Immer wieder wird in den Medien thematisiert, dass viele Arbeitnehmer neben ihrer Hauptbeschäftigung einen oder mehrere weitere Jobs ausüben (müssen), weil das erzielte Arbeitsentgelt ansonsten nicht ausreicht, alle anfallenden Kosten zu decken oder die Familie zu ernähren. Derartige gesellschaftspolitisch sicherlich relevanten und überdenkenswerten Zustände sollen an dieser Stelle jedoch nicht das Thema sein, sondern wie Löhne und Gehälter mehrfach beschäftigter Arbeitnehmer korrekt abgerechnet werden.

Grundsätzlich ist von einer Mehrfachbeschäftigung die Rede, wenn ein Arbeitnehmer auch tatsächlich bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt ist und diese Beschäftigungsverhältnisse auch sozialversicherungsrechtlich entsprechend behandelt werden müssen. Keine Mehrfachbeschäftigung liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer etwa bei Arbeitgeber X montags im Lager arbeitet, dienstags Hausmeisterdienste verrichtet, mittwochs Auslieferungstouren fährt den Rest der Woche als Pförtner arbeitet. Eine Tätigkeit als Minijobber neben einer Hauptbeschäftigung haben Sie im Online-Seminar Lohn und Gehalt bereits kennen gelernt. In diesem Kapitel sprechen wir solche Fälle an, bei denen ein Arbeitnehmer z. B. zwei „echten“ Teilzeittätigkeiten nachgeht oder zwei bzw. drei Arbeitstage pro Woche für unterschiedliche Arbeitgeber „auf Steuerkarte“ tätig ist

14.5.1. Steuerrechtliche Besonderheiten bei Mehrfachbeschäftigungen

Steht ein Arbeitnehmer gleichzeitig bei mehreren Arbeitgebern in einem Dienstverhältnis, so muss diesen für den Abzug der Lohn- und Annexsteuern eine Lohnsteuerkarte bzw. die ELStAM-Daten oder ggf. eine Ersatzbescheinigung des Finanzamtes vorliegen, sofern keine pauschale Besteuerung durch den Arbeitgeber im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung erfolgt. Für das zweite und jedes weitere Beschäftigungsverhältnis gilt die Steuerklasse VI, so bestimmt in § 38b Nr. 6 des Einkommensteuergesetzes – EStG -. Welchem Arbeitgeber er welche Lohnsteuerabzugsmerkmale vorlegt, entscheidet der Arbeitnehmer. In der Steuerklasse VI erfolgt keine Eintragung eines Kinderfreibetrages und auch eine Steuerfreistellung von Beiträgen zur betrieblichen Altersvorsorge ist nicht möglich. Allerdings kann der dem Arbeitnehmer zustehende Grundfreibetrag bei Nichtausschöpfung aus dem ersten Arbeitsverhältnis in Form eines Freibetrages beim weiteren Arbeitsverhältnis entsprechend berücksichtigt werden.

Dazu wird auf der ersten Lohnsteuerkarte bzw. ELStAM-Datei ein Hinzurechnungsbetrag in gleicher Höhe wie der Freibetrag des weiteren Arbeitsverhältnisses eingetragen. Vor Ermittlung des Lohnsteuerabzuges im ersten Arbeitsverhältnis wird dieser Hinzurechnungsbetrag zur Bemessungsgrundlage hinzugerechnet. Eine beim Steuerabzug mögliche mehrfache Berücksichtigung wird im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer richtig gestellt. Selbstverständlich können Freibeträge wegen erhöhter Werbungskosten auch bei einem zweiten oder weiteren Beschäftigungsverhältnis bei der Bemessung des Lohnsteuerabzuges berücksichtigt werden.

14.5.2. Sozialversicherungsrechtliche Besonderheiten bei Mehrfachbeschäftigungen

Wir gehen bei der Betrachtung der sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen in unserem Online-Seminar Lohn und Gehalt bei einer Mehrfachbeschäftigung davon aus, dass ein Arbeitnehmer wie oben bereits erläutert, auf „Steuerkarte“ arbeitet. Zuständig für die Anmeldung des Arbeitnehmers und Abführung der Sozialversicherungsbeiträge ist die gleiche Krankenkasse wie beim ersten Arbeitsverhältnis, ein Wechsel ist nicht möglich. Die Höhe der abzuführenden Beiträge ermittelt sich nach der Höhe des Arbeitsentgeltes. Also: Frau Bender bezieht in ihrem ersten Teilzeitjob ein Gehalt von 1.700,00 € und im zweiten 1.200, €. Jeder Arbeitgeber ermittelt entsprechend vom jeweiligen Gehalt die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge und führt diese ab.

