8.2.1. Vertiefung des Sachverhaltes der Lohnsteuerpauschalierung

Im vorhergehenden Kapitel brachten wir den Begriff einer pauschalen Lohnsteuer ins Spiel und sahen an der dazugehörigen Abrechnung, dass sich durch mögliche steuerfreie Bezüge und pauschal besteuerter Lohnarten zwischen Gesamt-Brutto, steuerpflichtigem Brutto und sozialversicherungspflichtigem Brutto doch eine nicht unerhebliche Spannbreite zugunsten des Arbeitnehmers auftun kann.

Die gesetzlichen Regelungen zur Pauschalierung der Lohnsteuer für bestimmte Lohnbestandteile, die zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden, finden sich in den §§ 40, 40a und 40 b des Einkommensteuergesetzes. Dazu geben wir Ihnen eine Übersicht, die im weiteren Verlauf des kostenlosen Online-Seminars Lohn und Gehalt mit Beispielen in zusammenhängenden Aufgabenstellungen, die mehrere Abrechnungsmonate umfassen, noch verdeutlicht wird:

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  • Zuschüsse zu Aufwendungen des Arbeitnehmers für dessen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder unentgeltliche oder verbilligte Beförderung, organisiert durch den Arbeitgeber »» 15 %
  • Mahlzeiten im Betrieb, Betriebsveranstaltungen, Erholungsbeihilfen, Verpflegungsmehraufwand bis max. 100% der steuerfreien Pauschbeträge, Übereignung von PC »» 25 %
  • Arbeitslohn für kurzfristig beschäftigte Aushilfskräfte »» 25 %
  • Arbeitslohn für Minijobber (geringfügig Beschäftigte) ohne Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung »» 20 %
  • Arbeitslohn für Minijobber (geringfügig Beschäftigte) mit Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung »» 2 %

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Der Vorteil für den Arbeitnehmer liegt darin, dass diese Lohnbestandteile nicht seinem individuellem Steuersatz unterliegen, gerade was höhere Einkommen betrifft und sie beitragsfrei in der Sozialversicherung sind. Wird nur ein Teil der Bezüge pauschal besteuert, unterliegt der verbleibende Teil der Versteuerung bzw. der Belastung mit Beiträgen zur Sozialversicherung. Ein solcher Sachverhalt wäre gegeben, wenn wie im Beispiel des Mitarbeiters Jung der Arbeitgeber 0,50 € Fahrtkostenzuschuss je Entfernungskilometer zahlen würde. Die Differenz in Höhe von 0,20 € gegenüber der Entfernungspauschale von 0,30 € unterläge dann der Steuerpflicht und Beitragspflicht zur Sozialversicherung.

Die Entscheidung, zusätzlich gezahltes Entgelt pauschal zu besteuern, trifft der Arbeitgeber. Trägt der Arbeitgeber die pauschale Lohnsteuer, kann er diese als Betriebsausgabe geltend machen. Grundsätzlich kann die pauschale Lohnsteuer vom Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden. In der Regel steht sich dieser trotzdem günstiger, weil die Beiträge zur Sozialversicherung entfallen und häufig auch der persönliche Steuersatz höher ist als der pauschale.

In Kapitel 8.1.2. hatten wir bereits ausgerechnet, wie viel außer der pauschalen Lohnsteuer noch auf den Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer entfallen.

Wie beim Abzug der „normalen“ Lohnsteuer fallen 5,5 % Solidaritätszuschlag an, die von der Lohnsteuer erhoben werden. Was die Kirchensteuer betrifft, gelten unterschiedliche Regelungen mit verminderten Steuersätzen:

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  • Bayern, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland »» 7 %
  • Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg »» 6 %
  • Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen »» 5 %
  • Hamburg »» 4 %

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„Moment mal, ich bin kein Mitglied einer Religionsgemeinschaft, bekomme aber von meinen Arbeitgeber zu meinem Gehalt einen Fahrtkostenzuschuss, den dieser pauschal versteuert. Dann erhält ja ´die Kirche´ Steuern, die ihr eigentlich nicht zustehen!“

Dieser Einwurf ist korrekt. Alternativ zur pauschalen Kirchensteuer kann der Arbeitgeber für jeden seiner Mitarbeiter nachweisen, ob dieser der Kirchensteuerpflicht unterliegt oder nicht. Für Mitarbeiter, die demnach keiner erhebungsberechtigten Religionsgemeinschaft angehören, entfällt in diesem Falle die Kirchensteuer, für alle anderen Beschäftigten gilt dann der bekannte Kirchensteuersatz von 8 bzw. 9 %.

