In den vergangenen Jahren sprach die Presse immer wieder vom Fachkräftemangel in den sogenannten „MINT-Fächern“. Hierzu gehören wissenschaftliche Studiengänge, vor allem in den Bereichen der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Hier sollen angeblich die Abschlussnoten egal sein: Jeder Absolvent erhält einen gut bezahlten Job, unbefristet und mit Aufstiegsmöglichkeiten. Doch stimmt das überhaupt? Und was bringen die Kampagnen, bereits Schüler im jungen Alter und vermehrt Mädchen für den MINT-Bereich begeistern zu wollen?

1. Kann wirklich „Jeder“ ein MINT-Fach studieren?
2. Muss es unbedingt der Masterabschluss sein?
3. Die Abschlussnote ist nicht vollkommen egal
4. Der Wandel ist da: Fachkräfteschub aus Berlin hebt Nachwuchsmangel auf
5. Wieso kommen die Fachkräfte aus Berlin…

Kann wirklich „Jeder“ ein MINT-Fach studieren?

Prinzipiell kann tatsächlich quasi jeder qualifizierte Abiturient das Studium im MINT-Bereich aufnehmen. Denn aufgrund des Mangels an Studenten, sind Zulassungsbeschränkungen äußerst selten. Doch wer sich das nun als einfachen Weg zum großen Geld ausmalt, liegt denkbar weit daneben. Denn die Studiengänge sind hart. Die Universitäten nehmen absichtlich „zu viele“ Studenten auf, da die meisten sowieso nie ihren Abschluss machen werden. In den Ingenieurwissenschaften liegt die Abbruchrate derzeit bei knappen 50 Prozent, etwa 35 Prozent sind es in den Naturwissenschaften sowie der Mathematik. Vergleichen wir das einmal mit der Medizin, welche eine Abbruchquote von nur neun Prozent aufweist, so wird das Ausmaß dieser Zahlen erst richtig bewusst. Woran das liegt, seien laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems HIS vor allem zu hohe Leistungsanforderungen oder falsche Erwartungen an das Studium und seine Inhalte. Vielleicht fallen viele Abiturienten einfach auch auf die Kampagnen herein, die Nachwuchs für die MINT-Fächer generieren sollen. Denn wer preist schon die Nachteile oder die hohen Anforderungen an, wenn er ein Studienfach „verkaufen“ will?

Dennoch: Ganz erfolglos sind diese staatlichen und städtischen Initiativen nicht. Derzeit gibt es einen immensen Fachkräfteschub aus Berlin. Aber dazu später mehr…

Muss es unbedingt der Masterabschluss sein?

Ja. Natürlich gibt es stets auch Ausnahmen von der Regel, doch bei den wissenschaftlichen Fächern finden Sie mit einem Bachelor-Abschluss nur äußerst schwierig eine Anstellung. Jeder, der auf das versprochene „gute Geld“ aus ist oder aus Liebe zum Fach in der Entwicklung, Forschung o.ä. arbeiten möchte, muss mindestens einen Master drauf setzen. Je nach Fachgebiet reicht auch das nicht aus: 90 Prozent aller Chemiker promovieren, etwa 70 Prozent sind es bei den Physikern.

Die Abschlussnote ist nicht vollkommen egal

Irgendwie durchs Studium kommen und bestehen – die Abschlussnote ist ja sowieso egal. Das mag vielleicht irgendwann einmal zugetroffen haben, doch heutzutage sind auch in den MINT-Fächern gute Leistungen die Voraussetzung für eine attraktive Anstellung. Eine passende fachliche Spezialisierung, das Promotionsthema sowie Auslandserfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse sind auch in den Natur- und Ingenieurwissenschaften die Anforderungen an Bewerber auf eine Stellenausschreibung, so die Aussage des Arbeitgebers BASF. Wer sich mit schlechteren Noten bewerben muss, hat bei kleineren bis mittelständischen Unternehmen bessere Erfolgschancen. Denn hier müssen tatsächlich viele Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels derzeit Abstriche bei den Anforderungslisten machen. Jeder siebte Betrieb der Metall- und Elektroindustrie sei laut Arbeitgeberverband Gesamtmetall vom Fachkräftemangel betroffen. Doch das waren auch schon einmal mehr: Es zeichnet sich ein Wandel ab.

