkt beharren.

Eventuell sind Sie im Vorwege bereits mit dem ewigen Rechthaber auf Konfrontationskurs gegangen, haben jedoch den Kürzeren gezogen. Nun ist Ihnen die Lust auf Spielchen oder Gerangel, wer von Ihnen das Oberwasser behält, gründlich vergangen. Sie benötigen eine Strategie, wie Sie mit Ihrem rechthaberischen Gegenüber umgehen, sodass Sie das gewünschte Resultat erzielen.

Wie der ewige Rechthaber tickt

Sie erkennen ihn sofort, denn er hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Er hat seine Ansichten zu bestimmten Dingen und Sachverhalten, an denen er festhält. Und er steht zu seiner Uneinsichtigkeit, weil er diese vermutlich mit Konsequenz verwechselt. Sie merken es an der Art, wie der ewiger Rechthaber redet: knapp, hart, energisch, unterstrichen von Gesten, die die Luft zu zerschneiden scheinen. Er begegnet Ihnen starr und unversöhnlich, und sein Hang zur Geltungssucht ist gleichzeitig nicht zu übersehen.

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Klingt nach einem ziemlichen Ekelpaket, oder? Doch auf die Meinung anderer legt der ewige Rechthaber ziemlich wenig Wert. Wer ihn ablehnt, hat nach seiner Auffassung ohnehin lediglich versucht, ihn zu manipulieren, um einen Sinneswandel bei ihm herbeizuführen. Er legt seinen Ehrgeiz darein, andere Menschen zu überzeugen. Aber noch wichtiger ist es ihm, nicht von seiner vorgefassten Meinung zu lassen – die allein zählt für ihn. Sehen Sie es einmal so: Der ewige Rechthaber, der Ihnen unter Umständen das Leben schwer macht, ist in seinen eigenen Ansprüchen und Werten gefangen. Er zappelt in einem Netz, aus dem er nicht mehr herausfindet.

Was Sie lieber nicht tun sollten

Den ewigen Rechthaber eines Besseren belehren zu wollen, ist keine gute Idee. Denn dann wird es niemals um die Sache gehen, auf die es Ihnen ankommt. Vielmehr befinden Sie sich automatisch mit ihm in Konkurrenz um die Frage: „Wer hat recht?“ Wie sinnlos es ist, einen Sturkopf wie ihn zu belehren, erkennen Sie spätestens dann, wenn Sie zu keinem Ergebnis kommen – denn er wird es bei einem „sowohl als auch“ niemals bewenden lassen.

Probieren Sie es lieber nicht, ihm mit Ihrem Fachwissen und Ihrer Kompetenz zu imponieren. Schon befinden Sie sich im Wettbewerb mit der Geltungssucht des ewigen Rechthabers. Wer wie er gepolt ist, spürt seinen Mangel an Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Das haben Sie gewiss nicht nötig, oder? Wenn Sie wissen, was Sie können, müssen Sie sich nicht auf einen von Defiziten gelenkten Wettbewerb im Rechthaben einlassen.

Strategieempfehlung im Umgang mit dem ewigen Rechthaber

Wenn Ihr eigenes Selbstbewusstsein groß genug ist, könnten Sie Ihren Ärger oder Ihre Antipathie zurückdrängen und Ihr Gegenüber damit überraschen, dass Sie seine Kompetenz betonen oder ihn sogar loben. Anerkennung genießt der ewige Rechthaber so sehr, dass Sie ein leichtes Spiel mit ihm haben. Allerdings sollten Sie ehrlich sein und nicht heucheln. Wenn Sie ihm als Mensch zugewandt begegnen (Sie müssen nicht seinen Ansichten zustimmen!), fällt seine Reaktion bedeutend sanfter aus. Denn mit Ablehnung, Anfeindungen und Kampf kennen sich rechthaberische Charaktere aus, bei Lob und Anerkennung schmelzen ihre Widerstände wie Schnee in der Sonne.

Machen Sie ruhig einmal den Test und bitten Sie den ewigen Rechthaber um Hilfe – schließlich weiß er doch auf allen Gebieten Bescheid. Sie werden Ihr blaues Wunder erleben, nämlich einen Menschen, der sich für Sie ins Zeug legt. Sie sind gar nicht so schlecht beraten, wenn Sie außerdem von ihm lernen, denn häufig weiß er wirklich viel. Mit diesem Wissen können Sie bei bestimmten Themen in anderen Gesprächen punkten und sich profilieren.

Wer hätte das gedacht – auch mit dem ewigen Rechthaber lässt sich reden

Anfangs ist dieser Typus für die meisten Leute eine Zumutung, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung. Wenn Sie dies ähnlich empfinden, sollte Ihnen klar sein, dass Sie sich auf die Ebene der Machtspiele begeben anstatt auf der Sachebene zu bleiben. Geht es Ihnen aber um ein gutes Ergebnis, lohnt es sich, die vorgeschlagenen Tipps zu befolgen. Sollte es Ihnen nämlich gelingen, mit dem ewigen Rechthaber eine Einigung zu erzielen, wird er sich für Ihr Anliegen engagiert und total überzeugt einsetzen.

Rechthaberische Menschen gibt es wie Sand am Meer. Insofern dürfte es keine Schwierigkeit sein, mit einer Person in Ihrem Privatleben zu „trainieren“. Üben Sie damit umzugehen, dass Sie sich nicht ständig profilieren müssen. Es reicht, wenn Sie wissen, was Sie können. Mit dieser Haltung gelingt es Ihnen, mit dem ewigen Rechthaber entspannt zu kommunizieren. Sobald Sie das einigermaßen gut drauf haben, können Sie sich vorpirschen: an Ihre rechthaberischen Kollegen, Ihren dogmatischen Vorgesetzten oder an Ihre Kunden, die Sie mit ihrer Starrköpfigkeit an den Rand der Verzweiflung bringen.

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