8.2.2. Auslagenersatz, Berufskleidung und Kosten der Kinderbetreuung

8.2.2.1. Auslagenersatz

Als Auslagenersatz werden solche Beträge bezeichnet, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer nachträglich erstattet und keine Vergütung darstellen. Steuer- und sozialversicherungsfrei ist der Auslagenersatz, wenn die Ausgaben für Rechnung des Arbeitgebers getätigt wurden und der Arbeitnehmer sich nicht durch die Ersatzleistung bereichert. Ein Beispiel wäre die Kundenbewirtung durch den Arbeitnehmer im Auftrag des Arbeitgebers oder ein Kundengeschenke im Auftrag des Arbeitgebers.

Ein vom Arbeitgeber pauschal gezahlter Auslagenersatz ohne Einzelnachweis gilt grundsätzlich als steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn. Hiervon auszunehmen sind die Beträge, bei denen die Ausgaben nicht vom Ermessen des Arbeitnehmers abhängen, eine zweckgebundene Verwendung sichergestellt ist und die Pauschale den tatsächlich entstehenden Aufwand erfahrungsgemäß nicht übersteigt.

8.2.2.2. Berufskleidung

Typische Berufskleidung, für die eine private Nutzung ausgeschlossen werden kann oder die dem Arbeitsschutz dient, kann dem Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber steuer- und sozialversicherungsfrei überlassen werden. Entstehen dem Arbeitnehmer Kosten, weil dieser eine betrieblich benötigte, unverwechselbare oder zwingend geforderte Berufs- oder Schutzkleidung beschafft, kann auch in diesem Fall der Arbeitgeber die Kosten steuer- und beitragsfrei ersetzen.

8.2.2.3. Kosten der Kinderbetreuung

Kann der Arbeitgeber seiner Angestellten, der allein erziehenden Mutter Dagmar Bender, Kosten erstatten, die ihr durch die Betreuung des vierjährigen Sohnes entstehen? Wenn ja, wie wirkt sich ein solcher Betrag auf den steuer- bzw. sozialversicherungspflichtigen Bruttoverdienst von Frau Bender aus? (Siehe Übung und Belege Kap. 6)

Die gesetzliche Grundlage liefert dazu wiederum das Einkommensteuergesetz. Es führt zu diesem Sachverhalt aus:

§ 3 Steuerfrei sind … 33. zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbrachte Leistungen des Arbeitgebers zur Unterbringung und Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern der Arbeitnehmer in Kindergärten oder vergleichbaren Einrichtungen;

Nicht notwendig ist es, dass der Arbeitnehmer selbst die Kosten der Kinderbetreuung trägt, das kann auch der andere Elternteil sein, mit dem der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin nicht verheiratet sein muss. Es muss jedoch durch geeignete Belege wie Rechnungen oder Verträge nachgewiesen werden, dass Kosten entstehen.

Der steuer- und sozialversicherungsfreie Zuschuss zur Kinderbetreuung stellt für Unternehmen eine einfache und kostengünstige Möglichkeit dar, Mitarbeiter bei der Betreuung ihrer noch nicht schulpflichtigen Kinder finanziell zu unterstützen. Er wird zweckgebunden für die Unterbringung der Kinder in Einrichtungen oder bei Tagesmüttern erstattet und muss zusätzlich zum Lohn oder Gehalt ausbezahlt werden.

Wir erinnern nochmals an die Ausführungen zu einer möglichen Lohnerhöhung im Kap. 3.2. des Online-Seminars Lohn und Gehalt an und die Abrechnungen, die uns vor Augen führen, was davon tatsächlich übrig bleibt. Insofern kann das Angebot eines Arbeitgebers, sich an den Kosten der Kinderbetreuung zu beteiligen durchaus eine günstigere Alternative sein als beispielsweise eine Gehaltserhöhung. Folgt man zudem Medienberichten, demnach in der Bundesrepublik in vielen Branchen ein Mangel an Fachkräften herrsche, erreichen Unternehmen, die keine eigenen Einrichtungen oder Firmenkitas anbieten können, mit einem Zuschuss, dass ihre Beschäftigten nach der Elternzeit früh wieder an ihren Arbeitsplatz zurück kehren können.

Noch ein Satz zum Schluss: Ob Sie als Leserin oder Leser unserer Anregung gefolgt sind und sich für das Online-Seminar Lohn und Gehalt ein Softwareprogramm zur Abrechnung von Löhnen und Gehältern (wie z. B. Lexware) beschafft, installiert und sich bereits damit vertraut gemacht haben, entzieht sich naturgemäß unserer Kenntnis. Aber bereitet es keine Freude, sich mit dem Thema näher zu befassen, nach Lösungen zu suchen und mögliche Alternativen auszuprobieren? Wäre es nicht auch vielleicht später eine Überlegung wert, die eine oder andere Lohnabrechnung als kleine Arbeitsprobe seiner Bewerbung beizufügen?

weiter: Sachbezüge als Bestandteile des Arbeitsentgeltes

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