Wir kennen sie alle – die Schnell- und Vielquassler, die sich und anderen weder Punkt noch Komma gönnen. Seien Sie selbstkritisch: Gehören Sie zu diesen meist unfreiwilligen Schnellrednern, die ihre Mitmenschen „volltexten“?

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Menschen, die sehr schnell sprechen, überfordern ihre Zuhörer leicht. Denn diese können den Gedanken und Gedankensprüngen irgendwann nicht mehr folgen – und schalten ab. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie zu schnell sprechen, fragen Sie Menschen, die Ihnen wohl gesonnen sind. Oder nehmen Sie sich selbst auf und hören Sie sich reden.

Eventuell fallen Ihnen außer dem Tempo noch weitere Punkte auf, bei denen Sie nachbessern könnten: Sagen Sie oft „äh“, oder neigen Sie zu Wortwiederholungen wie „gell“, „quasi“ etc., nuscheln Sie, oder stellen Sie fest, dass Sie manche Wörter falsch betonen? Ein Schnellsprecher gilt als unsicher und wird ebenfalls so wahrgenommen. Es wirkt, als fürchte er, der Zuhörer werde sich früher abwenden, als seine Erzählung zu Ende ist. Fatalerweise wird durch die hektische Art zu reden genau dies herausgefordert.

Übungen, um Ihr Sprachtempo zu verlangsamen

Die folgenden Übungen sind am wirksamsten, wenn Sie dabei bewusst übertreiben! Sitzen oder stehen Sie aufrecht und atmen Sie einige Male kräftig ein und aus.

Dann sprechen Sie den folgenden Satz oder einen ähnlich komplizierten Schachtelsatz vor sich hin: „Ich werde ab jetzt nicht mehr zu schnell reden, dadurch bedingt weil ich alle Gedanken, welche in mir herumschwirren, sofort loswerden will, und weil ich Angst habe, dass wenn ich eine Pause beim Sprechen mache, die Menschen mir nicht mehr zuhören.“

Wiederholen Sie diesen Satz – aber diesmal so übertrieben langsam, dass Sieee daaabeiii jeeedeees Wooort eeextreeem iiin diiie Lääängeee ziiieheeen. Machen Sie zwischen jedem Wort eine Pause und atmen Sie tief ein und aus.

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Sie sollten diese Übung mehrmals hintereinander machen, aber jedes Mal das Tempo ein wenig erhöhen sowie das Langziehen der Wörter etwas verkürzen. Wichtig: Sprechen Sie bewusst langsamer, als es Ihrer bisherigen Gewohnheit entspricht. So entwickeln Sie langsam ein Gefühl dafür, welches Sprechtempo von anderen als angenehm empfunden wird, sodass sie Ihnen gern zuhören.

Die beste Kontrolle haben Sie, wenn Sie diese Übung aufzeichnen und sich jede Wiederholung anhören. Dies verbessert Ihr Bewusstsein dafür, welches Tempo Sie künftig beim Sprechen vorlegen sollten.

Glauben Sie nur nicht, dass Sie mit einer verlangsamten Sprechweise Ihre Zuhörer langweilen. Falls Sie noch unschlüssig sind, holen Sie sich Feedback im näheren Umkreis. Wenn Sie bemerken, dass sich Ihr Redefluss wieder der alten Geschwindigkeit nähert, atmen Sie mehrmals durch und reduzieren Sie Ihr Sprechtempo mit Bedacht.

Sie können Sie auch selbst helfen, indem Sie bewährte Zungenbrecher wie „Fischers Fritze fischt frische Fische“ überartikuliert sprechen. Sie finden eine ganze Reihe dieser Übungen im Internet. Oder Sie nehmen sich ein langes, kompliziertes Wort vor, das Sie nach und nach in seine Bestandteile zerlegen. Die Aufgabe besteht darin, das komplette Wort zunächst mehrmals nacheinander und im Anschluss daran immer mit einem Buchstaben weniger auszusprechen. Bei dem schönen Wort „Unkrautvernichtungsmittel“ würde das dann so klingen:

  • Unkrautvernichtungsmittel
  • Unkrautvernichtungsmitte
  • Unkrautvernichtungsmitt
  • Unkrautvernichtungsmit
  • Unkrautvernichtungsmi

Lassen Sie einen Buchstaben nach dem anderen weg, bis Sie beim Anfangs-U gelandet sind.

