Entspricht es wirklich der Natur des Menschen, immer MEHR zu wollen – und zwar von allem? Mehr Liebe, mehr Anerkennung, mehr Einfluss? Wurde es uns in die Wiege gelegt, auch nach immer mehr Geld, Erfolg und Macht zu streben?

Stellen Sie diese Frage einmal den Menschen, auf deren Meinung Sie etwas geben – Sie werden überrascht sein.

Am Anfang war die Gier

Darunter versteht man den nicht zu bezähmenden Wunsch, etwas haben und besitzen zu wollen, aber auch ein hemmungsloses Begehren, ein heißes, geradezu maßloses Verlangen, das sich bis zur Sucht steigern kann. Habsucht oder Habgier bezeichnen das Eifern nach materiellen Gütern und die Ablehnung, seinen Besitz mit anderen zu teilen, sowie Kleinlichkeit und Berechnung gegenüber anderen. Die Juristen definieren Habgier als “rücksichtloses Streben nach Gewinn um jeden Preis”. Aus Habsucht begangene Straftaten werden generell strenger geahndet.

In der Psychologie geht man davon aus, dass die Gier nach finanziellem Gewinn auch genetisch bedingt sein kann.

Zahlreiche Menschen reagieren auf in Aussicht gestelltes Geld oder schnelle finanzielle Gewinne wie auf eine Droge, meinen Experten.

Dieser Kick veranlasst manche, selbst in Zeiten der Finanzkrise risikofreudig auf Besitzvermehrung zu setzen. Von der Gier geleitet, verlangt es sie nach dem Nervenkitzel, den die Chance auf einen Geldsegen in ihnen hervorruft. Die Sucht ist stärker als das Wohlbehagen darüber, sich zufrieden das anzuschauen, was man bereits erreicht hat.

Geld verdirbt den Charakter (?)

So sagt der Volksmund, auch Redewendungen wie “Gier frisst Hirn” oder “Geld macht nicht glücklich” sind uns geläufig. “Geld stinkt nicht”, halten die Besitzvermehrer dagegen, die sicherlich nicht als Raffke oder Gierschlund auf die Welt gekommen sind. Eine US-Studie kam zu dem nicht sonderlich überraschenden Ergebnis, dass die Mehrheit der Menschen nach mehr Geld strebe, obwohl sie ein vergrößertes Kapital nicht zufriedener machen würde. Dennoch löst Geldzuwachs, der nicht durch Arbeit zustande gekommen ist, offenbar Glückshormone aus. Und zwar in einem Maße, dass das Risiko zu verlieren, immer wieder eingegangen wird.

Tiefer im Unterbewusstsein sitzt wohl der Wunsch des Menschen, etwas Besonderes zu sein, sich von der Masse abzuheben, z. B. durch Reichtum. Werden Wege aufgezeigt, wie man reich werden könnte, springen Menschen unterschiedlich stark darauf an. Im Internet soll “ohne Arbeit reich werden” zu den meist verwendeten Wortgruppen der User gehören.

Erfolg führt zu Macht und Geld

Diese drei Begriffe lassen sich so oder auch so kombinieren: Macht sichert Erfolg und damit Geld oder “Geld ist Macht”. Für die meisten Menschen ist Geld gleich Freiheit, und objektiv betrachtet gibt einem ein solides Vermögen die Möglichkeit, sich frei zu entscheiden und von Abhängigkeiten befreien zu können. Existenzsorgen sind sehr belastend und engen den Menschen ein.

Das vielfach kritisch beäugte Karrierestreben hat also damit zu tun, dass die Betreffenden Erfolg haben, gut verdienen und irgendwann zu den Mächtigen gehören wollen. Das ist sicherlich nichts Außergewöhnliches, aber auch nicht die Regel. Viele andere Menschen sind zufrieden mit dem, was sie haben, und verwenden ihre Energien zur Selbstverwirklichung auf andere Aspekte des Lebens als auf den von Geldvermehrung, Besitzanhäufung und Machtausübung. Und Erfolg im Leben, mit dem Anerkennung, Wertschätzung oder auch Ruhm verbunden sein können, den möchten eigentlich alle.

Machtstreben um der Macht willen

Macht ist nicht per se gleichbedeutend mit Geld oder gar Reichtum – trotzdem zieht sie viele Menschen in wichtige Ämter und in die Politik. “Ich will etwas bewegen”, wird oft als Begründung angeführt. Dahinter steht der Wunsch, Einfluss auf andere zu besitzen, deren Geschicke mitzubestimmen und zu lenken. Die Beweggründe können ehrbar sein, doch wie lange gelingt es jemandem, integer zu bleiben? Korruption und Vetternwirtschaft korrumpieren manchen, der am Anfang seiner Laufbahn reinen Sinnes war. Offenbar ist die Versuchung überall groß – und wie wir wissen, ist die Gier nach Geld und Ansehen ebenfalls ein Hauptmotiv für kriminelle Handlungen, die unser Sozialgefüge belasten.

Wir fühlen uns klein, aber wir tun uns hervor

Es ist kein Geheimnis, dass manche Menschen tief verwurzelte Minderwertigkeitsgefühle mit Erfolg und Geld kompensieren. Diese können bereits in der Kindheit angelegt sein und ganz unterschiedliche Gründe haben, z. B. Mangel an Liebe oder an materieller Zuwendung. “Wenn ich einmal groß bin, dann zeige ich es allen und werde …” Bitte vervollständigen Sie den letzten Satz nach Belieben!

2 Kommentare

  1. Jessica

    Geld ist aber nicht alles im Leben. Gesundheit und Familie sind für mich das Wichtigste. Ein teures Auto oder eine großes Haus machen die nicht glücklich. Ich merke immer wieder, wie mich die kleinen Sachen des Lebens wirklich glücklich machen. Wenn mein Kind mir ein Lächeln schenkt, dann ist das ein unbeschreiblich schönes Gefühl, was ich mit Geld nie kaufen könnte.

    Denkt mal alle darüber nach!

  2. Katja Burke

    Es gibt so eine These, die sich mit Hygienefaktoren und mit Motivatoren beschäftigt, der Autor ist mir leider entfallen. Als BWLer und VWLer sollte man die kennen: Motivationstheorie für Arbeitnehmer.
    Oder wie der Volksmund weiß, “Geld macht nicht glücklich, aber beruhigt ungemein.” Das Glücksgefühl erzeugt die Beruhigung, nicht das Geld.

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