Wohin man auch schaut, sie sind überall. Eine Chance, ihnen zu entkommen? Gibt es nicht, dafür sind es einfach zu viele. Keine Angst, in diesem Beitrag geht es nicht um die unheimliche Bedrohung einer Insekten-Invasion, sondern um Startups – jene trendigen Unternehmen, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen und um die kein Karriere-Blog und kein Wirtschaftsmagazin herum kommt. Aber: Wann spricht man im Falle einer Neugründung überhaupt von einem Startup? Hat jedes Unternehmen das Potential, ein solches zu werden? Wir wollen diese Fragen im folgenden Beitrag für Sie beantworten.

1. Definition: Startups und ihre Merkmale
2. Kategorisierung verschiedener Startup-Typen
3. Existenzgründung für jedermann
4. Exkurs: Was ist Crowdfunding?
5. Skalierbares Geschäftsmodell und detaillierter Businessplan
6. Die deutsche Startup-Szene
7. Einmal Startup, immer Startup?
8. Startups: Ein Erfolgsgarant?

Definition: Startups und ihre Merkmale

Selbstverständlich ist nicht jedes Unternehmen automatisch ein Startup. Oder würde es Ihnen in den Sinn kommen, einen traditionellen Handwerksbetrieb, den neuen Friseur in Ihrer Straße oder eine Anwaltskanzlei als solches zu bezeichnen? Natürlich nicht.

Auch wenn die Bezeichnung „Startup“ zunehmend inflationär verwendet wird, bezieht sie sich doch nur auf eine verhältnismäßig kleine, durch Merkmale klar definierte Gruppe von Unternehmen. Gründer, die zu diesem „elitären Kreis“ gehören wollen, müssen mit ihrer Geschäftsidee die folgenden Kriterien erfüllen:

  • Die Idee beziehungsweise das Geschäft befindet sich (noch) in der Frühphase der Entwicklung
  • Die Idee zeichnet sich durch ein hohes Maß an Innovation aus und ist darauf spezialisiert, ein bestehendes Problem zu lösen
  • Das Unternehmen weist ein starkes Wachstumspotential auf

Anhand dieser drei Merkmale kann sehr gut verdeutlicht werden, wodurch sich ein „echtes“ Startup auszeichnet. Es handelt sich hierbei um ein noch junges, nicht vollständig entwickeltes Unternehmen, dass durch seine innovative, oftmals neuartige und/oder zukunftsweisende Geschäftsidee aus der Masse hervorsticht. Die „Unvollkommenheit“ des Unternehmens führt dazu, dass noch (sehr) viel Luft nach oben ist. Startups zielen darauf ab, in möglichst kurzer Zeit möglichst stark zu wachsen. Das steigert nicht nur den Marktwert im Allgemeinen, sondern ruft auch Kauf-Interessenten und Investoren auf den Plan. Es ist nämlich keine Seltenheit, dass ein Startup nur gegründet wird, um danach (für viel Geld) verkauft zu werden. Sogenannte Serial Entrepreneurs (Serien-Unternehmer) haben sich sogar darauf spezialisiert, Startups am laufenden Band zu gründen und wieder zu verkaufen.

Kategorisierung verschiedener Startup-Typen

Schaut man sich das Angebot der Startups in Deutschland einmal genauer an, so kann schnell festgehalten werden, dass es möglich ist, die vielen verschiedenen Unternehmen in Kategorien einzuteilen. Startup-Typen, die derzeit besonders häufig auf sich aufmerksam machen, sind:

  • FinTech-Startups (also Unternehmen im Bereich Finanzen und Technologie)
  • eCommerce-Startups (sprich: Online-Shops)
  • Green Startups (dazu weiter unten mehr)
  • Food-Startups (zum Beispiel Kochboxen, Lieferdienste, spezielle Gerichte usw.)

Existenzgründung für jedermann

Ergänzend zu den drei oben genannten Merkmalen eines Startups kann weiterhin gesagt werden, dass die Unternehmen häufig mit einem geringen finanziellen Startkapital gegründet werden. „Häufig“ bedeutet allerdings, dass dies kein allgemeingültiges Merkmal für Startups ist.
Die niedrige finanzielle Hürde (die beispielsweise auch durch die Möglichkeiten des digitalen Arbeitens begünstigt wird) ist einer der Gründe, weshalb die Startup-Szene seit einigen Jahren boomt. Die Existenzgründung ist plötzlich für „jedermann“ möglich. Wenn das Projekt doch etwas mehr Geld als anfangs erwartet benötigt und/oder Banken keinen Kredit geben wollen, gibt es beispielsweise die moderne Finanzierungsmöglichkeit des Crowdfundings. Die Schwarmfinanzierung trägt zusätzlich dazu bei, dass bestimmte Startups besonders viel Aufmerksamkeit durch die breite Öffentlichkeit erfährt.

Exkurs: Was ist Crowdfunding?

Beim Crowdfunding geht es darum, online eine Kampagne zu starten und mithilfe einer Plattform Spenden zu sammeln. Diese kommen von teils völlig fremden Menschen, die im Gegenzug entweder ein „Dankeschön“ oder auch ein kleines Geschenk erhalten. Wie viel ein Unterstützer spendet, ist ihm überlassen. Startups können den Erfolg ihrer Crowdfunding-Kampagne positiv beeinflussen, indem sie die Werbetrommel kräftig rühren und immer wieder darauf hinweisen, dass auch Kleinstbeträge einen großen Teil leisten. Denn beim Crowdfunding gilt das Prinzip: Alles oder nichts. Wenn das im Vorfeld festgelegte Spendenziel nicht erreicht wird, werden die Geldsummen an die Unterstützer zurückgezahlt, das Startup (oder der Verein, die Musiker, die Initiative, das Kunstprojekt usw.) geht leer aus.

