Die Künstlersozialkasse ist ein Begriff, den die meisten zwar schon einmal gehört haben, von dem aber nur die wenigsten wissen, was dahintersteckt. Für alle Arbeitnehmer in unselbstständiger Tätigkeit ist das auch nicht weiter interessant. Wer sich jedoch in einem künstlerischen oder publizistischen Berufsfeld selbstständig macht, dem winken mit dem Eintritt in die Künstlersozialkasse, auch KSK, genannt, zahlreiche Vorteile. Kein Wunder also, dass diese strenge Aufnahmeprüfungen hat. Wann und wie Sie in die KSK kommen, welche Vorteile dies für Sie hat und wie hoch die Beiträge sind, möchten wir Ihnen im folgenden Artikel näherbringen…

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1. Was ist die Künstlersozialkasse?
2. Ist die Unfallversicherung in die KSK eingeschlossen?
3. Wer kann in die Künstlersozialkasse eintreten?
4. Was kostet die Mitgliedschaft in der KSK?
5. Wer schätzt das Jahresarbeitseinkommen?

Was ist die Künstlersozialkasse?

Die Künstlersozialkasse ist ein Geschäftsbereich der Unfallversicherung Bund und Bahn und ausführende Instanz des sogenannten „Künstlersozialversicherungsgesetzes“ (KSVG). Sie hat zwei grundlegende Aufgabenbereiche, und zwar:

  1. Die KSK prüft die Zugehörigkeit von Publizisten und Künstlern zu dem versicherungspflichtigen Personenkreis und entscheidet über die Aufnahme und den Beginn einer Versicherungspflicht.
  2. Sie zieht den Beitragsanteil des/r Versicherten sowie die Künstlersozialabgabe der abgabepflichtigen Unternehmen und des Bundeszuschusses ein und ist für deren Verwaltung zuständig.

Doch Achtung: Die Künstlersozialkasse ist nicht für die Durchführung und Leistungen der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen zuständig. Sie übernimmt lediglich die Funktionen der Meldung von Künstlern und Publizisten bei dem jeweiligen Versicherer und leitet fällig Beiträge weiter. Das KSVG wurde im Jahr 1983 erlassen, um auch selbstständigen Künstlern und Publizisten einen Anspruch auf sozialen Schutz zu gewährleisten. Diese müssen dann, ähnlich einem Angestelltenverhältnis, nur mehr die Hälfte der Versicherungsbeiträge selbst bezahlen. Die andere Hälfte trägt die Künstlersozialkasse, welche sich aus Bundeszuschüssen und Unternehmensabgaben der Verwerter finanziert.

Ist die Unfallversicherung in die KSK eingeschlossen?

Nein! Die gesetzliche Unfallversicherung ist für Freischaffende Künstler und Publizisten freiwillig und nicht als Pflichtversicherung in die Leistungen der KSK integriert. Diese muss auf Wunsch eigenständig bei einem Versicherer Ihrer Wahl von Ihnen abgeschlossen und getragen werden.

Wer kann in die Künstlersozialkasse eintreten?

Die endgültige Entscheidung wird bei jedem einzelnen eingehenden Antrag von dem Fachpersonal der KSK geprüft. Bewerben dürfen sich grundsätzlich all jene Selbstständigen, die in einem künstlerischen oder publizistischen Tätigkeitsfeld arbeiten, die Mindesteinnahmegrenze von 3.900 Euro im Jahr überschreiten und diesen Beruf dauerhaft sowie hauptberuflich ausüben. Die wesentlichen Einnahmen müssen zudem aus dem Inland generiert werden.

Unternehmer, die allerdings mehr als nur einen Arbeitnehmer beschäftigen, die die Mindestverdienstgrenze nicht erreichen oder nicht unter die Berufsdefinition fallen, werden von der Künstlersozialkasse nicht versichert.

Wer also fällt unter die Definition eines Künstlers oder Publizisten?

