Draußen wird es kalt, die Luftfeuchtigkeit kriecht unter den dicksten Mantel und von allen Seiten werden wir angehustet. Winterzeit ist Erkältungszeit…und jedes Jahr müssen sich viele Arbeitnehmer für einige Tage krankschreiben lassen. Schließlich ist man mit fiebrigen Augen und triefender Nase von seinen Kollegen auch nicht allzu gerne gesehen.

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Inhalt:
1) Wie melde ich mich krank?
2) Die Rechte des Arbeitgebers
3) Was ist, wenn die Kinder krank sind?
4) Krankgeschrieben = Bettruhe?
5) Erreichbarkeit trotz Krankheit?
6) Endlich der ersehnte Urlaub…und dann krank…
7) Wie sieht das mit der Bezahlung aus?
8) Sie sind immer noch nicht überzeugt und möchten lieber arbeiten gehen?

Leider gibt es immer noch genügen motivierte Mitarbeiter, die denken sie müssten sich „zusammenreißen“ und die trotz Infektion ihren Weg zur Arbeit antreten. Und am nächsten Tag sind bestenfalls zwei weitere Kollegen auch noch krank. Nein danke! Vermindern wir lieber die Ansteckungsgefahr und bleiben Zuhause wenn es uns erwischt hat. Doch warum haben so viele Arbeitnehmer Angst davor sich krankschreiben zu lassen? Liegt es an den komplexen Bestimmungen, die kaum noch jemand durchschaut? Haben Sie vielleicht Angst einen Fehler zu machen und Ihren Job aufs Spiel zu setzen? Dann können wir Ihnen jetzt hoffentlich Abhilfe schaffen.

Wie melde ich mich krank?

Sie wachen morgens auf, der Hals schmerzt, die Glieder tun weh und Ihre Stirn glüht. Eigentlich ein klarer Fall: Ab ins Bett. Doch zuerst müssen Sie sich krankschreiben. Wie funktioniert das? Als allererstes müssen Sie Ihren Vorgesetzten darüber informieren, dass er heute nicht auf Sie zählen kann und wenn möglich bereits die Dauer Ihres Ausfalls abschätzen. Und das noch bevor Sie zum Arzt gehen. Einfach so früh wie möglich! Diesen Schritt nennt man die „Krankmeldung“. Diese erfolgt bestenfalls noch vor Arbeitsbeginn, damit Ihre Kollegen eventuell um planen können. Im Prinzip steht es Ihnen frei, ob Sie dies per Anruf, E-Mail, SMS oder Fax erledigen. Meistens gibt es eine im Unternehmen übliche Praxis mit der Sie nicht daneben liegen können. Arbeitsrechtler empfehlen zur Sicherheit dem Anruf immer eine schriftliche Benachrichtigung beizufügen. So können Sie diesen Schritt notfalls hinterher beweisen. Und jetzt ab ins Bett. Oder zum Arzt. Diese Entscheidung steht Ihnen zunächst frei. Wenn Sie nur einen Tag zuhause bleiben und sich am nächsten wieder quietschlebendig fühlen, ist eine Bescheinigung des Arztes nicht notwendig. Anders aber bei länger andauernden Infekten: Ab dem dritten Tag benötigen Sie eine Krankschreibung. Dies ist die vom Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, das sogenannte Attest. Dieses muss spätestens am Morgen des vierten Tages beim Arbeitgeber vorliegen. Besser noch früher. Aber Achtung: drei Ausnahmen gibt es bei dieser Regelung zu beachten:

  1. Der Arbeitnehmer kann schon am ersten Tag die Vorlage eines Attestes verlangen. Sehen Sie zur Sicherheit in Ihrem Arbeitsvertag nach.
  2. Wochenenden werden mitgezählt, sprich: Sie sind am Freitag bereits krankgemeldet? Dann muss spätestens Montag früh ein Attest beim Chef liegen!
  3. Da es empfehlenswert ist, das Attest auf den Tag des Krankheitsbeginnes zu datieren, sollten Sie bestenfalls immer sofort zum Arzt gehen. Denn eine Rückdatierung kann sich gegebenenfalls als schwierig erweisen. Möchten Sie also auf der sicheren Seite sein, lassen Sie sich immer sofort ein Attest ausstellen. Dies erleichtert zudem die Einschätzung der Krankheitsdauer für Sie und Ihren Vorgesetzten.

Vergessen Sie auf gar keinen Fall, rechtzeitig die Krankschreibung vorzulegen. Bei mehrmaliger Versäumnis könnten Ihnen eine Abmahnung oder sogar die Kündigung drohen. Wenn Sie aber oben genannte Regeln einhalten, müssen Sie keine Angst davor haben bei der fiesen Wintergrippe auch einmal für ein paar Tage im Bett zu bleiben.

