Junge Frauen, die sich noch in der Berufsausbildung befinden und ungeplant schwanger werden, quälen häufig Zweifel, ob sie ihre Ausbildung mit der Schwangerschaft vereinbaren können. Auf der anderen Seite ist ein qualifizierter Berufsabschluss aber wichtig, um sich selbst und dem Kind anschließend eine ausreichende Perspektive bieten zu können.

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Die Entscheidung für oder gegen die Fortsetzung der Ausbildung in der Schwangerschaft muss zwar letztlich jede Frau selbst treffen, da sie ja immer auch von persönlichen Umständen abhängt (z. B. Unterstützung durch Partner und Familie); sie muss jedoch nicht an den Rahmenbedingungen scheitern. Denn auch für werdende Mütter in Ausbildung gelten insbesondere das Mutterschutzgesetz (MuSchG) und entsprechende staatliche Finanzhilfen, die die besondere Lage von Schwangeren berücksichtigen und versuchen, ihnen die Arbeit in dieser Zeit zu erleichtern.

Besonderer Kündigungsschutz während der Schwangerschaft

Schwangere genießen unter anderem einen gesonderten Kündigungsschutz: Nach § 9 MuSchG darf einer werdenden Mutter während der Zeit der Schwangerschaft und bis vier Monate nach der Geburt des Kindes nicht gekündigt werden (bzw. nur mit Ausnahmegenehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörde) – auch nicht in der Probezeit.

Besonderer Arbeits- und Gesundheitsschutz

Ebenfalls enthält das Mutterschutzgesetz eindeutige Bestimmung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz von werdenden Müttern: Nach § 8 MuSchG darf die tägliche Arbeitszeit von Schwangeren nur maximal 8,5 Stunden bzw. 90 Stunden pro Doppelwoche betragen (bei minderjährigen Schwangern maximal 8 Stunden bzw. 80 Stunden pro Doppelwoche). Daneben sind Nachtarbeit und Arbeit an Sonn- und Feiertagen bei Schwangeren verboten (mit Ausnahmereglungen für Gaststätten, Landwirtschaft und Künstlerinnen).

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Zudem ist der Arbeitgeber nach §§ 2 und 4 MuSchG verpflichtet, für individuelle Maßnahmen zum Gesundheitsschutz an Arbeitsplätzen von Schwangeren zu sorgen (z. B. Angebot ausreichender Ruhemöglichkeiten, ausgleichende Tätigkeiten bei einseitiger körperlicher Belastung, alternative Beschäftigungsmöglichkeiten).

Ist eine schwangere Auszubildende nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr in der Lage, ihre berufliche Tätigkeit auszuüben (z. B. Heben schwerer Lasten, Umgang mit Gefahrstoffen), kann ein Arzt auch ein teilweises bzw. vollständiges Beschäftigungsverbot attestieren (§ 5 MuSchG). Zu beachten ist in diesem Zusammenhang insbesondere, dass die Ausbildungsvergütung trotz eines Beschäftigungsverbots vom Arbeitgeber nicht gekürzt werden darf (§ 11 MuSchG).

Mutterschutzfristen vor und nach der Geburt

Eindeutige „Mutterschutzfristen“ setzt das Mutterschutzgesetz in den §§ 3 und 6: Danach darf eine werdende Mutter ab sechs Wochen vor dem Geburtstermin nur noch dann weiterarbeiten, wenn sie dies selbst wünscht. Nach der Geburt des Kindes besteht dagegen ein striktes Beschäftigungsverbot von 8 Wochen (bzw. 12 Wochen bei einer Mehrlings- oder Frühgeburt); bei Frühgeburten verlängert sich die nachgeburtliche Schutzfrist um die verkürzte vorgeburtliche Schutzfrist.

Speziell für schwangere Auszubildende ist wichtig, dass zwar während des Beschäftigungsverbots nicht gearbeitet werden darf, aber die Teilnahme an einer Ausbildungsprüfung durchaus gestattet ist.

Möglichkeit zur Verlängerung der Ausbildungszeit nach der Schwangerschaft

Nach § 8 BBiG (Berufsbildungsgesetz) bzw. § 27b HwO (Handwerksordnung) ist es möglich, eine Verlängerung der Ausbildungszeit bei der zuständigen Kammer zu beantragen. Dies kann durchaus sinnvoll bzw. notwendig sein, um beispielsweise eine in der Mutterschutzzeit verpasste Prüfung nachzuholen.

Finanzielle Unterstützung

Grundsätzlich steht schwangeren Auszubildenden während des Mutterschutzes Mutterschaftsgeld in Höhe der durchschnittlichen Nettoausbildungsvergütung der letzten drei Monate zu (§ 13 MuSchG). Dabei übernimmt die gesetzliche Krankenkasse auf Antrag bis zu 403 EUR pro Monat (bzw. bei Familien- und Privatversicherten das Bundesversicherungsamt maximal 210 EUR während des gesamten Mutterschutzes); der Differenzbetrag wird – falls vorhanden – von der Ausbildungsstätte gezahlt (§ 14 MuSchG).

Zudem werden Leistungen zur Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) auch während den Mutterschutzfristen weiter gezahlt – allerdings verringert um die ausbildungsbezogenen Leistungen (Fahrtkosten, Berufskleidung).

Schwangere mit geringem Einkommen haben eventuell nach § 23 SGB II (Zweites Sozialgesetzbuch) zusätzlich Anspruch auf „einmalige Leistungen“ (z. B. in Form von Pauschalbeträgen), die unter anderem auch für Umstandskleidung oder Babyausstattung gedacht sind und bei der Arbeitsagentur beantragt werden können.