Kaum haben sich die sozialen Netzwerke – auch unter dem werbewirksamen Begriff Social Media bekannt – in unserem Leben etabliert, kaum sind wir per iPhone, iPad und der gesamten internationalen Konkurrenz permanent online mit Freunden, Kollegen und Bekannten, da macht auch schon ein neues Schlagwort in den einschlägigen Medien des Landes auf sich aufmerksam.

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Social Media-Burnout lautet das Stichwort, und es ist unschwer zu erraten, was es damit auf sich hat. Die unkontrollierbare Flut von Online-Informationen auf allen verfügbaren Kanälen kann auf Dauer krank machen, so die Prognose. Das also hat es mit der Burnout-Gefahr auf sich – und wie kann man vorbeugen?

Selbst seriöse Medien warnen

Erst vor wenigen Monaten wirbelte ein regelrechter Sturm durch die seriösen Nachrichten- und Medizin-Portale des Landes. Social Media-Burnout lautete das neue Schlagwort, das plötzlich in aller Munde war. Überraschend war allerdings, dass selbst etablierte Medien wie n-tv und die ÄrzteZeitung plötzlich von einem Syndrom sprachen, das die Ausgaben der Krankenkassen zukünftig gravierend in die Höhe treiben könnte. Sollte das tatsächlich bedeuten, dass die so hochgelobten Social Media nicht nur Vorteile haben? Die Begründung ist jedenfalls zunächst einmal einleuchtend.

So berichtete n-tv.de davon, dass die ständige Versorgung der Menschen mit Informationen zu jeder Zeit zu Depressionen führen kann, die äußerst ernst zu nehmen sind. Da sind Statusmeldungen zu kommentieren, Tweets zu beantworten, Links zu teilen und Fotos erwarten ein „Like“. Ist man auf Facebook, Twitter und in anderen sozialen Netzwerken halbwegs aktiv, kann das zu einem tagesfüllenden Programm werden, schließlich wollen Friends und Followers regelmäßig auf dem neuesten Stand der Dinge gehalten werden. Sind dann noch Posts zu kommentieren, ist ein Erschöpfungssyndrom nicht weit: Der Social Media-Burnout droht. Dieser Einschätzung möchten sich sogar die großen Krankenkassen des Landes anschließen, war doch zum gleichen Zeitpunkt eine Stellungnahme der Techniker Krankenkasse (TK) zu vernehmen, die hier zukünftig deutlich höhere Behandlungskosten auf sich zukommen sieht. Und auch an der Ärztefront macht man sich Gedanken über die potenzielle Gefahr von Social Media, wie ein Blick in die ÄrzteZeitung verrät. So ist es dann auch nur verständlich, dass der gefürchtete Burnout zum Thema der letzten Social Media Week in Hamburg wurde, die im Frühjahr 2012 stattfand. Doch was versteht man eigentlich unter dem Social Media-Burnout?

Der Versuch einer Definition von Social Media-Burnout

Allein der Begriff Burnout ist in der medizinischen Praxis umstritten. Während die Gegner nicht müde werden zu behaupten, dass Burnout lediglich eine Modediagnose sei, die auf psychische Erkrankungen wie Depressionen zurückgehe, sehen die Befürworter das Syndrom als medizinisch und wissenschaftlich erforscht an. Danach wäre ein Burnout ein anhaltender Zustand von körperlicher, emotionaler oder geistiger Erschöpfung, der erstmals im Jahr 1974 von dem deutschen Psychoanalytiker Herbert Feudenberger beobachtet wurde. Freudenberger hatte die eindeutigen, aber vielfältigen Symptome bei professionellen Hilfskräften beobachtet, die in der Pflege und in der Medizin beschäftigt sind. Ärzte, Krankenschwester und Pfleger, aber auch Pädagogen sind demnach besonders häufig noch einem klassischen Burnout betroffen. Doch definiert man den Begriff als einen Zustand der chronischen Erschöpfung, lässt er sich sogar bei Rentnern, Studenten oder Hausfrauen beobachten. Die Ursachen der gefürchteten Erkrankung sind nämlich nahezu identisch:

Hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck, mangelnde Gestaltungsspielräume und fehlende Erholungsphasen sind die gravierenden Auslöser eines Burnouts.

