Frauenquote hin oder her, eine Studie fand jetzt heraus, dass das Karriereende für Managerinnen schon früh kommt. Hat sich eine Frau einmal bis in die Führungsetage hinauf gearbeitet, zieht sie mit 50 eine bittere Bilanz: Ihre Macht dient nur dem Schein, der Aufstieg stagniert und das Karriereende kommt früh. Der Rückblick auf die Karriere ist ernüchternd, der Aufwand hat sich nicht ausgezahlt und zahlreiche Managerinnen 50 plus denken gar über das Verlassen des Unternehmens nach. All das sind fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse der Soziologin Christiane Funken, die im Auftrag des Bundesfrauenministeriums und auf die Initiative des EWMD 30 Tiefeninterviews für eine Studie zu den Karrieren älterer Managerinnen durchführte. Eine Studie, die bislang unerforschtes wissenschaftliches Neuland betrachtet und für ein trauriges Ergebnis sorgt.

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Inhalt
1. Für Frauen heißt es immer noch: Karriere oder privates Glück
2. Warum kommt das Karriereaus so früh?
3. Wie reagieren die Managerinnen auf die Panzerglasdecke?

Frauenquote hin oder her, eine Studie fand jetzt heraus, dass das Karriereende für Managerinnen schon früh kommt. Hat sich eine Frau einmal bis in die Führungsetage hinauf gearbeitet, zieht sie mit 50 eine bittere Bilanz: Ihre Macht dient nur dem Schein, der Aufstieg stagniert und das Karriereende kommt früh. Der Rückblick auf die Karriere ist ernüchternd, der Aufwand hat sich nicht ausgezahlt und zahlreiche Managerinnen 50 plus denken gar über das Verlassen des Unternehmens nach. All das sind fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse der Soziologin Christiane Funken, die im Auftrag des Bundesfrauenministeriums und auf die Initiative des EWMD 30 Tiefeninterviews für eine Studie zu den Karrieren älterer Managerinnen durchführte. Eine Studie, die bislang unerforschtes wissenschaftliches Neuland betrachtet und für ein trauriges Ergebnis sorgt.

Für Frauen heißt es immer noch: Karriere oder privates Glück

Die Frauen in den Führungsetagen gehören mit ihren 45 bis 55 Jahren zu der ersten Frauengeneration, die von der angeblichen Gleichberechtigung profitieren konnte. Die Teilnehmerinnen der Studie konnten ihm Rahmen der Bildungsexpansion der 60er Jahre Universitäten besuchen und dank neu gefundener Chancengleichheit ebenso im Unternehmen aufsteigen wie ihre männlichen Kollegen. Dies weckte den Wunsch nach einer großen Karriere und dem Sprung in die höchste Führungsetage. Jetzt, viele Jahre später, fällt die Bilanz eher nüchtern aus. Trotz dass die Frauen den Männern in Ausbildung, Berufserfahrung und zeitlichem Engagement ebenbürtig sind, stoßen sie um die 50 auf eine unsichtbare Panzerglasdecke. Der Aufstieg stagniert, die Machtverhältnisse verteilen sich um und die Karriere der Frauen wird jäh beendet.

„Die Frauen dieser Generation dachten, eine Karriere funktioniere durch Fleiß, Disziplin und Leistung. Man wird entdeckt und dann läuft das schon. So ist es aber nicht. Die Beförderungslogik von Unternehmen lautet eher: Bis Anfang, Mitte 40 haben wir die Kandidaten, in die wir investieren. Ab Ende 40, Anfang 50 findet der Sprung in die Chef- oder Vorstandsetagen statt. Dafür braucht es einen bestimmten Habitus. Nicht jeder und vor allem nicht jede scheint da reinzupassen“, so Christiane Funken.

Doch hierzu kommt noch eine weitere Ungerechtigkeit: Die Frauen stehen stets vor der Wahl zwischen Karriere oder privatem Glück. Die Kombination scheint bis heute nicht möglich zu sein. Wer sich für die Karriere entschließt steht dann um die 50 schlimmstenfalls vor dem Nichts. Denn die Mehrheit der Managerinnen in der Studie haben keine Kinder, nur wenige eine feste konventionelle Beziehung. Überwiegend sind kinderlose Beziehungen mit Doppelkarriere und zwei Wohnsitzen. Nicht selten eine hohe Zusatzbelastung für die Frauen.

