Wenn Sie eine Lehrstelle gefunden und einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, sollten Sie einige Gesetze kennen, die für Sie wichtig werden könnten – auch im Hinblick darauf, ob sie über das Ende der Ausbildung hinaus Gültigkeit haben.

Sie können nur dann Ihre Rechte effektiv durchsetzen, wenn Sie die Gesetzeslage kennen. Dazu gehören die Vorschriften, die für alle Arbeitnehmer gelten, wie auch die Spezialvorschriften für jugendliche Azubis. Es lohnt sich also, als Auszubildender ein paar Paragrafen zu lesen.

Berufsbildungsgesetz

Das BBiG, das die Berufsausbildung allgemein regelt, ist die wichtigste Rechtsgrundlage für Auszubildende. Es beinhaltet Vorschriften über das Ausbildungsverhältnis, die Voraussetzungen des Ausbildungsvertrages sowie die Pflichten von Azubi und Ausbilder.

Diese Pflichten umfassen auch Verhaltensregelungen, die der Auszubildende beachten muss. Der Lohnanspruch, die Beendigung des Ausbildungsverhältnisses (Kündigung) und die Voraussetzungen, die ein Ausbildungsbetrieb erfüllen muss, damit er überhaupt Lehrlinge ausbilden kann, sind hier ebenfalls geregelt. Den Ablauf der Prüfungen und den Anspruch auf ein Zeugnis finden Sie außerdem im BBiG.

Jugendarbeitsschutzgesetz

Das JArbSchG stellt ein Gesetz dar, das extra für den jugendlichen Beschäftigten spezielle Schutzvorschriften enthält. Es findet für alle diejenigen Anwendung, die noch minderjährig sind. Die Regelungen spielen vor allem bei der Dauer der Arbeitszeit (regelmäßig nicht mehr als acht Stunden tägliche Arbeit) und beim Urlaub eine Rolle.

Dem Jugendlichen unter 18 Jahren stehen beispielsweise je nach Alter zwischen 25 und 30 Werktage Urlaub zu. Kinder unter 15 Jahren unterliegen einem Beschäftigungsverbot. Auch bestimmte gefährliche Arbeiten dürfen Jugendliche nicht ausführen. Zu beachten ist ferner, dass der Gesetzgeber von diesen Regelungen unter bestimmten Voraussetzungen aber Ausnahmen zulässt. Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, dieses Gesetz in seinem Betrieb zur Einsicht auszulegen oder gut zugänglich auszuhängen.

Arbeitszeitgesetz

Das ArbZG regelt unter anderem die maximale Arbeitszeit für volljährige Arbeitnehmer und Auszubildende sowie die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen.

Bundesurlaubsgesetz

Im BUrlG ist festgelegt, wie es um die Ansprüche auf Erholungsurlaub für alle Beschäftigten bestellt ist.

Entgeltfortzahlungsgesetz

Das EFZG regelt die Ansprüche aller Beschäftigten einschließlich der Auszubildenden im Krankheitsfall. Es legt fest, wann Sie sich krankmelden müssen und wie lange die Vergütung bei einer Erkrankung weitergezahlt wird.

Ausbildungsverordnung

Eine Ausbildungsverordnung gibt es zu jedem anerkannten Beruf. Sie legt genau fest, welche Inhalte wann in der Ausbildung vermittelt werden müssen. Außerdem gibt sie die Prüfungsordnung vor. Hier können Azubis für jeden Beruf die Prüfungsinhalte nachlesen.

Tarifverträge

Bei den Tarifverträgen handelt es sich nicht um Gesetze, sondern um Verträge, die zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelt werden. Wenn es zu einer Einigung kommt, wird ein TV für eine Branche oder einen Betrieb abgeschlossen. In so einem TV können zum Beispiel der Urlaub, die Arbeitszeit und die Ausbildungsvergütung unter Umständen abweichend von den gesetzlichen Regelungen vereinbart sein.

Ausbildungsvertrag

Zwischen dem Ausbilder und einem Auszubildenden wird jeweils ein individueller Vertrag abgeschlossen. Bei Minderjährigen müssen die Erziehungsberechtigten diesem Vertrag zustimmen. Im Ausbildungsvertrag finden sich die wichtigsten bereits erwähnten gesetzlichen Regelungen, Ansprüche und Pflichten wieder. Er ist somit Ihre vorrangige Rechtsgrundlage bei Streitigkeiten über Rechte und Pflichten in der Ausbildung.

Auch über Ihr Ausbildungsende hinaus finden viele von den angesprochenen Regelungen Anwendung. Lediglich die besonderen Schutzvorschriften, die nur für minderjährige Beschäftigte gelten, greifen natürlich nur dann, solange Sie das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Aber auch für die volljährigen Beschäftigten kennt das Arbeitsrecht viele Schutzvorschriften!

Zusatzinfo: Es lohnt sich, das Augenmerk gerade auf den Arbeitsschutz zu legen. Denn in diesem Bereich gibt es seitens mancher Betriebe diverse Versäumnisse. Gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Atemwegsprobleme oder Muskelverspannungen – es hängt ganz vom Arbeitsplatz ab -, ein erhöhtes Unfallrisiko und verschiedene andere Gefahren lassen sich vermeiden, wenn die entsprechenden Vorgaben vorschriftsmäßig erfüllt werden. Schließlich wollen Sie gesund ins Berufleben starten!

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