BWL – das scheint der Trendstudiengang der Generation Y zu sein. Oft verschrien als der Studiengang, wenn einem nichts anderes einfällt. Denn BWL ist die Grundlage für so ziemlich jeden…sagen wir mal…Bürojob. Wer nicht Anwalt, Arzt oder Maschinenbauingenieur werden will, der liegt mit BWL auf keinen Fall daneben. Und tatsächlich: Viele BWL-Absolventen starten steile Karrieren und können mit blendenden Einstiegsgehältern rechnen. Doch was genau macht dieses Studium so besonders? Und ist es wirklich so langweilig wie man sagt, oder eilt ihm sein Ruf voraus?

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Inhalt:
1) Das „typische“ BWL-Studium
2) Ruf oder Wahrheit?
3) Die Zahlen sprechen für die BWL
4) Also ist BWL wirklich DAS Wundermittel zum Wohlstand?
5) Es hagelt Kritik
6) Im Endeffekt zählen immer noch die guten alten Werte

Das „typische“ BWL-Studium

Klassischerweise sind die BWL-Studiengänge in den Bachelor und den Master unterteilt. Der Bachelor ist in der Regelstudienzeit von sechs Semestern zu erreichen, der Master meist in vier. Klingt bisher alles nicht ungewöhnlich. Dies wird es erst, wenn wir uns die Studienorte und Arbeitsplätze der Studenten einmal genauer ansehen. Prag, Los Angeles, Bangkok, London, Paris…kaum ein Student durchläuft nicht mindestens eine Auslandserfahrung als Studiensemester oder Praktikum. Spezielle internationale Studiengänge legen besonders großen Wert auf das Erlernen von Fremdsprachen und setzen zwei oder mehr Auslandsaufenthalte während der Studienzeit voraus. Oder Sie entscheiden sich für einen Deutsch-Chinesischen Studiengang, das „Studium der Zukunft“, zumindest in der Großindustrie. Auf die Absolventen warten dann Unternehmen wie Porsche, BMW, Siemens, Hugo Boss oder Adidas. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Ruf oder Wahrheit?

Aber ist ein BWL-Studium wirklich so erfolgsversprechend, wie immer behauptet wird? Etliche Studien berichten: Die Arbeitslosigkeit bei BWL-Absolventen ist durchschnittlich eher gering. Beinahe alle Bewerber finden einen adäquaten Job. Hauptarbeitgeber sind große nationale und internationale Konzerne wie beispielsweise die Daimler AG. Und da die Spannbreite der möglichen Jobs für BWL-Absolventen denkbar weit ist und beispielsweise vom Marketing über das Personalwesen bis ins Controlling reicht, ist das Angebot an verfügbaren Stellen auch immer relativ groß.

Die Zahlen sprechen für die BWL

Wenn wir uns die Zahlen und Fakten zum BWL-Studium einmal genauer ansehen, finden wir auch hier viele Gründe für die Studienwahl: Dass BWL das in Deutschland beliebteste Studienfach ist, in all seinen Ausprägungen und Varianten, wurde ja bereits erwähnt. Weshalb das so ist, ist immer noch fraglich. Ist es wirklich der Mangel an Alternativen? Die Gier nach einer Karriere in der narzisstischen Gesellschaft? Oder die Sehnsucht nach Sicherheit und einem unbefristeten Arbeitsvertrag in der Industrie? So oder so, jedes Jahr sind die BWL-Universitäten mit Bewerbern überlastet. 200.000 Studenten werden derzeit gezählt, dazu kommen 80.000 Wirtschaftswissenschaftler. Und die Tendenz ist weiterhin steigend. Kritiker werden nun nach den Abbruchquoten fragen: diese liegen mit 27 Prozent unter dem allgemeinen Durchschnitt. Im ersten Jahrzehnt nach dem Abschluss hat sich das Gehalt der Absolventen auf durchschnittliche 60.000 Euro eingependelt. Bei denjenigen, die in der Unternehmensberatung o.ä. einsteigen sind dies mitunter auch Einstiegsgehälter.

Also ist BWL wirklich DAS Wundermittel zum Wohlstand?

Leider nicht. Ein „normales“ BWL-Studium sticht aus der Masse der Studenten und damit Ihrer potenziellen Konkurrenten heutzutage nicht mehr hervor. Die Anzahl an hungrigen Berufseinsteigern, die nach früher Verantwortung und exzellenten Aufstiegschancen greifen, ist riesig. Um aufzufallen müssen Sie sich spezialisieren und schon früh versuchen mit außergewöhnlichen Praktika und namenhaften Arbeitgebern punkten zu können. Hinzu kommen makellose Englischkenntnisse und bestenfalls noch mindestens eine weitere Fremdsprache. Wer chinesisch kann ist sowieso ganz vorne mit dabei. Und damit Sie Ihr Können, Ihre Spracherfahrung und Ihre Weltoffenheit auch perfekt unter Beweis stellen, sollte in Ihrer Bewerbung mindestens ein Auslandsaufenthalt zu finden sein. Den Einstieg in das Unternehmen Ihrer Träume finden Sie dann zu 60 Prozent durch Praktika, Trainee-Stellen, Volontariate oder als Werkstudenten. Denn die Arbeitgeber setzen bevorzugt auf bekannte Gesichter, die sich bereits unter Beweis stellen konnten.

Es hagelt Kritik

Klingt plötzlich alles gar nicht mehr so easy, oder? Zudem bemängeln Kritiker, dass die BWL-Studenten nicht ausreichend auf die Berufswirklichkeit vorbereitet werden. Viele Berufseinsteiger unterschätzen die Anforderungen und scheitern bereits in der Bewerbungsphase. Oder sie finden sich völlig überfordert in einem anspruchsvollen Job wieder, wo sie maßlos überfordert sind. Nervenstärke ist in den Konzernen das A und O. Denn einfach ist der Weg nach oben nicht. Wenn es Ihnen um einen regelmäßigen Lohn und ein gesundes Maß an Sicherheit geht, sind Sie in der BWL sicher nicht falsch. Denn eine Anstellung finden Sie in dem breiten Spektrum bestimmt. Vom Buchhalter bis zum Konzernchef können Sie als BWL-Student schließlich alle Positionen übernehmen, zumindest in der Theorie. Die richtige Karriere ist aber dann doch nur für diejenigen realisierbar, die mit einem großen Maß an Ehrgeiz und Fleiß an die Sache herangehen und ihre Konkurrenten durch gekonnte Spezialisierung und zahlreiche Zusatzqualifikationen ausstechen können.

Im Endeffekt zählen immer noch die guten alten Werte

Also was jetzt: BWL ja oder nein? Wenn Ihr Herz für die BWL schlägt oder Sie wirklich keine andere Wahl für sich finden, liegen Sie mit der BWL sicher nicht falsch. Denn schlecht geht es den Absolventen nachgewiesenermaßen allemal nicht. Dennoch: in Zeiten des Fachkräftemangels und der Rückbesinnung auf traditionelle Werte steht das persönliche Glück immer mehr im Vordergrund der Generation Y. Sie sucht nach Glück, Sinnhaftigkeit und einer Berufung. Und dieser sollten Sie auch folgen, unabhängig von Bezahlung & Co. Ansonsten enden Sie zwar reich, aber unglücklich. Und schließlich sind wir ja nur dann in unserem Beruf wirklich gut, wenn wir mit Leidenschaft und Neugierde herangehen. Und für alle, die nicht so denken oder Ihre Berufung einfach noch nicht gefunden haben, ist ein BWL-Studium der perfekte Ausgangspunkt für ein erfolgreiches Berufsleben.

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