Viele Menschen träumen von der Selbstständigkeit – viele Selbstständige träumen vom Urlaub. Dass Entrepreneure nämlich nicht nur Vorteile genießen, sondern auch mit zahlreichen Nachteilen ihres beruflichen Alleingangs zu kämpfen haben, wird diesen oft erst mit der Zeit bewusst. Drei Wochen am Meer entspannen? Für Selbstständige ein Ding der Unmöglichkeit…oder?

Inhalt
1. Viele Contras und ein großes Pro: Urlaub in der Selbstständigkeit
2. Wie viel Urlaub sollten sich Selbstständige gönnen?
3. Der Urlaubs-Countdown für Selbstständige:
4. Schritt 1: Den optimalen Zeitpunkt abpassen
5. Schritt 2: Die Kunden frühzeitig informieren
6. Schritt 3: Der Geheimtipp heißt „Pufferzeiten“
7. Schritt 4: Eventuell eine Vertretung organisieren
8. Schritt 5: Auf geht’s! Guten Gewissens in den Urlaub starten

Viele Contras und ein großes Pro: Urlaub in der Selbstständigkeit

Für Arbeitnehmer stellt sich die Frage der Pros und Contras für Urlaub gar nicht. Für sie ist er in Deutschland nämlich gesetzlich vorgeschrieben und beträgt luxuriöse 24 Tage – mindestens. Luxuriös nenne ich das aus der Sicht einer Selbstständigen, da wir die Angestellten um diese Zahl nur beneiden können. Urlaub gibt es nämlich für viele Selbstständige (so gut wie) gar nicht, selbst ein Wochenende oder Feierabend fallen oftmals schwer. Woran das liegt? Ganz einfach: Auf der Pro-Seite der Frage „Urlaub: Ja oder Nein?“ steht bei Selbstständigen in der Regel „nur“ die Erholung. Und diese ist wichtig für Gesundheit und Work-Life-Balance, klar. Doch auf der Contra-Seite tummeln sich:

  • Verdienstausfall
  • eventueller Verlust von Kunden
  • hoher Organisationsaufwand
  • je nach Destination mangelnde Erreichbarkeit
  • Kontrollverlust
  • Anhäufung der Arbeit nach dem Urlaub
  • u. v. m.

Wer sich als Selbstständiger für zwei Wochen Urlaub entscheidet, muss nicht nur die Kosten für die Unterkunft, den Flug oder die Verpflegung übernehmen, sondern auch den Verdienstausfall oder die Kosten für eine Vertretung in diesem Zeitraum. Liebe Arbeitnehmer: Wenn Ihre 24 oder mehr Urlaubstage unbezahlt wären, würden Sie es sich dann nicht auch zweimal überlegen? Dürfen Sie aber gar nicht, denn der gesetzlich vorgeschriebene Mindesturlaub muss von den Arbeitnehmern auch abgefeiert werden. Also wird der Chef strengstens auf die Einhaltung achten. Selbstständige hingegen sind ihr eigener Chef, und dabei häufig besonders fordernd und unnachsichtig, wenn es um Erholung oder Urlaub geht. Allen Contras steht aber das große Pro entgegen: Ihre Gesundheit. Geben Sie als Ihr eigener Chef sich daher regelmäßig Urlaub. Ansonsten winkt irgendwann das Burnout und dann stehen Sie mit Ihrer Selbstständigkeit erst vor einem richtigen Problem – dem „Zwangsurlaub“.

Wie viel Urlaub sollten sich Selbstständige gönnen?

Wer alles richtig macht, kann sich als Selbstständiger früher oder später quasi Dauerurlaub gönnen, wenn das Unternehmen mehr oder weniger zum Selbstläufer wird oder der Kontostand entsprechend hoch ist. Vor allem zu Beginn einer Selbstständigkeit – und für viele auch später noch – bleibt das aber oft eine Illusion. So ein junges Unternehmen will mit viel Mühe, Fleiß und Zeitaufwand aufgebaut werden. Rote Zahlen zu schreiben ist im Anfangsstadium völlig normal und auch wenn die Zahlen auf dem Kontoauszug langsam schwarz werden, ist der Luxusurlaub dann in der Regel noch weit entfernt. In Anbetracht des Verdienstausfalls ist ein Urlaub zu dieser Zeit für viele Selbstständige daher undenkbar. Dennoch können Sie sich auch hier Freiräume schaffen:

