Haare an den Beinen, Stöckelschuhe und grell gemusterte Hosen gelten in vielen Jobs als No-Go im Arbeitsalltag. Dennoch stoßen entsprechende Vorschriften immer wieder auf heftigen Protest.

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Letztes Jahr geriet die norddeutsche Drogeriekette Budnikowsky in die Kritik, weil sie eine sechsseitige Bekleidungsempfehlung an ihre Mitarbeiter hatte verteilen lassen. Den rund 2.500 „Budni“-Mitarbeitern wurde eine Liste präsentiert, die auch als „Grundlage für Personalgespräche“ verstanden werden sollte und für Unmut sorgte. Nachdem die Firmenleitung wohl selbst bemerkte, dass sie sich arbeitsrechtlich zu weit vorgewagt hatte, wurde die Richtlinie als „Orientierungshilfe“ deklariert, um nicht als Anweisung missverstanden zu werden.

Ein Arbeitgeber darf von seinen Mitarbeitern, die im direkten Kundenkontakt stehen, ein gepflegtes Äußeres erwarten und auch einheitliche Arbeitskleidung anordnen. Aber die Budnikowsky-Liste ist so detailliert abgefasst, dass viele Mitarbeiter sie als starken Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte empfinden: Bartträger dürfen nur mit einem „gut ausrasierten Voll- oder Oberlippenbart“ zur Arbeit erscheinen, Frauen keinen bunten Nagellack tragen sowie nur Hosen in Schwarz, Blau oder Weiß. Weibliche Mitarbeiter, die für die Arbeit einen Rock anziehen, sollen ihre Beine rasieren.

Konkrete Vorschriften zu Frisur, Farbe der Kleidung und Schmuck lassen sich nur schwer mit dem Arbeitsrecht vereinbaren. Der Betriebsrat muss auf jeden Fall zustimmen, wenn derartige Vorschriften erlassen werden sollen. Nur gibt es bei „Budni“ gar keinen Betriebsrat. Angeblich will das Unternehmen die „Orientierungshilfe“ nun zurückziehen. Es gab jedoch schon Verlautbarungen einzelner Mitarbeiter, die von negativen Konsequenzen berichteten, weil sie sich nicht daran gehalten hatten.

Das Äußere zählt, aber wie weit darf das gehen?

Auch die indische Fluglinie Air India geriet einmal mehr in die Schlagzeilen – diesmal nicht wegen ihrer Preise oder Finanzprobleme, sondern wegen des BMI (Body Mass Index) ihrer Mitarbeiter. Wer sich dem Schritt auf die Waage entzieht und über 40 ist, darf nicht mehr fliegen, muss am Boden arbeiten und Sport treiben. Sechs Monate gibt ihnen der Arbeitgeber, um wieder in Form zu kommen.

Der Hintergrund: Der Wettbewerb unter den asiatischen Airlines ist groß, hinzu kommt auch noch die Konkurrenz durch arabische Fluglinien. Air India als ältestes Unternehmen der Branche, das 1953 verstaatlicht wurde, beschäftigt über zwei Drittel Stewardessen, die älter sind als 40 Jahre. Das Flugpersonal bei den Mitbewerbern ist deutlich jünger. Bei Air India dürfen die Mitarbeiter vom Piloten bis zum Flugbegleiter an Bord arbeiten, bis sie 58 Jahre alt sind. Da dürfte es nicht so ganz leicht sein, mit der Attraktivität des Personals zu punkten.

Einige Stewardessen haben es nach Zeitungsberichten abgelehnt, sich „vermessen“ und wiegen zu lassen – stattdessen forderten sie von ihrem Arbeitnehmer, ihnen die Mitgliedschaft in Fitnessclubs zu finanzieren. Dies hatte die Airline in den 1990er Jahren getan, aber aus Kostengründen wieder abgeschafft. Man vermutet, dass das stark verschuldete Unternehmen sich mit den neuen Vorschriften einiger Mitarbeiter entledigen möchte, die schwer kündbar sind und viel Geld kosten.

Bereits vor einigen Jahren hatte der “UBS Corporate Wear Dress Guide for Women und Men” der Schweizer USB-Großbank Aufsehen erregt. Bankangestellte unterliegen für gewöhnlich einem korrekten Dresscode, aber hier ging es um mehr, und der Wirbel war groß. Die durch die Finanzkrise schwer angeschlagene Bank erntete viel Häme für „Empfehlungen“ wie hautfarbene Unterwäsche für Mitarbeiterinnen und Krawatten mit Windsor-Knoten für die Herren. Seidenstrümpfe sollten die Damen tragen, und Mitarbeiter mit Dreitagebart wurden zur Rasur angehalten.

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Es ging noch weiter: Eine Mitarbeiterin mit Make-up würde als kompetenter gelten, und von Knoblauchverzehr unter der Woche wurde abgeraten. USB ruderte zurück und beließ es dabei, einen festen Dresscode für die Belegschaft der renovierten Filialen auszurufen: dunkle Anzüge, weiße Hemden oder Blusen, rote Krawatten oder Halstücher und schwarze Schuhe. Ein Outfit, mit dem die meisten Banker leben können.