Die heutige Lektion des Online-Seminars Lohn und Gehalt fällt etwas kürzer aus, liebe Leserinnen und Leser! Na ja, zumindest, was das Thema Lohnsteuer betrifft. Verschwiegen werden soll jedoch nicht, dass es danach mit den Grundlagen der Sozialversicherung weitergeht.

Anzeige

2.1.4. Tages-, Monats- und Jahreslohnsteuertabellen

Unsere Musterlohnabrechnungen werden wir unter Verwendung eines gängigen Lohn- und Gehaltsabrechnungsprogrammes erstellen. Der Vorteil liegt darin, dass recht schnell das Ergebnis vorliegt, auch bei komplexeren und umfangreicheren Sachverhalten. Was die Azubis betrifft, die dem Online-Seminar Lohn und Gehalt hier bei Arbeits-ABC.de bislang gefolgt sind, sei gesagt, in der Abschlussprüfung (Oh, oh, muss die „Drohung“ jetzt schon sein?!) handelt es sich um ganz einfache Abrechnungen, bei denen die Prozentsätze für die Sozialversicherung vorgegeben sind. Nur die vom Arbeitgeber einzubehaltende Lohnsteuer, die Kirchensteuer und der Solidaritätszuschlag müssen aus der entsprechenden, den Prüfungsunterlagen beigefügten, Lohnsteuertabelle abgelesen werden.

Doch nun zu den genannten Lohnsteuertabellen, die in einem Gehaltsabrechnungsprogramm standardmäßig hinterlegt sind und vom Softwarehersteller regelmäßig per Update gepflegt werden. Die gebräuchlichste Lohnsteuertabelle ist die Monatslohnsteuertabelle, anzuwenden für laufendes Arbeitsentgelt bei monatlicher Abrechnung bzw. Lohnzahlung. Tritt ein Arbeitnehmer nicht zum Monatsersten in das Unternehmen ein oder scheidet im Laufe des Monats aus, legen wir für die Berechnung der Lohnsteuer die Tageslohnsteuertabelle zu Grunde, die die Steuer mit 1/360 der Jahreslohnsteuertabelle berechnet.

Die Jahreslohnsteuertabelle muss bei der manuellen Lohn- und Gehaltsabrechnung herangezogen werden, wenn Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld im Lohnabrechnungszeitraum anfallen. Wie das dann funktioniert und was konkret zu ermitteln ist, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt im Online-Seminar Lohn und Gehalt ausführlich erläutern.

2.1.5. Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag als sog. Annexsteuern (Zuschlagssteuern)

Wenn beim Fach „kaufmännisches Rechnen“ die Prozentrechnung wiederholt, geübt und angewendet wird, stellen die Autoren von Lehrbüchern gerne Aufgaben aus der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Der Kirchensteuersatz als Länderrecht mit 8 % für Bayern und Baden-Württemberg bzw. 9 % für die restlichen Bundesländer wird dabei ebenso vorgegeben, wie die Höhe des Solidaritätszuschlages mit 5,5 %. „Gerne“ wird dann der Fehler begangen, die genannten Prozentsätze vom Bruttolohn zu berechnen. Auf diese Weise kommen natürlich deftige Abzüge zustande. Überlesen wurde nämlich, dass sich die Werte auf die vorher ermittelte Lohnsteuer beziehen. Vorsicht also, sollte das der Bundesfinanzminister erfahren, würde er sich freuen und wahrscheinlich gleich ein entsprechendes Gesetz in den Bundestag einbringen! Doch nun wieder Spaß beiseite.

Noch ein Wort zur Kirchensteuer. Maßgeblich für den anzusetzenden Prozentsatz ist der Sitz der lohnsteuerlichen Betriebsstätte, nicht der Wohnort des Arbeitnehmers. Die Kirchensteuerpflicht beginnt mit der Taufe, dem Eintritt in eine Glaubensgemeinschaft oder mit dem Zuzug. Sie endet mit Ablauf des Monats, zu dem der Austritt erklärt worden ist in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Niedersachsen. Für alle anderen Bundesländer gilt als Termin der Ablauf des übernächsten Monats.

Anzeige

Bei konfessionsgleichen Ehepartnern, also ev/ev, rk/rk – weitere erhebungsberechtigte Religionsgemeinschaften sind z. B. evangelisch-lutherisch, evangelisch-reformiert, altkatholisch oder israelisch – ist üblicherweise nur eine Konfession angegeben. Bei zwei Konfessionen erfolgt die Aufteilung der Kirchensteuer jeweils zur Hälfte an beide Konfessionen. Ausnahmen bilden Bayern, Niedersachsen und Bremen; die einbehaltene Kirchensteuer geht ganz an die Religionsgemeinschaft des Arbeitnehmers.

Der „Soli“, der Solidaritätszuschlag zur Finanzierung der deutschen Einheit, wird seit dem 01.01.1995 auf die zu entrichtende Lohn-, Einkommens- und Körperschaftssteuer erhoben und beträgt seit dem 01.01.1998 5,5 % der vorgenannten Steuern.

2.1.6. Steuerprogression

Als steuerpflichtige Bürger, als Empfänger von Löhnen und Gehältern klagen wir alle liebend gerne über die Steuerlasten. Und vor jeder Wahl greifen Politiker dieses Thema ebenso mit Vorliebe auf und versprechen immer wieder aufs Neue, gerade „Geringverdiener“ und „Familien“ entlasten zu wollen. Wie hoch die Belastung mit Lohnsteuern tatsächlich ausfällt, auch das werden wir im Zuge unserer Übungen beim Online-Seminar Lohn und Gehalt ermitteln.

Der Steuersatz entwickelt sich progressiv, was bedeutet, dass niedrigere Einkommen geringer besteuert werden als höhere. An anderer Stelle wurde bereits der steuerliche Grundfreibetrag in Höhe von 8.354 € bei Alleinstehenden und 16.708 € bei Verheirateten im Jahr 2014 erwähnt. Danach greift ein Eingangssteuersatz in Höhe von 14 %. Ein Steuerpflichtiger mit Steuerklasse I als Lediger müsste bei einem Bruttoverdienst von etwa 700 € pro Monat – zugegebenermaßen nicht gerade viel – für den ersten darüber liegenden, mehr verdienten EURO, 0,14 €, entsprechend 14 % an Steuern abführen.

Mit steigenden Einkommen erhöht sich der jeweilige Grenzsteuersatz auf 42 %, der bei einem zu versteuernden Einkommen von 52.882 € erreicht wird. Liegt das zu versteuernde Einkommen über 250.731 € pro Jahr, erhöht sich der Grenzsteuersatz auf 45 % (Angaben für einen alleinstehenden Steuerpflichtigen).

Wer will, kann hier seine Steuerbelastung errechnen: https://www.bmf-steuerrechner.de/ekst/?

weiter: Sozialversicherung: Beitragssätze und Beitragsbemessungsgrenzen

>> Inhaltsverzeichnis Online-Seminar Lohn und Gehalt mit Musterabrechnungen <<