1. Im Anfangsstadium Brückentage zur Erholung nutzen

Einfach mal eine, zwei oder sogar drei Wochen wegfahren und ohne Laptop oder Smartphone am Strand entspannen muss für Sie wohl erst einmal für die nächsten ein bis drei Jahre ein Traum bleiben. Wie aber wäre es, wenn Sie wenigsten einige lange Wochenenden im Jahr hätten mit ganzen vier freien Tagen? Nutzen Sie daher Feier- und Brückentage, um immer wieder einmal eine kurze Verschnaufpause einzulegen. Auch die meisten Ihrer Kunden werden an eben diesen Tagen ohnehin nicht (viel) arbeiten und so fällt Ihre Abwesenheit vermutlich nicht einmal auf. Auch in anderen Branchen, der Gastronomie zum Beispiel, gibt es einzelne Tage oder Jahreszeiten, in welchen Sie kurz durchatmen und sich drei bis vier Tage frei nehmen können. Identifizieren Sie daher frühzeitig die „hektischen“ sowie „ruhigen“ Zeiten Ihrer Branche und lernen Sie Letztere für einen Kurzurlaub zu nutzen.

2. Erholungseffekt zu Beginn des Urlaubs nutzen

Drei bis vier Tage – das klingt aber nicht viel, denken Sie jetzt vielleicht? Da der Erholungseffekt zu Beginn Ihrer freien Zeit am größten ist, reichen diese aber zumindest für ein kurzes Absacken Ihres Stresslevels aus und gönnen Ihrem Körper und Geist ein wenig langersehnte Entspannung. Wichtig ist, dass Sie dann allerdings auch tatsächlich sowohl körperlich als auch geistig abschalten, ganz ohne Smartphone, Tablet & Co. Wer ortsunabhängig arbeitet, kann zudem natürlich einfach im Urlaub produktiv werden und so Freizeit mit der Arbeit in Einklang bringen. Auch hier empfehlen Experten aber, dass Sie zumindest die ersten drei bis vier Tage alle elektronischen Geräte abschalten und „richtig“ Urlaub machen. So können Sie anschließend wieder mit frischer Energie durchstarten.

3. Drei Wochen – wer es sich leisten kann

Achtung, jetzt wird es aus der Sicht vieler Selbstständiger utopisch: Die optimale Urlaubsdauer beträgt drei Wochen. In dieser Zeit können sich Körper und Geist optimal regenerieren, ohne dass Sie bei Ihrer Rückkehr in den Job zu sehr „raus“ sind. Es sollte daher das Ziel aller Selbstständigen sein, sobald sich ihr Unternehmen auf dem Markt etabliert hat, mindestens einmal pro Jahr für drei Wochen am Stück in den Urlaub zu fahren – bestenfalls sogar ohne Arbeits- und Kommunikationsmittel. Das klingt wahrlich luxuriös. Ich verrate Ihnen, wie es dennoch klappen könnte, egal ob Sie sich schlussendlich kurz oder lang, mit oder ohne Arbeit in den Urlaub verabschieden möchten.

Der Urlaubs-Countdown für Selbstständige:

Schritt 1: Den optimalen Zeitpunkt abpassen

Wie bereits erwähnt, sollten Sie zu allererst einmal herausfinden, wie sich die Auftragsschwankungen in Ihrer Branche verhalten. Wann ist viel Arbeit zu erledigen, wann eher weniger? In den meisten Berufen lassen sich hier über die Monate und Jahre Zyklen ausmachen. So herrscht bei vielen Unternehmen im Juli und August zum Beispiel das „Sommerloch“, während vor Weihnachten oder zum Ende des Jahres noch zahlreiche wichtige Projekte fertiggestellt werden müssen. Mit der Zeit entwickeln Sie ein Gespür für den perfekten Zeitpunkt, um sich einfach einmal in den Urlaub zu verabschieden. Zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit können Sie sich auch Rat von Kolleginnen oder Kollegen aus der Branche einholen.