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Warum kommt das Karriereaus so früh?

Warum aber das Karriereaus für Frauen bereits um die 50 kommt, ist bislang ungeklärt. Mit 50 haben sich viele der Frauen eine verantwortungsvolle Position erarbeitet, die Spitze erreichen jedoch in der Regel nur Männer. Vorstands- oder Aufsichtsratsposten werden zum Großteil von Männern gleichen Alters besetzt. Weshalb aber frieren die Karrieren der Frauen zu einem Zeitpunkt ein, zu welchem die der Männer ihren Höhepunkt erreichen?

„Es geht um Männermacht und Männerkultur. Die Ausschlussmechanismen sind allerdings subtil. Es wagt ja heute keiner mehr zu sagen: Du darfst das nicht, du bist eine Frau. Nein, Frauen werden von den Informationskanälen und Entscheidungszentren ausgeschlossen“, so die Fachfrau. „Das niederschmetternde Fazit lautet: No return on investment.”

Stattdessen stoßen die Managerinnen um die 50 auf eine Decke aus Glas. Höher geht es nicht mehr. Diese Decke scheint aus wahrem Panzerglas zu sein, denn keine der Frauen in der Studie schaffte es bislang diese zu durchbrechen. Die Beförderung bleibt aus, die logische Reihenfolge wird ausgehebelt, die Frauen stecken in Routine fest, meist weit unter ihren Kompetenzen.

Wie reagieren die Managerinnen auf die Panzerglasdecke?

Die Phase der Stagnation nehmen derweil viele Frauen als Gelegenheit zur Reflexion wahr. Was haben sie in der Vergangenheit geleistet, wie sieht die Gegenwart aus und welche Möglichkeiten gibt es für die Zukunft?

Funken unterscheidet hier drei Gruppen von Frauen: Die erste entschließt sich für den Kampf und versucht mit allen Mitteln die Spitzenpositionen im Unternehmen zu erobern. Die zweite Gruppe steigt aus. Die Frauen verlassen das Unternehmen, haben meist genug Geld für eine Auszeit verdient und möchten das Beste aus den verbleibenden Jahren machen. Sie suchen sich keine ähnliche Position in einem anderen Unternehmen, sondern entscheiden sich für eine gänzlich andere Tätigkeit. Zuletzt gibt es noch die Gruppe der Resignierten. Hierzu gehören meist die Frauen, die Familie und Karriere unter einen Hut gebracht haben und nun aus finanziellen Gründen nicht einfach hinwerfen können. Sie machen Dienst nach Vorschrift, fahren die Energie und Motivation zurück und erbringen so wenig Leistung wie möglich für das Unternehmen. Eine Reaktion, die volkswirtschaftliche Folgen hat. Denn mit den qualifizierten Frauen geht auch das Know-How, welches in Zeiten des Fachkräftemangels für viele Unternehmen so wichtig ist. Den Firmen geht wertvolles Potenzial verloren. Die Luft wird dünn für Frauen ab 50 in der Führungsriege, also suchen sie sich neue Aufgaben und haben hier einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz:

„Das hat viel mit der Berufsidentität von Frauen und Männern in unseren Gesellschaften zu tun. Von Männern wird nach wie vor erwartet, dass sie einen Beruf ausüben, Geld verdienen, sich selbst und eine Familie ernähren können. Wenn sie entsprechend qualifiziert sind, erwartet man von ihnen auch, dass sie Karriere machen. Das ändert sich langsam, aber in der Generation der heute 50-Jährigen steigt ein erfolgreicher Manager eben nicht einfach aus, wenn ihm danach ist. Wenn eine Frau nach einer super Karriere aussteigt, wird das gesellschaftlich nicht sanktioniert. Im Gegenteil, da heißt es: Die kann sich das leisten, die macht jetzt ihre Weltreise. Eine Frau hat unterschiedliche Rollenmöglichkeiten“, so Funken abschließend.