Nimmt man familiäre Belastungen und die ständige Erreichbarkeit über alle Kanäle hinzu, können die Betroffenen kaum noch abschalten. Was bleibt, ist der schleichende Prozess des immer tieferen Abrutschens in den gefürchteten Burnout. Er äußert sich durch einen zwischen Erschöpfung und Anspannung und zwischen Unruhe und verminderter Leistungsfähigkeit schwankenden und wechselnden Zustand. Regelmäßig kommen körperliche Beschwerden wie Rücken- oder Kopfschmerzen hinzu, auch seelische Probleme sind an der Tagesordnung. So vielfältig ein Burnout also sein mag, so schwer ist es, ihn in Zahlen zu messen.

Ein Blick in die Statistik

So häufig man in den Medien oder am Arbeitsplatz von einer neuen Burnout-Erkrankung hört, so wenig verlässliche Zahlen zu Betroffenen gibt es. Schätzungen gehen davon aus, dass pro Jahr rund neun Millionen Betroffene auszumachen sind. Krankenkassen belegen allerdings eine Zunahme der Fehlzeiten durch psychische Krankheiten, und selbst die diagnostizierte Berufsunfähigkeit aufgrund von psychischen Problemen ist attestiert. So weist beispielsweise das Online-Portal Statista.de einen Zugang der Renten wegen verminderter Erwerbsunfähigkeit durch psychische Erkrankungen aus.

Zieht man allerdings den Zusammenhang zu Social Media, wird eine quantitative Beurteilung des Themas noch deutlich schwieriger. Zum einen weist Statista.de darauf hin, dass das Jahr 2012 durchaus eine Herausforderung für die deutschen sozialen Netzwerke war. Als stabil hinsichtlich der Nutzerzahlen erwies sich lediglich das Netzwerk XING, welches sich im beruflichen Umfeld orientiert. Die VZ-Netzwerke hatten noch im Januar 74,1 Millionen Visits zu vermelden, im Dezember machten Schüler VZ, Studie VZ und Mein VZ nur noch 23,1 Millionen Visits aus. Ebenso deutliche Verluste musste Wer-kennt-wen einstecken, wobei sich das Netzwerk im zweiten Halbjahr 2011 stabilisierte. Auch StayFriends zeigte sich in 2012 als einer der Verlierer.

Zahlen zu Burnout-Erkrankungen, die auf eine extensive Nutzung von Social Media zurückgehen, gibt es derzeit noch nicht. Zieht man allerdings in Betracht, wer zu den besonders gefährdeten Nutzergruppen gehört, ist die Besorgnis von Krankenkassen und Medien verständlich.

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Extensive Nutzer sind gefährdet

Sie haben einen ganz eigenen Namen, die extensiven Nutzer der Netzwerke: Digital Natives ist der ebenso treffende wie etablierte Begriff der jungen Internetnutzer. Sie sind es gewohnt, zu jeder Zeit erreichbar zu sein, sind sie doch permanent in den unterschiedlichsten Social Media unterwegs. Die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmt hier immer mehr, die permanente Überflutung mit Informationen unter ständigem Zeitdruck sorgt für zusätzliche Probleme. Ein geringer Handlungsspielraum bei der eigenen Arbeit sowie mangelnde Kontrolle kommen hinzu und machen am Ende den totalen Erschöpfungszustand aus, den gefürchteten Burnout, der in diesem Fall maßgeblich durch die extensive Nutzung der Social Media beeinflusst wurde.

