3.3. Laufende Bezüge eines Lohnempfängers und Gesamtbrutto eines Angestellten über der Beitragsbemessungsgrenze zur Kranken- und Pflegeversicherung

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Wiederum herzlich Willkommen beim Online-Seminar Lohn und Gehalt auf der Webseite Arbeits-ABC.de, liebe Leserinnen und Leser!

Gehören die beiden folgenden Beispiele eigentlich noch zu den Vorbemerkungen im engeren Sinn? Oder stellen die Brutto-Nettolohnabrechnungen nicht doch schon abrechnungstechnische Besonderheiten dar?

Im Kapitel 2.1.1. des Online-Seminars führten wir Beispiele auf, welche Arbeitsentgelte zu den „laufenden Bezügen“ zählen. Auch wiesen wir darauf hin, dass diese laufenden Bezüge durchaus sowohl einer besonderen steuerrechtlichen als auch sozialversicherungsrechtlichen Differenzierung unterliegen können, die es bei unseren Lohnabrechnungen grundsätzlich zu beachten gilt. Aber keine Angst, die laufenden Bezüge, die wir heute beispielhaft in die Lohnabrechnung von Leo Lohn einbauen, weisen keine dieser Besonderheiten auf.

Insofern passt für dieses Beispiel auch noch die Überschrift, dass es sich um Vorbemerkungen handelt. Und Sie können gleich wieder mitmachen. Üben und experimentieren Sie mit Ihrem Programm und den „Mustermitarbeitern“!

So, jetzt zur Aufgabenstellung: Der gewählte Abrechnungsmonat Januar 2015 hat in den meisten Bundesländern 21 reguläre Arbeitstage und zusätzlich den 1. Januar als Feiertag, für den als Wochenfeiertag vom Arbeitgeber Entgeltfortzahlung zu leisten ist. Festgelegt bleibt eine Arbeitszeit von 8 Stunden montags bis freitags. Auch der Stundenlohn von Leo Lohn hat mit 15,00 € Bestand.

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Wir nehmen an, dass Leo Lohn am 2. und 5. Januar Urlaub genommen hat. Außerdem reicht er seinem Arbeitgeber für den Zeitraum 19. bis 23. Januar fristgerecht eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ein. Wie sieht in diesem Fall am Monatsende die Brutto-Nettolohnabrechnung aus?

Vergleichen wir die erste Lohnabrechnung von Leo Lohn mit der für dieses Online-Seminar Lohn und Gehalt durchgeführten Abrechnung, fallen einige Besonderheiten ins Auge.

  • Gesamtbrutto, Gesamtnetto und Auszahlungsbetrag unterscheiden sich nicht
  • Die Steuerabzüge sind ebenfalls gleich hoch
  • Keinen Unterschied stellen wir auch bei den Arbeitnehmer-Anteilen zur Sozialversicherung fest.
  • Allerdings berücksichtigt die Abrechnung jeden Sachverhalt, der eine Besonderheit beinhaltet, in unserem Fall jedoch auf die Höhe der Lohnsteuer oder die Beiträge zur Sozialversicherung keinen Einfluss hat. Alle aufgeschlüsselten Lohnarten unterliegen zu 100 % der Steuer- und Sozialversicherungspflicht.

Wozu dient also der Aufwand, der hier betrieben wird? Sowohl das Steuer- als auch das Sozialversicherungsrecht verlangen vom Arbeitgeber, dass dieser für jeden Beschäftigen und für jedes Kalenderjahr ein sog. Lohnkonto zu führen hat. So können das für die Betriebsstätte zuständige Finanzamt bzw. die Sozialversicherungsträger prüfen, ob die Lohnsteuerbescheinigungen und die Meldungen zur Sozialversicherung korrekt erstellt bzw. erfolgt sind. Im weiteren Verlauf des Online-Seminars Lohn und Gehalt werden wir Musterabrechnungen erstellen, die sowohl das gesamte Meldewesen als auch einen Monatsabschluss umfassen. In diesem Zusammenhang werden auch die detaillierten Lohnkonten unserer Mitarbeiter erzeugt. Für Lohnkonten gilt nach § 41 EStG: Die Lohnkonten sind bis zum Ablauf des sechsten Kalenderjahres, das auf die zuletzt eingetragene Lohnzahlung folgt, aufzubewahren.

Die genaue Aufschlüsselung der Entgeltformen spielt später noch eine Rolle, wenn das Thema „Zeitermittlung“ konkret erläutert wird.

Das Kapitel 2.2.2. im Online-Seminar Lohn und Gehalt definierte den Begriff der Beitragsbemessungsgrenze. Es hieß dort: „Bis zu diesem Betrag werden die Abzüge prozentual ermittelt. Teile des Arbeitsentgeltes, die über der Bemessungsgrundlage liegen, sind beitragsfrei“.

Um auch diese Situation bereits vorab schon einmal näher kennen zu lernen, legen wir in unserer Abrechnungssoftware einen Mitarbeiter an, der ein Gehalt in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung bezieht. Diese liegt bei 4.125,00 € im Jahr 2015. Wir haben den Arbeitnehmer Willi Wohlhabend genannt, er ist im vollen Umfang steuer- und sozialversicherungspflichtig, verheiratet und katholisch wie seine Ehefrau, hat Steuerklasse III und 2,00 Kinderfreibeträge. Sein Arbeitsverhältnis ist unbefristeter Natur. Alle anderen Stammdaten sind wieder frei erfunden.

Die monatliche Umsatzbeteiligung bzw. Provision zählt wie das Gehalt zu den laufenden Bezügen und erhöht bei der zweiten Abrechnung das Gesamtbrutto um 300,00 €. Hinsichtlich der Kranken- und Pflegeversicherung wird der Arbeitnehmerbeitrag jedoch von der Bemessungsgrenze „gedeckelt“, es bleibt bei 301,13 € (338,26 € einschl. Zusatzbeitrag) bzw. 48,47 € Das Gesamtbrutto unterschreitet die Bemessungsgrenze zur Renten- und Arbeitslosenversicherung in Höhe von 6.050,00 € (2015) weiterhin. Willi Wohlhabend muss folglich von seinem Gesamtbrutto prozentual den Arbeitnehmeranteil von 9,35 % bzw. 1,50 % entrichten. Selbstverständlich gilt das Gesamtbrutto als steuerpflichtiges Brutto.

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