Crowdfundings eignen sich vor allem dann, wenn Investoren wenig Interesse haben und Banken eine Kreditvergabe zu heikel finden. Das ist beispielsweise sehr oft bei den sogenannten „green Startups“ der Fall. Diese arbeiten in der Regel nachhaltige Geschäftsideen aus, die sich auf Umweltschutz verstehen. Hiermit eine alteingesessene Bank zu überzeugen, kann sich als ziemlich schwierig erweisen.

Skalierbares Geschäftsmodell und detaillierter Businessplan

Startup-Gründer werden oftmals als „die jungen Wilden“ oder ähnlich bezeichnet. Die Szene gilt als unkonventionell, frisch und (etwas überspitzt formuliert) jugendlich. Dieser Ruf führt dazu, dass zahlreiche Menschen denken, es würde hier wenig reglementiert zugehen. Das ist jedoch schlicht und ergreifend falsch. Egal ob traditionelle Firma oder innovatives Startup – ein Unternehmen, das beispielsweise auf der Suche nach Investoren ist oder einen Gründerzuschuss beantragen möchte, benötigt auf jeden Fall

  • ein skalierbares Geschäftsmodell
  • einen umfassenden Businessplan

Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass die Gründung von einem Startup keinesfalls ein Spaziergang ist, sondern viel Vorbereitung und auch Know How erfordert.

Die deutsche Startup-Szene

Dass Startups von vollbärtigen Karohemd-Trägern mit Nerd-Brille gegründet werden, ist zweifelsfrei ein Klischee – aber dennoch nicht ausgeschlossen. Startups gelten als cool, zeitgemäß und sexy und sprechen damit auch vermehrt junge Leute an. Hinzukommt, dass es sich auch durchgesetzt hat, ein Startup neben dem Beruf zu gründen. Die zusätzliche Einnahmequelle wird als kreativer Gegenpol zum 9 to 5-Job verstanden und wirkt daher überaus attraktiv. Keine Frage, wer ein Startup gründet, kurbelt nicht nur seine Karriere an, sondern verwirklicht sich damit auch ein Stück weit selbst. Dieser persönliche Spirit ist längst auf die gesamte Szene übergegangen.

Deren unangefochtenes Zentrum befindet sich in der Bundeshauptstadt Berlin. In keiner anderen Stadt Deutschlands gibt es so viele – und so viele verschiedene – Startups wie hier. Berlin ist nicht nur der perfekte Nährboden für junge Unternehmen, die Fuß fassen wollen, sondern auch die Keimzelle für neue, innovative Ideen. Weitere Ballungsgebiete der deutschen Startup-Szene sind darüber hinaus

  • Düsseldorf
  • Köln
  • München
  • Hamburg
  • Leipzig

Einmal Startup, immer Startup?

Was ein Unternehmen mitbringen muss, um als Startup betitelt zu werden, wissen wir nun. Doch reicht diese einmalige Kategorisierung aus, um für immer unter dem „Label Startup“ aufgeführt zu werden? Nein, denn in der Tat handelt es sich bei der Startup-Phase eines Unternehmens lediglich um den Einstieg ins Business. Ist dieser erst einmal geschafft, kann man (versinnbildlicht) vom Erwachsenwerden des Unternehmens sprechen. Wenn die Firma in die Wachstumsphase übergeht, kommt es immer seltener vor, dass sie als Startup bezeichnet wird. Dennoch kann es passieren, dass das Image des einzigen Startups noch lange haften bleibt – was wiederum nicht negativ bewertet werden sollte.

Startups: Ein Erfolgsgarant?

Das Internet und die traditionellen Medien sind voll mit Erfolgsgeschichten junger Startup-Gründer, die es geschafft haben, „the next big thing“ auf den Markt zu bringen. Storys wie diese beflügeln natürlich Nachahmer, ihr Glück auch einmal zu versuchen und sich auf das glatte Eis der Unternehmensgründung zu wagen. An dieser Stelle sei jedoch noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Gründen von einem Startup kein Zuckerschlecken ist – auch wenn es von außen vielleicht manchmal so aussieht. Gerade in der Frühphase eines Unternehmens lauern an jeder Ecke Komplikationen und unerwartete Hürden. Hinzu kommt die Unerfahrenheit, die viele Gründer an den Tag legen.

Natürlich ist die Verlockung groß, mit einem genialen Einfall und/oder einem Herzensprojekt Geld zu verdienen – und sicher gelingt es manchen Menschen auch im Einzelfall. Die Startup-Szene generell zu glorifizieren ist jedoch ein Fehler. Fakt ist nämlich, dass die große Mehrheit der Unternehmen schon in der Frühphase scheitert und das angestrebte schnelle Wachstum gar nicht erst stattfindet.

Zu den größten Fallstricken in der Startup-Phase gehören:

  • Unterschätzung des Aufwandes
  • Mangelnde Nachfrage von Seiten der Kunden
  • Falsche Kalkulation (Erlöschen der finanziellen Mittel)
  • Unstimmigkeiten im Team

Die Welt der Startups wirkt verlockend. Sie verspricht den schnellen Erfolg, berufliche Verwirklichung und einen riesigen Karriere-Sprung. Leider entspricht dieses Bild nicht immer der Realität. Wer ein Startup gründen will, muss sich auf viele Hürden einstellen. Nur die wenigsten erreichen am Ende ihr Ziel.

Wie ist Ihre Meinung zum weiterhin anhaltenden Startup-Trend? Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Thema? Wir freuen uns über einen Kommentar von Ihnen.

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