Schritt 2: Die Kunden frühzeitig informieren

Sobald Sie Ihren Zeitraum für den Urlaub festgelegt haben, sollten Sie natürlich auch die Kunden darüber informieren. Hierbei gilt: Je früher, desto besser. So können sie nämlich wichtige Projekte noch vor Ihrem Urlaub einreichen, eine Vertretung organisieren oder die Zeitplanung für einen Auftrag entsprechend anpassen. Am besten informieren Sie Ihre Kunden persönlich, telefonisch oder per E-Mail über Ihren geplanten Urlaub und nennen ihnen zudem Ihre Kontaktdaten für Notfälle oder jene Ihrer Vertretung. Diese halten Sie zudem in Ihrer Abwesenheitsnotiz fest. Gerne können Sie Ihren Kunden oder Auftraggebern vor Ihrem Urlaub auch nochmal einen Reminder mit allen wichtigen Daten senden oder eine entsprechende Randnotiz an die versendeten E-Mails anhängen.

Schritt 3: Der Geheimtipp heißt „Pufferzeiten“

Wichtige Projekte kurz vor Ihrem Urlaub? Ja, Sie haben richtig gelesen. Die meisten Selbstständigen werden das Problem kennen: Sie kündigen Ihren Urlaub an und prompt fällt vielen Kunden ein, dass dieser und jener Auftrag ganz wichtig sind und noch unbedingt vor Ihrer Abwesenheit erledigt werden müssen. Sie sollten daher einen Auftragsanstieg vor Ihrem Urlaub einrechnen. Ebenso nach Ihrem Urlaub, da Sie hier ja alle liegen gebliebenen E-Mails oder Projekte nacharbeiten müssen. Ohne auseichend Pufferzeiten brauchen Sie daher gar nicht erst mit der Urlaubsplanung beginnen. Wenn Sie also beispielsweise einen Flug für den Samstag buchen, legen Sie Ihren ersten Urlaubtag am besten auf den Mittwoch. Auch hier werden Sie mit der Zeit ein Gespür für das richtige Maß an Zeitpuffer entwickeln.

Schritt 4: Eventuell eine Vertretung organisieren

Je nach Branche ist es nicht immer möglich, eine Vertretung zu organisieren. Bestenfalls sollten Sie Ihren Kunden aber dennoch diese Option offerieren. Auch, wenn viele Kunden dann dankend ablehnen und geduldig auf Ihre Rückkehr warten werden, ist es durchaus eine professionelle Geste. So riskieren Sie nicht, Kunden mit zeitkritischen Projekten zu verlieren, und in Notfällen ist ein immer Ansprechpartner direkt vor Ort. Spätestens also, wenn Sie das Land verlassen oder im Urlaub nicht erreichbar sind, sollten Sie Ihren Kunden oder Auftraggebern die Kontaktdaten für eine Vertretung hinterlassen. Wo Sie diese finden? Erkundigen Sie sich in Ihrem Branchen-Netzwerk, sehen Sie sich in entsprechenden Auftragsbörsen um oder veröffentlichen Sie einfach selbst eine kleine Jobanzeige. Einmal eingelernt, haben Sie so auch gleich eine Vertretung im Krankheitsfall – eine Win-Win-Situation.

Schritt 5: Auf geht’s! Guten Gewissens in den Urlaub starten

Für viele Selbstständige ist der fünfte und letzte Schritt der schwierigste: Schalten Sie ab, geben Sie die Zügel aus der Hand und starten Sie in Ihren wohlverdienten Urlaub. Sie brauchen kein schlechtes Gewissen haben oder sich vor Ihren Kunden rechtfertigen: Auch diese kennen Urlaub und wissen, dass Erholung wichtig ist. Sie sollten zudem froh sein, wenn Sie langfristig gesund arbeiten und eine hohe Qualität liefern können. Grübeln Sie daher nicht weiter nach, rufen Sie nicht viermal pro Tag Ihre Vertretung an, ob alles glatt läuft, und checken Sie nicht zehnmal täglich auf dem Smartphone Ihre E-Mails. Sobald Sie lernen darauf zu vertrauen, dass schon alles gut gehen wird, können Sie Ihren Urlaub erst in vollen Zügen genießen. Und wenn in der Heimat gerade alles den Bach runtergeht, können Sie sich damit immer noch im Nachhinein auseinandersetzen. Was man nicht weiß, macht einen schließlich nicht heiß (Achtung: Ironie). In diesem Sinne wünschen wir eine gute Erholung!

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