Die Rechte des Arbeitgebers

Doch wie sieht das jetzt eigentlich von der anderen Seite aus? Muss der Arbeitgeber eine Krankmeldung einfach so hinnehmen? Was, wenn er berechtigte Zweifel am genannten Zustand seines Mitarbeiters hat? Darf er das dann überprüfen? Ja! Tatsächlich darf er das, wenn er die Zweifel sinnvoll begründen kann. Er kann dem Betroffenen einfach einmal einen Besuch abstatten. Oder selbst die Beauftragung eines Detektives ist in Deutschland legal. Ein weiterer möglicher Ansprechpartner ist die Krankenkasse. Diese muss dann eventuell eine Untersuchung beim Medizinischen Dienst anordnen, der dem Arbeitgeber anschließend Bericht erstattet. Was können die Gründe für solche Maßnahmen sein? Meistens erhärten sich die Zweifel eines Arbeitgebers an der Krankheit, wenn der betroffene Arbeitnehmer häufig kurzzeitig fehlt, vor allem nach den Wochenenden. Oder wenn es sich um eine angekündigte Krankheit handelt, die beispielsweise aus einem Streit heraus resultiert. Und wenn sich der Verdacht bestätigt kann es dem Mitarbeiter blühen die Kosten für seinen Ausfall selbst tragen zu müssen.

Was ist, wenn die Kinder krank sind?

Für Eltern stellt sich in der Regel noch eine weitere Frage: Darf ich von der Arbeit fernbleiben, wenn mein Kind krank ist? Im Prinzip ja, allerdings nicht im Sinne einer Krankmeldung. Schließlich sind nicht Sie krank, sondern Ihr Kind. Daher ergeben sich zwei andere Möglichkeiten, um eine unbezahlte Freistellung für die betreffenden Tage oder ungeplanten Urlaub zu vermeiden:

  1. Gemäß §616 des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) dürfen Sie dann ohne den Verlust von Entgelt fehlen, wenn es sich um familiäre Angelegenheiten handelt. Regelfall sind etwa drei bis fünf Tage. Das muss aber je nach Einzelfall mit dem Arbeitgeber besprochen werden und
    zwar bestenfalls gleich zu Beginn Ihres Arbeitnehmerverhältnisses. So entstehen hinterher keine Missverständnisse. Typische Beispiele für solch familiäre Anlässe sind Hochzeiten, Todesfälle oder eben die Krankheit eines Kindes unter 12 Jahren. Dieser Paragraph kann aber im Arbeitsvertrag ausgeschlossen werden.
  2. In diesem Fall bestünde laut §45 des Sozialgesetzbuches V zumindest der Anspruch auf Krankengeld. Dieses umfasst 70 Prozent des sonst üblichen beitragspflichtigen Einkommens. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn das kranke Kind in Ihrer gesetzlichen Krankenversicherung mitversichert ist und es jünger als 12 Jahre alt ist. Hinzu muss ein Attest ausgestellt werden, in dem die Betreuung als notwendig erachtet wird. Für das erste Kind können so bis zu zehn Tagen Freistellung beantragt werden. Bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage. Bei zwei Kindern sind es 20, ab drei Kindern 25 Tage im Jahr, für Alleinerziehende wieder anteilig mehr.

Krankgeschrieben = Bettruhe?

Einer der größten Irrtümer ist der, dass wenn Sie krankgeschrieben sind Sie auch im Bett bleiben müssen oder sich nicht außerhalb Ihres Hauses blicken lassen sollten. Laut Gesetz müssen Sie aktiv dazu beitragen so schnell wie möglich zu genesen. Es ist somit alles erlaubt, das den Prozess der Heilung fördert und im Gegenteil all das verboten, was schaden könnte. Die Beweispflicht jedoch liegt beim Arbeitgeber. Und da frische Luft bekanntlich alles andere als ungesund ist, dürfen Sie auch gerne einmal das Haus verlassen. Wenn Sie allerdings beispielsweise an einer verletzten Schulter leiden, sollten Sie sich nicht unbedingt beim Schleppen der Getränkekisten im Supermarkt sehen lassen. Im schlimmsten Fall folgt daraufhin die Abmahnung durch den Arbeitgeber. Allerdings sind Sie nicht verpflichtet, die Art der Krankheit offenzulegen. Demnach sollten Sie aber auch Ihre Aktivitäten so unauffällig wie möglich halten. Ansonsten kann der Chef die Krankheit anzweifeln und zu oben genannten Maßnahmen greifen. Dennoch unterliegt er der Fürsorgepflicht. Das heißt er muss seine Beschäftigten vor einer möglichen Erkrankung schützen, soweit dies in seiner Macht liegt. Dazu gehört einerseits offensichtlich kranke Kollegen nach Hause oder zum Arzt zu schicken, um die restlichen Mitarbeiter vor einer Ansteckung zu schützen. Zudem muss er andererseits dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen den Vorschriften entsprechen und für die Mitarbeiter nicht gesundheitsschädlich sind. Wenn Sie sich also erkälten, da im Büro die vorgeschriebene Mindestraumtemperatur unterschritten wird, können Sie nicht dafür verantwortlich gemacht werden.