Sprache aufmöbeln – Es kommt stark auf die Wortwahl an

Sie entscheiden, ob Ihre Sätze „ankommen“. Deren Charakter ist auch davon abhängig, wie viel Bewegung in Ihre Sätze einfließt und welche Stimmung diese transportieren. Je bewusster Sie sich für und gegen bestimmte Wörter entscheiden, desto mehr bestimmen Sie die Wirkung dessen, was Sie sagen.

Sprache dient bekanntlich der Kommunikation. Ihr vorrangiges Ziel ist, dass ein anderer Mensch Sie versteht. Aber Sie müssen als Persönlichkeit nicht hinter Ihrem Vokabular zurückstehen. Auch als wortgewandter Mensch sollten Sie sich angewöhnen, nicht zu viele Wörter in einen Satz zu stopfen – stattdessen lohnt sich die Mühe, nach den treffenden Ausdrücken zu suchen.

Gesprochene und geschriebene Sprache lebt von den Verben. Werden diese gut gesetzt, lassen sie aufhorchen und interessieren Zuhörer oder Leser. Hilfsverben wie „sein“, „haben“, „werden“ & Co. verleihen einem Text etwas Lebloses und Langweiliges. Besonders Bilder beleben Ihre Sprache – allerdings ist bei metaphorischen Eigenschöpfungen darauf zu achten, dass die Bilder stimmen und keine unfreiwillige Komik erzeugen („Die Donau wälzt sich wie eine Königin in ihrem Bette“). Schauen Sie einmal in die Medien – täglich werden Stilblüten dieses Kalibers produziert und veröffentlicht.

Wenn Ihnen Sprache Spaß macht, gehören Sie wahrscheinlich zu den Leuten, die gern scherzen. Und Ihren eigenen Wortwitz kultivieren. Das kann sehr charmant und überaus unterhaltsam wirken – aber hier gilt eindeutig: Weniger ist mehr. Wer ständig Sprüche macht oder herumblödelt, wird nicht ernst genommen und überstrapaziert manchen Zuhörer. Viele Menschen sind außerdem geradezu allergisch gegen Ironie. Also, besonders im Kollegenkreis Vorsicht mit „Gags“ wie „Gibt es das auch eine Nummer größer?“ angesichts des neuen T-Shirts der Kollegin.

Wie Sie die richtigen Worte finden, um an Gefühle zu appellieren

Lesen Sie Wörter wie „verbleiben“, „durchführen“ oder „aufweisen“ gern, oder befällt Sie ein unwiderstehlicher Gähnzwang bei Formulierungen wie „Dieser Entwurf beinhaltet …“, „Ich erbitte eine zeitnahe Rückäußerung“? Ihre Aufmerksamkeit wird vermutlich rasch erlahmen, wenn jemand in diesem Stil zu Ihnen spricht oder wenn Sie ein Schriftstück durcharbeiten wollen, das in dieser sterilen Form abgefasst ist. Machen Sie es besser und unterscheiden Sie sich sprachlich beispielsweise von solchen Menschen, die pausenlos etwas sensibilisieren, tabuisieren oder instrumentalisieren – und damit signalisieren, dass sie am liebsten mit Leuten unter sich bleiben, die eine ähnliche Sprache sprechen.

Wörter mit „ieren“ am Ende sind emotionale Rohrkrepierer – ähnlich wie der Nominalstil („in Erwägung ziehen“) oder noch schlimmer als Passivkonstruktion („wird in Erwägung gezogen“). Lebendiger und spannender klingt es, wenn etwa die Verantwortlichen „mit dem Gedanken spielen“, „damit liebäugeln“ oder etwas einfach nur „überlegen“ oder „erwägen“.

Denken Sie daran, wie viel Macht die Wörter haben und welche Ausstrahlung sie besitzen. Sie existieren bereits alle, wollen nur richtig gewählt und eingesetzt werden. Sie öffnen Ihnen nicht nur manche Tür, sondern auch manches Herz. Der Sprach-Guru Wolf Schneider formuliert es folgendermaßen: “Wörter können fliegende Boten zu den Augen, zu den Ohren, zu den Hirnen oder zu den Herzen Ihrer Zuhörer sein. Flügel freilich müssen wir ihnen selber machen!”