Grob gesagt, sind Künstler all jene Personen, die Musik, darstellende oder bildende Kunst schaffen, ausüben oder lehren. Publizisten sind alle Schriftsteller, Journalisten oder in ähnlicher Weise arbeitenden Personen. Darunter fallen auch entsprechende Lehrkräfte dieser Branchen. Bereits beim Ausfüllen des Aufnahmebogens werden Sie schnell sehen, ob Sie zu den aufgeführten Berufsgruppen zählen oder nicht. Diesen können Sie direkt auf der Website der Künstlersozialkasse herunterladen.

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Übrigens: Berufsanfänger dürfen in den ersten drei Jahren Ihrer selbstständigen Tätigkeit das Mindesteinkommen von 3.900 Euro im Jahr noch unterschreiten. Sie werden dann dennoch von der KSK pflichtversichert.

Was kostet die Mitgliedschaft in der KSK?

Der Eintritt und die Mitgliedschaft selbst kosten Sie als Künstler oder Publizist in erste Linie nichts. Sie müssen außer den Beiträgen zu den gesetzlichen Pflichtversicherungen keine zusätzlichen Abgaben leisten. Und da diese bei jeder selbstständigen Tätigkeit sowieso anfallen, sparen Sie sich durch die Übernahme des „Arbeitgeberanteils“ durch die KSK quasi die Hälfte der Kosten für Ihre Sozialversicherungen. Genau aus diesem Grund bewerben sich jedes Jahr zahlreiche Selbstständige auf die Aufnahme in die Künstlersozialkasse – genommen werden nur einige davon.

Die Beitragssätze selbst berechnen sich dann wie folgt:

Die Rentenversicherung wird mit einem Beitragssatz von 18,7 Prozent belangt (Zahlen im Jahr 2015). 14,6 Prozent sind es für die gesetzliche Krankenversicherung und wiederum 2,6 Prozent (für Kinderlose) für die Pflegeversicherung. So ergeben sich in einer Beispielrechnung der KSK folgende Beitragssätze für ein Jahresarbeitseinkommen von 10.000 Euro:

  • Rentenversicherung: Rentenversicherungsbeitrag = Anteil des Versicherten 9,35 % von 10.000,00 € = 935,00 € jährlich : 12 = 77,91 € monatlich
  • Krankenversicherung: Krankenversicherungsbeitrag = Anteil des Versicherten 7,3 % von 10.000,00 € = 730,00 € jährlich : 12 = 60,83 € monatlich
  • Pflegeversicherung: Pflegeversicherungsbeitrag = Anteil des Versicherten 1,175 % (+ 0,25 % für Kinderlose) von 10.000,00 € = 117,50 € (bzw. 142,50 €) jährlich : 12 = 9,79 € (bzw. 11,87 €) monatlich

Wer schätzt das Jahresarbeitseinkommen?

Bleibt allerdings die Frage, wer dieses „voraussichtliche Jahresarbeitseinkommen“ schätzt? Denn hierauf berufen alle belangten Beiträge. Und gerade im künstlerischen sowie publizistischen Bereich sind die Verdienste oft starken Schwankungen unterzogen. Der Gesetzgeber hat deshalb die Ermittlung der Beitragspflicht auf der Grundlage der vorhergehenden Jahreseinkommens abgestellt.

Stattdessen ist das Einkommen aus mehreren Vorjahren als Erfahrungswert und den Auftragserwartungen für das kommende Jahr zu berechnen. Als Schätzungsgrundlage kann daher durchaus der letzte Einkommensteuerbescheid vorgelegt werden, doch auch zu erwartende Veränderungen finden durchaus Berücksichtigung. Sollten Sie im Laufe des Kalenderjahres absehen können, dass die erwarteten Einnahmen nicht erreicht oder aber übertroffen werden, so müssen Sie diese Änderung der KSK mitteilen. Die Beiträge werden dann dementsprechend angepasst. Diese Anpassung allerdings wird nur zukünftig, niemals rückwirkend eingesetzt. Das bedeutet, dass Sie weder nachzahlen müssen noch zu viel gezahlte Beiträge erstattet bekommen. Die Schätzung des Jahresarbeitseinkommens ist deshalb besonders sorgfältig durchzuführen.

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