Die Absage eines Unternehmens kann für einen Bewerber niederschmetternd sein, vor allem wenn die Aktien gut für ihn standen: Anforderungsprofil perfekt erfüllt, Assessment Center hinter sich gebracht, Einladung zum Vorstellungsgespräch – die Chemie schien zu stimmen, ein optimistisches Grundgefühl machte sich breit.

Doch kurz darauf kommt die Bewerbungsmappe zurück mit einem Schreiben, das aus Textbausteinen besteht und den hoffnungsvollen Aspiranten ratlos sich selbst überlässt. Dazu sollte man wissen, dass viele Firmen ihre Absagen sehr allgemein formulieren, um sich rechtlich nicht angreifbar zu machen, z. B. wegen Diskriminierungsvorwürfen von Bewerbern.

Bewerbungsabsagen verarbeiten

Falls ein Bewerber einen abschlägigen Bescheid aufgrund einer Initiativbewerbung erhält, lässt sich die schlechte Nachricht bestimmt besser wegstecken als bei der Absage eines Vertrages, für den bereits entscheidende Hürden im Bewerbungs-Parcours genommen wurden. Absagen sind ein ganz normaler Vorgang im Business und sollten nicht persönlich genommen werden? Nur wenige Menschen auf Jobsuche sind so gelassen, dass eine Absage sie nicht wurmt.

Erste Reaktion auf “unerwünschte Post”: durchatmen, mit jemandem reden, spazierengehen. Wer in Schockstarre verharrt, schluckt die Enttäuschung nicht runter und kann sie nicht verdauen. Danach setzt eine meist mehrtägige Phase der Selbstkritik und des Grübelns ein: Was habe ich nur falsch gemacht? Meine Bewerbungsmappe ist doch top. Aufs Assessment Center war ich gut vorbereitet. Mit der Personalchefin hatte ich auf Anhieb einen Draht. Wer hat mich bloß ausgebootet? Bin ich vielleicht ein Opfer der Frauenquote? Manche Fragen sind müßig, wenn der erhoffte Job futsch ist, andere jedoch führen weiter.

Nochmals die Bewerbungsunterlagen zu checken, kann von Vorteil sein, vor allem im Hinblick auf das Foto – es sollte seriös, aber nicht steif wirken. Das persönliche Gespräch noch einmal Revue passieren zu lassen, ist ratsam. Habe ich eine typische Fangfrage überhört, oder habe ich an anderer Stelle undiplomatisch reagiert? Habe ich meine Belastbarkeit so stark betont, dass ich unglaubwürdig wirkte? Misstraute die Personalchefin meiner sozialen Kompetenz, weil ich meine Abneigung gegen Großraumbüros erwähnte?

Gründe für Bewerbungsabsagen

Auch Bewerbern, die sich gut über ihren potenziellen Arbeitgeber informiert und sich sorgfältig vorbereitet haben, unterlaufen Schnitzer. Nicht jeder muss zu einer Absage führen, denn perfekte Bewerber erregen eher Misstrauen als solche, die authentisch wirken.

Der wahre Grund für eine Absage bleibt häufig das Geheimnis des Unternehmens, sodass auch die vielfach empfohlene Nachfrage, warum man nicht genommen wurde, oft grundsätzlich nicht beantwortet wird.

Häufig hängen die Gründe für eine Absage von Details ab, die etwas mit subjektiver Wahrnehmung zu tun haben. Oder auf der Meta-Ebene fallen Worte, die den Bewerber als ungeeignet für eine Führungsposition erscheinen lassen. Dann fällt die Wahl zugunsten eines anderen Bewerbers aus.

Es kann auch vorkommen, dass sich der Bewerber in der Endausscheidung mit einem einzigen Konkurrenten befindet, der schließlich genommen wird. Bei gleicher Qualifikation und Berufserfahrung sind vielleicht der private Standort oder andere Dinge der ausschlaggebende Punkt für eine Absage.