Was bleibt, ist das sichere Gefühl einer potenziellen Bedrohung durch die permanente Anwesenheit von Social Media in unserem Leben. Doch gleichzeitig bleibt ein ebenso sicheres Gefühl, dass es in der Eigenverantwortung des Einzelnen liegt, sich vor einem Burnout durch Social Media zu schützen. Dazu gibt es einige sehr wirksame Strategien, die zum Teil auch von dem Arbeitgeber als Präventionsmaßnahme umgesetzt werden können und müssen. Im Mittelpunkt steht dabei der Ansatz, dass der Eigenverantwortung eine ganz gravierende Bedeutung zukommt. Denn letztlich ist man selbst dafür verantwortlich, wie extensiv man sich in den sozialen Netzwerken austoben möchte.

Eigenverantwortung ist angesagt

Individuelle Strategien sind von großer Bedeutung, wenn es darum geht, der Informationsflut aus den Social Media zu begegnen. Letztlich geht es darum, genügend Zeit zum Abschalten zu finden. So kann man E-Mail, Twitter, Skype und Co. für einige Stunden am Tag ausschalten. Beim Recherchieren im Internet helfen die bekannten Suchmaschinen oder Wikipedia schnell und zielgerichtet weiter und sind als Startseite hervorragend geeignet. Die großen Nachrichten-Portale sorgen dagegen für Ablenkung, haben sie doch so viele scheinbar wichtige Informationen zu bieten. Konzepte und kreative Ideen lassen sich mit Papier und Bleistift hervorragend erledigen, der Rechner kann durchaus einmal ausgeschaltet bleiben. Die Trennung von beruflichen und privaten Mobiltelefonen hilft dabei, auch einmal nicht erreichbar zu sein. Und schließlich tut auch Bewegung an der frischen Luft sehr gut, denn sie versorgt das Gehirn mit Sauerstoff und sorgt von ganz allein für gute Laune, die sonst Freunde und Bekannte in den Social Media bringen sollen. So bleibt am Ende das gute Gefühl, einem Social Media-Burnout durchaus vorbeugen zu können, wenn man sich von der drohenden Informationsflut nicht mehr beeindrucken lässt.

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10 Kommentare

  1. Eliza's Hawkeye via Facebook

    Selber schuld >.<

  2. Gudrun Gollasch via Facebook

    so ein QUATSCH, sondern der Stress im Job macht krank….

  3. Martina Eschweiler via Facebook

    Arbeit macht auch krank und Tztztz

  4. Sela Erdoan via Facebook

    Das wäre nicht auszuschließen 😀

  5. Rene Gimbel via Facebook

    Macht nicht irgent wie alles krank ? Wenn man es so eng sieht darfst du nix mehr essen nur noch wasser trinken ( Aber nicht jedes ) und jetzt auch nicht mehr arbeiten. Erklär das mal der Argentur für Arbeit. In disem sinne Harz 4 wir kommen.

  6. MarcB

    Wer täglich X Stunden bei Facebook rumsurft und sich die sinnlosen Statusmeldung anschaut, ist schon krank. 90% der Sachen dort sind einfach sinnfrei. Ich denke, dass gerade Menschen mit einem geringen Bildungsstand dort vermehrt aktiv sind und sich mit einfachen Sachen berieseln lassen. Das ist genauso wie bei einigen TV Sendern mit ihren Hartz IV Sendungen zum Nachmittag. Flacher geht es nicht mehr.

  7. Schon Peter Lustig sagte vor über 30 Jahren am Ende der ZDF Kindersendung Löwenzahn: “Und jetzt abschalten…”

  8. Barbara Weber

    Richtig genutzt, schafft es Netzwerke und gute Momente. Es muß nicht immer alles Sinn machen, Manchmal einfach nur Freude.

  9. Corinne Dahlhaus

    ..Vernünftiger ..Umgang..mit ..facebook..und ..co..ist..okay;Corinne

  10. Wie mit (fast) allem im Leben:

    Das richtige Maß entscheidet. Sobald man nicht mehr mit vollem Bewusstsein abschalten kann, wird es krankhaft (Sucht).

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