Büromenschen haben eine kürzere Lebenserwartung, fanden amerikanische Forscher unlängst heraus. Dass zu langes Sitzen ungesund ist, wussten wir schon vorher, oder?

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Nun aber entwerfen die besagten Forscher aus Louisiana geradezu ein Horrorszenario, das zu denken geben sollte: Zu viel zu sitzen, ist lebensgefährlich – wer länger als drei Stunden täglich sitzt, kann früher tot sein. Im Umkehrschluss: Wer weniger als drei Stunden in Sitzposition verharrt, bleibt zwei Jahre länger am Leben. 17.000 Personen dienten als „Forschungsmaterial“ und wurden miteinander verglichen.

Außerdem werteten die Wissenschaftler des Pennington Biomedical Research Center eine Gesundheitsstudie aus, die in den gesamten USA betrieben worden war und sich damit beschäftigte, welchen Einfluss die mangelnde Bewegung auf Todesursachen aller Art haben kann. Sie kamen auch hier zum selben Ergebnis:

Langes Sitzen kann zu früherem Tod führen.

Dies betrifft Männer, die täglich länger als sechs Stunden bei der Arbeit sitzen: Ihre Sterberate liegt um 20 Prozent höher als die derjenigen, die nur bis zu drei Stunden pro Tag einer sitzenden Beschäftigung nachgehen. Bei Frauen sieht es noch düsterer aus: Hier beträgt der Unterschied sogar 40 Prozent.

Alarmierende Zahlen für Menschen im Büro

Etwa 80.000 Stunden seines Beruflebens verbringt ein Büromitarbeiter in Deutschland im Durchschnitt sitzend, häufig nicht einmal an einem ergonomisch ausgerichteten Arbeitsplatz. Pro Tag sitzt jeder Erwachsene durchschnittlich 11,5 Stunden, und bereits Grundschüler bringen es auf etwa neun Stunden täglich. Gesund ist das alles nicht.

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Und so nimmt es nicht Wunder, dass die Folge davon sogenannte Volkskrankheiten wie Rückenleiden sowie Erkrankungen von Muskeln und Skelett sind. Diese verursachen den größten Anteil an Fehltagen aufgrund von Krankheit. Das viele Sitzen verkürzt die Rückenmuskulatur und schwächt die Muskeln in Bauch, Beinen und Gesäß. Hinzu kommen die Belastungen für die Schulter- und Nackenpartie, und auch Bandscheiben und Gelenke haben erheblich zu leiden.

Damit nicht genug: Die im Unterleib befindlichen Organe, die für Verdauung und Stoffwechsel verantwortlich sind, verlangsamen ihre Tätigkeit. Dies zieht eine negative Wirkung auf den Stoffwechsel sowie auf das Immunsystem nach sich. Und auf das Gewicht wirkt sich das viele Sitzen ebenfalls aus. Denn schon wenige Stunden in sitzender Haltung reichen aus, um in den Blutgefäßen die Ausschüttung von LPL (Lipoproteinlipase) zu reduzieren. Dieses Enzym wird für die Fettverdauung benötig. Ein LPL-Mangel erhöht die Blutfettwerte, das wiederum führt langfristig zu Übergewicht und den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen.

Die Liste der Sitz-Erkrankungen geht noch weiter

Wer viel sitzt, geht das Risiko ein, dass seine Durchblutung eingeschränkt wird. Das bedeutet, er läuft Gefahr, an Herz-Kreislauf-Beschwerden zu erkranken. Ferner steigt auch das Thrombose-Risiko beträchtlich, weil das Sitzen die Blutzirkulation in den Beinen erschwert.

Alles dies sind schwerwiegende Folgen nicht nur für den Arbeitnehmer selbst, sondern sie belasten auch das Gesundheitssystem sowie die Unternehmen mit hohen Kosten. Es kommt häufig vor, dass Bürokräfte aufgrund eines Bandscheibenvorfalls über Wochen dem Job fernbleiben, und mancher erweist sich sogar als langfristig oder für immer berufsunfähig.

Es scheint sich um einen Teufelskreis zu handeln, denn zu langes Sitzen wirkt sich nicht nur körperlich lebensgefährlich aus, sondern auch psychisch: Dies ergab eine weitere Studie aus Spanien, der zufolge Arbeitnehmer, die mehr als 42 Stunden pro Woche im Sitzen verbrachten, ein um 31 Prozent erhöhtes Risiko für seelische Erkrankungen aufwiesen. Fehlende Bewegung macht müde und verhindert den Abbau von Stresshormonen. Der menschliche Körper ist bei Stress nämlich auf Bewegung gepolt. Bleibt diese aus, werden die Stresshormone ab einem bestimmten Grad nicht mehr gut kompensiert. Dadurch können psychische Leiden entstehen.

Kann es zu einem Bewusstseinswandel kommen?

Offenkundig setzt dieser nur sehr zögerlich ein. Denn in wenigen Unternehmen gibt es bisher ein betriebliches Gesundheits-Management oder ergonomische Beratungen. Auch Betriebssport und begleitende Fitnessprogramme sind noch nicht sehr weit verbreitet. Die Frage ist zudem, wie sich die immer mehr zunehmende Bildschirmarbeit, die nun einmal eine sitzende Tätigkeit ist, mit diesen Prognosen verträgt.

Sie können im Prinzip nur eigenverantwortlich handeln, indem Sie so viele Wege an Ihrem Arbeitsplatz einlegen wie möglich. Auch zwischendurch immer wieder aufstehen und Schultern und Arme ausschütteln, kann hilfreich sein. Tipps in dieser Richtung gibt es viele. Nur: Sind sie umsetzbar – z. B. in einem Großraumbüro mit 20 und mehr hochkonzentriert arbeitenden Kollegen? Probieren Sie es einfach aus, wenn Ihnen Ihre Gesundheit wichtig ist – motivieren Sie auch andere, es Ihnen gleichzutun.

Wie halten Sie sich fit?