Das Mediationsgesetz ist im Juli 2012 in Deutschland in Kraft getreten. Seit diesem Zeitpunkt gewinnt die Mediation immer mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Nur was ist überhaupt Mediation? Worin liegt das Besondere bei der Wirtschaftsmediation und bei welcher Art von Konflikten findet dieses Verfahren Anwendung?

Mitarbeiter kommunizieren miteinander und suchen gemeinsam nach kreativen Lösungsmöglichkeiten für ihren Konflikt
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Inhalt
1. Begriff und Herkunft der Mediation
2. Definition gemäß § 1 Mediationsgesetz
3. Eigenverantwortlichkeit als ein zentrales Prinzip
4. Mediation in der Wirtschaft
5. Fazit

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Begriff und Herkunft der Mediation

„Mediation“ wird vom lateinischen Adjektiv „medius“ abgeleitet und bedeutet, zwischen zwei Ansichten oder Parteien die Mitte halten, einen Mittelweg einschlagen, sich neutral verhalten. Wörtlich übersetzt heißt „Mediation“ nichts anderes als „Vermittlung“.

Die Wurzeln der Mediation reichen historisch weit über den Beginn unserer Zeitrechnung zurück. Als alternativer Ansatz zur Konfliktlösung wurde Mediation seit Mitte der 1960er Jahre zunächst in den USA als „Bewegung“ wieder entdeckt. Erst ab dem Jahre 1970 kam das Verfahren aus den USA nach Europa. Es entwickelte sich insbesondere in den Bereichen des Umwelt- und Familienrechts. Mediation bei Trennung und Scheidung ist dabei nach wie vor das größte Einsatzgebiet für Mediation im deutschsprachigen Raum.

Definition gemäß § 1 Mediationsgesetz

Der Gesetzgeber hat sich in § 1 Abs. 1 Mediationsgesetz für folgende Begriffsbestimmung entschieden:

„Mediation ist ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben.“

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In derselben Vorschrift definiert der Gesetzgeber auch den Begriff des „Mediators“:

„Ein Mediator ist eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis, die die Parteien durch die Mediation führt.“

Im Verlauf eines Mediationsverfahrens werden die hinter dem Konflikt liegenden Sichtweisen, Bedürfnisse und Interessen der Beteiligten (die im Rahmen der Mediation als „Medianden“ oder „Medianten“ bezeichnet werden) herausgearbeitet. Es werden Optionen zur Regelung und Beilegung des Streits erörtert und geprüft.

Eigenverantwortlichkeit als ein zentrales Prinzip

Ein zentraler Gedanke des Mediationsverfahrens beruht auf der Erkenntnis, dass nur die Medianten selbst die wirklich angemessenen und als fair empfundenen Lösungen entwickeln können. Eigene Lösungen werden eher akzeptiert und verwirklicht als von außen vorgeschlagene oder gar gerichtlich festgelegte. Im Gegensatz zum gerichtlichen Verfahren liegt das Ergebnis eines Mediationsverfahrens allein in den Händen der Konfliktparteien.

Ziel einer Mediation, ist es, gemeinsam tragfähige und zukunftsorientierte Lösung zu finden, bei der sich keine Seite als Verlierer („win-win“-Situation) fühlt und die zu einer langfristigen und nachhaltigen „Befriedung“ des Konflikts führt.

Dieses Ziel wird dadurch erreicht, dass die Medianten im Verlauf des Verfahrens unter Anleitung und Führung des Mediators (wieder) miteinander kommunizieren, gemeinsam nach kreativen Lösungsmöglichkeiten Ausschau halten und diese dann umsetzen. Die eigentliche Rechtslage und etwaige Schuldfragen stehen im Hintergrund.

Mediatoren ermitteln nicht die Wahrheit, sie bewerten und urteilen nicht und schlagen keine Lösungen vor. Mediatoren sind im Rahmen ihrer Aufgabe zur Neutralität, Allparteilichkeit und zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Mediation in der Wirtschaft

Wirtschaftsmediation ist die kooperative Methode zur außergerichtlichen Konflikt- und Streitbeilegung zwischen verschiedenen Unternehmen oder im Unternehmen. Bei Mediation, die im Unternehmen stattfindet, spricht man auch von innerbetrieblicher Wirtschaftsmediation.

Folgende innerbetriebliche Konflikte treten in der Praxis regelmäßig auf:

  • Konflikte innerhalb von Teams und Arbeitsgruppen
  • Beschwerden eines Mitarbeiters gegenüber seinem Vorgesetzten
  • Streit zwischen mehreren Kollegen untereinander
  • Konflikte zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung
  • Streitigkeiten zwischen den Gremien (Betriebsrat, Gesamtbetriebsrat, Konzernbetriebsrat, Jugend- und
  • Auszubildendenvertretung, Ausschüssen)
  • Ungleiche Sichtweisen auf Themen innerhalb des Betriebsrats

Während ein Arbeitsgerichtsprozess häufig das Arbeitsverhältnis weiter belastet, ermöglicht es die Konfliktbearbeitung in der innerbetrieblichen Wirtschaftsmediation, dass die Beteiligten auch in der Zukunft respekt- und vertrauensvoll miteinander umgehen.

Fazit

Die Zeit ist reif, dass Streitparteien im Arbeitsleben ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und Konflikte mit Mediation selbstbestimmt lösen anstatt dem Urteil eines Richters entgegen zu sehen.

Thorsten Blaufelder ist Fachanwalt für Arbeitsrecht, Referent Wirschaftsmediator und Business Coach
Foto: Thorsten Blaufelder

Thorsten Blaufelder ist Fachanwalt für Arbeitsrecht, Wirtschaftsmediator und Business Coach. Sein beruflicher Schwerpunkt liegt im Lösen von arbeitsrechtlichen Fragestellungen und innerbetrieblichen Konflikten. Als Dozent und Webinar-Referent gibt er seine Kenntnisse und Erfahrungen im Rahmen von Vorträgen, Workshops und mehrtägigen Seminaren weiter.

www.thorsten-blaufelder.de