Es kursieren zahllose Ratgeber und Hinweise darüber, wie sich ein Bewerber bei einem Vorstellungsgespräch zu verhalten hat. Manche Tipps sind durchaus zu beherzigen, dennoch sollte sich niemand abverlangen, hundertprozentig perfekt aufzutreten – denn nach Ansicht von Experten geht dies zu Lasten der Authentizität.

Wer unbedingt alles richtig machen will, verkrampft sich leicht und verhindert, dass sich der potenzielle neue Chef oder Personalleiter ein realistisches Bild von der Persönlichkeit und dem Können des Bewerbers verschaffen kann.

Wie ein Bewerber einen sehr guten Eindruck hinterlässt

Die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ist zunächst einmal ein Etappensieg, denn sie bringt zum Ausdruck, dass die schriftliche Bewerbung auf Interesse gestoßen ist. Auf das persönliche Gespräch sollte sich der Bewerber gründlich vorbereiten. Es geht dabei nicht nur darum, die eigenen Fähigkeiten und die Leistungsbereitschaft ins rechte Licht zu rücken, sondern auch als Person überzeugend und vertrauenswürdig aufzutreten. Der Charakter des Mitarbeiters in spe ist den meisten Arbeitgebern wichtig, denn dieser entscheidet mit darüber, ob jemand z. B. teamfähig und belastbar ist. Ein gewandtes Auftreten spielt eine wichtige Rolle, aber auch auf die Kleidung und auf die Körpersprache wird geachtet. Erfahrene Personalleiter beobachten von der ersten bis zur letzten Minute genau – beispielsweise ob der Bewerber im Augenkontakt bleibt, wie er sich ausdrückt, ob seine Stimmlage Unsicherheit oder Selbstbewusstsein verrät und vieles mehr. Sie erkennen daran auch, wie ernst die Bewerbung gemeint ist.

Bewerbungsgespräche lassen sich üben

Ein Vorstellungstermin kommt einer Prüfung gleich und erfordert eine entsprechende Vorbereitung. Mit einem Rollenspiel im Freundes- oder Familienkreis kann es geübt werden. Mit etwas Training lässt es sich auch vermeiden, dass sich der Bewerber auf Ratgeber-Antworten beschränkt, die sein Gegenüber sofort durchschaut. Wissen sollte jeder, der sich dem Frage- und Antwort-Spiel eines Bewerbungsgespräches stellt, dass drei Fragen auf jeden Fall kommen werden:

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  • Welche Motivation bringen Sie mit?
  • Warum sollten wir Sie Ihrer Meinung nach einstellen?
  • Wer sind Sie, und mit wem bekommen wir es zu tun?

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Es ist also ratsam, sich vorher gut über die Firma und deren Unternehmenskultur zu informieren. Je besser der Bewerber im Bilde ist, desto glaubwürdiger wirkt seine Absichtserklärung, hier und nirgendwo anders arbeiten zu wollen. Er sollte aber nicht mit seinen Kenntnissen auftrumpfen, sondern sie dezent und pointiert einfließen lassen.

Die Antwort auf zweite Frage lässt sich anhand der eingereichten Bewerbungsunterlagen vertiefen. Ausbildung, Berufserfahrung, Know-how, Fortbildung – es sprechen meist verschiedene Einzelpunkte für die Qualifikation des Bewerbers. Die meisten Unternehmen sind interessiert an Mitarbeitern in spe, die signalisieren, dass sie Verantwortung im Job übernehmen möchten und sich Aufstiegschancen erhoffen.

Nicht jeder mag es, aber einige Fragen zur eigenen Persönlichkeit – zum Familienstand und Wohnort beispielsweise – und vor allem zu den individuellen Stärken und Schwächen muss sich jeder Bewerber gefallen lassen. Damit er bei diesem “Quiz” keine Schnitzer macht, ist ebenfalls eine fundierte Vorbereitung anzuraten.

Konkrete Tipps fürs Bewerbungsgespräch

Ein äußerlich perfekter Bewerber erscheint gut gekleidet zum Vorstellungsgespräch, eher schlicht und edel als overdressed. Je nach Art des Jobs trägt ein männlicher Bewerber Jackett und Krawatte oder nicht zu lässige Freizeitkleidung, auf keinen Fall Sandalen. Bewerberinnen tragen Rock oder Hosen mit Jacke, entscheidend ist, worin sie sich am wohlsten fühlen. Beim Händedruck sollte der Gesprächspartner offen angesehen werden, denn es ist ganz normal, dass sich auch der Bewerber ein Bild machen möchte von seinem Gegenüber.

Er sollte abwarten, bis ihm ein Platz angeboten wird, und auch einen Kaffee nicht ausschlagen, um einen bescheidenen Eindruck zu machen. Wer die Einladung zu einem Getränk annimmt, zeigt, dass er sich auf ein längeres Gespräch eingestellt hat und dokumentiert damit Selbstbewusstsein. Selbst Fragen zu stellen, ist erlaubt: Interessierte Bewerber kommen gut an, wenn sich die Fragen auf rein fachliche Dinge beziehen.

Grundsätzlich sollte sich jemand, der sich um einen Posten bewirbt, auch sprachlich an gewisse Regeln halten: sachlich und freundlich, gern auch humorvoll, aber möglichst nicht in Dialekt oder Jugendsprache verfallen.

Kraftausdrücke sind nicht angebracht, ebenso wenig Anekdoten aus dem bisherigen Betrieb.

Das eigene Licht sollte nicht unter den Scheffel gestellt werden, und kleine Schwächen dürfen zugegeben werden. Allerdings ist hier Vorsicht geboten:

Der Bewerber sollte sich nicht als liebenswürdiger Individualchaot verkaufen, sondern lieber dezent darauf hinweisen, dass er das Zeug zum Perfektionisten hat.

Das hören Personalexperten oder Arbeitgeber wesentlich lieber.

6 Kommentare

  1. Man wird nie der perfekte Bewerber sein, denn zu perfekt kommt auch nicht gut an. Wir raten: Immer authentisch bleiben, auch mal einen Fehler machen – Das ist deutlich sympathischer & menschlicher!

  2. Das Problem ist aber leider, dass man kaum eine Möglichkeit für ein “persönliches” Vorstellungsgespräch bekommt. Chiffre Anzeigen sind anonym und bei wirklich seriösen Anzeigen ist man dann Eine von 1…….00000. Ich habe in den letzten 12 Monaten Erfahrungen gesammelt, die wirklich nicht angenehm waren und dabei möchte ich meine Erfahrungen doch einfach nur verwenden und in einem netten Team “mit”arbeiten. Seit 2009 ist der Wurm drin und ich bin sehr traurig darüber. Ich habe einen Job, aber ich bin nicht wirklich glücklich damit, mein Wissen ist nicht gefragt. Ich bin doch erst 45 und finde schon, dass Arbeit auch Spass machen sollte.

  3. Wie wahr! Und Authentizität ist wohl einer der wichtigsten Faktoren. Charakter punktet noch immer am besten 😉

  4. Quirin White

    Ich arbeite selbst im Recruiting, führe viele Vorstellungsgespräche – Leute: kloppt diese Ratgeber in die Tonne! Wenn jemand den Job nur deswegen bekommt, weil sich verstellt, verliert er diesen Job schneller, als er ihn antrat. NIEMAND!! kann ständig eine Farce aufrecht erhalten! Seid wie ihr seid! Wenn ihr deswegen einen Job nicht bekommt, dann war’s nicht der Richtige für euch!

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