So weit, so gut. Aber wie verhält es sich bei zwei oder mehreren sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen mit den Beitragbemessungsgrenzen, wenn diese in der Summe der Entgelte überschritten werden? Sie erinnern sich, die für 2014 geltenden Werte listete das Online-Seminar Lohn und Gehalt in Kap. 2.2.2. auf!

Angenommen, Frau Bender erzielt bei Arbeitgeber A ein Gehalt von 2.100,00 € und bei Arbeitgeber B ein solches in Höhe von 2.200,00 €. In der Summe überschreiten beide Gehälter mit 4.300,00 € die BBG zur Kranken- und Pflegeversicherung um 250,00 €. Nach welchen Gesichtspunkten führen Arbeitgeber A und B Beiträge für Frau Bender ab?

Jeder Arbeitgeber ermittelt die anteilige Beitragsbemessungsgrundlage, die sich aus dem Arbeitsentgelt von Frau Bender ergibt:

Arbeitgeber A: 4.050,00 € * 2.100,00 € / 4.300,00 € = 1.977,91 €

Arbeitgeber B: 4.050,00 € * 2.200,00 € / 4.300,00 € = 2.072,09 €

In der Summe ergeben 1.977,91 € und 2.072,09 € den Betrag von 4.050,00 €, den Wert der BBG nämlich, von der wir wissen, dass Entgelte, die diese Grenze übersteigen, in der Kranken- und Pflegeversicherung beitragsfrei sind.

Für eine korrekte Abrechnung müssen den jeweiligen Arbeitgebern die entsprechenden Arbeitsentgelte in ihrer Höhe vorliegen; der Arbeitnehmer ist zu entsprechenden Auskünften verpflichtet. Und wenn dieser das nicht tut? Seit 2012 erfolgt die Meldung bzw. Rückmeldung elektronisch durch die Krankenkasse.

Für den Fall, dass die Summe der Arbeitsentgelte die Jahresarbeitsentgeltgrenze (siehe Kap. 2.2.3.) übersteigt und ein Arbeitnehmer nicht mehr kranken- und pflegeversicherungspflichtig ist und von einer gesetzlichen in eine private Krankenkasse gewechselt ist, besteht auch weiterhin ein Anspruch auf dann anteilige Zuschüsse durch die jeweiligen Arbeitgeber.

14.5.3. Beispiel für eine Brutto-Nettolohnabrechnung einer Mehrfachbeschäftigung

Eine Bemerkung vorab: An dieser Stelle des Online-Seminars Lohn und Gehalt ist es nicht möglich, präzise darzustellen, an welcher Stelle in den Personalstamm- und Abrechnungsdaten jeweils die Abfrage nach dem Status einer Mehrfachbeschäftigung erfolgt und ob das ggf. von Ihnen zu Übungszwecken verwendete Lohnabrechnungsprogramm (Empfehlung der Redaktion: Lexware Lohnauskunft 2014 (Version 22.00) selbständig bei Überschreiten der Beitragsbemessungsgrenze wie im Beispiel oben konstruiert, für die einzelnen Arbeitgeber die anteiligen Werte berechnet. Im konkreten Fall musste ein Arbeitgeber B zusätzlich erfunden werden, um Ihnen hier die praktische Umsetzung in eine Lohn- und Gehaltsabrechnung präsentieren zu können.

Betrachten Sie diese Abrechnung jetzt genauer, sehen Sie, dass für dieses Beschäftigungsverhältnis die Steuerklasse VI vom Arbeitnehmer gewählt wurde und eine Mehrfachbeschäftigung vorliegt. Das von uns für das Online-Seminar Lohn und Gehalt verwendete EDV-Programm errechnet aufgrund der beiden bezogenen Gehälter die anteiligen Beitragsbemessungsgrenzen für die Kranken- und Pflegeversicherung selbständig aus, nämlich 1.977,91 für KV und PV bzw. das volle Brutto von 2.100,00 € für RV und AV. Die Lohnsteuer von 499,00 € entspricht einem Steuersatz von knapp 24 %. Einschließlich der Beiträge zur Sozialversicherung summieren sich die Abzüge auf ca. 47 % vom Brutto.

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