Was also lernen wir aus Absagen?

1. Absage nach schriftlicher Bewerbung

Es kann sein, dass wir das Anforderungsprofil nicht gründlich genug gelesen oder unsere Bewerbung nicht gut genug darauf abgestimmt haben. Vielleicht hatte auch unsere Bewerbungsmappe zu wenig Kontur, war unser Anschreiben zu allgemein gehalten oder sogar fehlerhaft.

2. Absage nach Assessment Center

Hier lohnt sich häufig das Nachhaken. Denn die externen Mitglieder des Gremiums sind oft auskunftsbereiter als das Unternehmen selbst. Feedback einzufordern, wirkt mutig und selbstbewusst. Dies können wir tun, indem wir um Rat bitten, wie wir es besser machen können. Dementsprechend bereiten wir uns das nächste Mal vor.

Sollte sich ein Personalleiter bereit erklären, die Gründe für die Nichteinstellung zu erläutern (das kommt vor!), lassen wir uns nicht dazu hinreißen, uns zu rechtfertigen. Wir hören gut zu und bedanken uns. Und entscheiden selbst, was wir aus dem Gehörten lernen wollen.

Fazit: Absagen nicht verdrängen, sondern weitermachen. Je besser ein Bewerber wird, desto kompetenter wuppt er irgendwann den Job, der sich ihm bietet.

7 Kommentare

  1. Rüüüüüüüüüüüüüüüüschtüüüüüüüüüüüüüsch! Never give up! Immer weiter machen ! Absagen sind Ansporn zu neuen Taten … Wenn man das so sieht wie ich

  2. Dennis Stachel via Facebook

    Sagt sich so leicht. Denn wer macht sich nicht Gedanken, woran es gelegen haben könnte? Wer geht nicht in Gedanken sein Vorstellungsgespräch durch? Wer fragt sich nicht, ob die jeweilige Reaktion die richtige war?

  3. ICH! Drüber nachdenken bringt höchstens Depression und negative Gedanken. Absagen abhaken und sich auf neue Perspektiven konzentrieren. Wenn sich einer mit Jobscouting, Bewerben, Engegement und Bewerbungsablehnungen auskennt, dann ICH! So viele Absagen, die ich schon bekommen habe in den vergangenen 10 Jahren, da guckt man einfach drüber hinweg und sagt sich: “Wer nicht will, der hat schon!” “Selber schuld, wer mich nicht einstellt.” Tipp von mir:”IMMER einen Plan B bereit halten, falls es mit der Bewerbung nicht klappt. Wo eine Tür zu geht, geht die nächste dann wieder auf. Denn nach einer Absage ist es schwer, eine neue Perspektive zu erarbeiten. Lieber eine neue Möglichkeit griffbereit haben!!!

  4. Drüber nachdenke ist aber auch gut, weil man dann Fehler finden und korrigieren kann. Aber Dennis, wenn du schon beim Vorstellungsgespräch warst, weißt du auf jeden Fall schon, dass deine schriftliche Bewerbung super ist! Und das ist eine Hürde, die man auch erstmal nehmen muss! Positiv denken und auch über das Erreichen von Zwischenzielen freuen! 😉

  5. Absagen sind auf jeden Fall hart. Leider wird in den Antworten dann immer nur eine Floskel wie ‘wir haben uns für einen anderen Bewerber entschieden’ angebracht. Das bringt dem Bewerber nicht viel. Ich glaube Absagen dienen vielleicht bis zu einem gewissen Punkt als Ansporn, aber irgendwann, wenn es immer mehr werden, kann es durchaus passieren, dass man depressiv wird.

  6. Angelika May via Facebook

    ich habe viel aus mündlichen und schriftlichen Bewerbungen gelernt, vor allem über “mein Gegenüber” !

  7. Genau! Denn den Job bekommt nicht derjenige, der der beste Bewerber ist, sondern derjenige, der sich am besten verkauft! 😉

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