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Erreichbarkeit trotz Krankheit?

Krankheit ist kein Urlaub. Daher sollten Sie im Prinzip für Ihre Kollegen oder den Chef erreichbar sein und für Fragen zur Verfügung stehen. Jedoch richtet sich dies je nach Gesundheitszustand und muss im Einzelfall abgewogen werden. Der Arzt kann in diesem Fall Aufschluss geben und die jeweilige Regelung im Attest festhalten. Bei absoluter Bettruhe darf auch einmal das Telefon ausgeschaltet bleiben. Allerdings sollten Sie in diesem Fall Ihren Arbeitgeber darüber informieren. Wenn wichtige Fristen anstehen oder ein Projekt für das Sie verantwortlich sind in einer essentiellen Phase ist sollten Sie als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Jedoch natürlich nicht rund um die Uhr, sondern zu den üblichen Geschäftszeiten.

Endlich der ersehnte Urlaub…und dann krank…

Wie sieht das denn aus, wenn Sie im langersehnten Urlaub krank werden? Keine Sorge, die Urlaubstage verfallen nicht und Sie können diesen später nachholen. Voraussetzung ist allerdings die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Ausschlaggebend sind die im Attest verzeichneten Krankheitstage. Diese werden Ihnen anschließend als Urlaubstage wieder gutgeschrieben. Doch auch hier gelten die sonst üblichen Regeln: Informieren Sie umgehend Ihren Arbeitgeber und legen Sie das Attest zeitnah vor. Es besteht allerdings kein Anspruch darauf, dass Sie Ihren verpassten Urlaub einfach anschließend anhängen können. Sie müssen die Tage anschließend wieder neu beantragen und genehmigen lassen.

Wie sieht das mit der Bezahlung aus?

Wenn es sich um eine längere Krankheit handelt kommt irgendwann die Frage nach der Bezahlung auf. Wie lange werden Sie weiter bezahlt? Und dann? Wer springt ein? Und handelt es sich um das volle Gehalt? Die interessante Grenze, um diese Frage zu beantworten, sind sechs Wochen.

  1. Die ersten sechs Wochen erhalten Sie eine Entgeltfortzahlung durch Ihren Arbeitgeber. Selbst bei Mini-Jobbern und Teilzeitkräften greift diese Regelung. Voraussetzung ist das Bestehen des Arbeitsverhältnisses seit mehr als vier Wochen.
  2. Nach Ablauf der sechs Wochen besteht für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer der Anspruch auf Krankengeld. Dieses entspricht 70 Prozent Ihres Gehaltes und kann für bis zu 78 Wochen bezogen werden. Wenn es sich um dieselbe Erkrankung innerhalb von drei Jahren handelt werden die Zeiträume zusammengerechnet.

Sie sind immer noch nicht überzeugt und möchten lieber arbeiten gehen?

Im Prinzip liegt diese Entscheidung bei Ihnen. Dennoch kann der Arbeitgeber Sie gegebenenfalls nach Hause schicken um seiner Fürsorgepflicht nachzukommen. Dennoch bedeutet nicht jede Krankschreibung, dass Sie nicht arbeiten dürfen. Fühlen Sie sich fit, können Sie bereits früher an die Arbeitsstelle zurückkehren. Ein Attest wird nämlich rechtlich lediglich als Prognose angesehen und beinhaltet kein Beschäftigungsverbot. Und noch einen häufigen Irrtum möchten wir hier kurz berichtigen: Eine Krankheit schützt nicht vor der Kündigung. Im Gegenteil: Nachdem eine sogenannte Stufenprüfung vorgenommen wurde darf der Arbeitgeber Sie krankheitsbedingt kündigen. Und das passiert in der Praxis gar nicht mal so selten. Also wägen Sie je nach Krankheitsfall ab, ob und wie lange Sie zuhause bleiben und ab wann Sie Ihre Kollegen nicht mehr gefährden. Wenn Sie dann alle Regeln befolgen, dürfte im Normalfall nichts weiter passieren.