Der Wandel ist da: Fachkräfteschub aus Berlin hebt Nachwuchsmangel auf

Nicht mehr allzu lange können die Studierenden der MINT-Fächer von den Vorteilen des Fachkräftemangels profitieren, so ist zumindest die Aussage des aktuellen „Länder-Checks“ zu den MINT-Fächern. Die deutschlandweiten Anstrengungen, Kinder und Jugendliche für die MINT-Studiengänge zu begeistern, zeigen erste Erfolge. Vor allem aus Berlin und Brandenburg kommt derzeit eine Welle an Nachwuchs-Fachkräften, die gerade ihr Studium beendet haben. Und es soll nur die erste Welle von vielen sein. Die Studie des Stifterverbandes für die Wissenschaft sieht in nächster Zeit nur in sehr wenigen Berufen Engpässe. „Die Zahl der Uni-Absolventen habe sich mancherorts verdoppelt in den besagten Fächern, von einem “strukturellen Mangel” könne keine Rede mehr sein“, so das Ergebnis der Untersuchungen.

Die Bundesagentur für Arbeit sieht das in ihrem aktuellen „Arbeitsmarktreport MINT“ ähnlich. Die Engpässe seien vor allem regional in den Bereichen der Mechatronik und des Maschinenbaus. Die Absolventen müssten daher zukünftig flexibler hinsichtlich ihres Wohn- und Arbeitsortes sein. Vor allem die südlichen Bundesländer haben einen besonders hohen Fachkräftebedarf. Hier stehen die Einstiegschancen für Absolventen daher immer noch gut. Baden-Württemberg zum Beispiel, sei aufgrund des Nachwuchsmangels zu einem Vorreiter der Verbesserung der MINT-Ausbildungen geworden. Ebenso bilden Berlin und Brandenburg gezielt Fachkräfte über dem eigenen Bedarf aus. Seit 2008 hat sich die Absolventenquote hier sogar verdoppelt. Dies ermöglicht einen effizienten Austausch zwischen den Ländern.

Wieso kommen die Fachkräfte aus Berlin…

…wo es doch gerade in dieser Gegend kaum industrielle Arbeitsplätze für die Absolventen gibt? Ganz einfach: Berlin und Brandenburg wollen ihren StartUp-Bereich fördern und haben deshalb in die MINT-Fächer investiert. Die ausgeprägte Universitätslandschaft bietet viel Raum für den Ausbau der MINT-Fächer und Berlin verspricht sich dadurch einen „umgekehrten Länderfinanzausgleich“. Die ersten Förderkampagnen begannen vor einigen Jahren, nun sind die Ergebnisse zu sehen. Die ersten Absolventen aus Berlin strömen auf den Arbeitsmarkt und der Fachkräftemangel sei so gut wie ausgeglichen. Der Hype um die fehlenden MINT-Kräfte ist laut Kritikern künstlich erzwungen, damit die Löhne niedrig und die Auswahl für Personalmanager größer bleiben. Die Förderung müsse nun auf ein ausgeglichenes Maß reduziert werden, sonst drohe der Überschuss an gut ausgebildeten Akademikern, so warnen die Experten. Fehlen werden die Fachkräfte dann vor allem bei Auszubildenden im Technikbereich. Und den wirklichen Fachkräftemangel gebe es derweil sowieso vor allem im Pflege- und Gesundheitsbereich. Warum hier der Hype ausbleibt? Vermutlich weil hier deutlich weniger Geld zu generieren ist als in der Industrie. Oder wie ist Ihre Meinung zu dem Hype um die MINT-Fächer?

1 Kommentar

  1. Stimmt nicht! Ich brauch den Artikel nicht lesen, um zu wissen, dass Ingenieure nicht gesucht werden!

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