Alle Beschäftigten (auch ehrenamtlich Tätige) sind für den Fall eines Arbeitsunfalls automatisch in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert; freiwillig versichern können sich zudem Unternehmer, Selbständige und mitarbeitende Ehegatten.

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Zwar sind Arbeitgeber per Gesetz dazu verpflichtet, die notwendigen Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter zu treffen (z. B. Arbeitsschutz- und Arbeitssicherheitsgesetz, Regelwerke der zuständigen Unfallversicherungsträger), trotzdem kam es nach Angaben der Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2007 zu mehr als 1,1 Mio. meldepflichtigen Arbeitsunfällen (davon 1122 tödlich). Die meisten Arbeitsunfälle finden der Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2007) zufolge dabei auf dem Bau, im Holz- und Metallgewerbe, der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie in Verkehrsberufen statt; am wenigsten von Arbeitsunfällen betroffen sind die Chemieindustrie und der Gesundheitsdienst. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um Unfälle mit geringfügigen Verletzungen durch Stürze oder Werkzeuge.

Wann ist ein Arbeitsunfall ein Versicherungsfall in der gesetzlichen Unfallversicherung?

Ein Arbeitsunfall ist nach SGB VII (Siebtes Sozialgesetzbuch) ein Unfall, den ein versicherter Arbeitnehmer aufgrund einer Tätigkeit erleidet, die in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Arbeit steht und einen psychischen oder körperlichen Gesundheitsschaden, den Verlust eines Hilfsmittels (z. B. Brille oder Prothese) oder den Tod zur Folge hat. Zu den versicherten Tätigkeiten zählen sowohl die eigentliche Arbeit als auch der direkte Hin- und Nachhauseweg zur bzw. von der Arbeit (so genannter „Wegeunfall“). Im Gegensatz zur „Berufskrankheit“ handelt es sich bei Arbeitsunfällen um „zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse“ (§ 8 SGB VII). Besteht ein Versicherungsfall, ist der zuständige Unfallversicherungsträger dazu verpflichtet, dem versicherten Arbeitnehmer die ihm zustehenden Leistungen (z. B. Kosten für Behandlung und Rehabilitation, Renten- und Hinterbliebenenzahlungen) ohne Antrag zu gewähren.

Ein Versicherungsfall liegt dann vor, wenn die berufliche Tätigkeit die Ursache für den Arbeitsunfall und den daraus entstanden Schaden ist, d.h. der Unfall darf nicht vom Arbeitnehmer selbst verursacht worden sein (z. B. Alkoholkonsum bei der Arbeit, kein Tragen von vorgeschriebener Schutzkleidung). Denn nach § 15 ArbSChG (Arbeitsschutzgesetz) sind Arbeitnehmer zu verpflichtet, „gemäß der Unterweisung und Weisung des Arbeitgebers für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen“ und vom Arbeitgeber bereit gestellte Arbeitsmittel (z. B. Maschinen, Werkzeuge, Schutzausrüstungen) sachgerecht zu verwenden.

Ebenfalls nicht unter den gesetzlichen Versicherungsschutz fallen Unfälle bei so genannten „eigenwirtschaftlichen Tätigkeiten“, d.h. privaten Tätigkeiten während der Arbeit (z. B. Spaziergang in der Arbeitspause). Und auch bei Wegeunfällen muss grundsätzlich der direkte Weg zwischen Arbeits- und Wohnstätte genommen werden, da sonst der Versicherungsschutz entfällt (z. B. auf Abwegen zum Geldabheben, bei Antritt der Fahrt von einem dritten Ort aus); „sinnvolle“ Umwege sind allerdings erlaubt (z. B. Absetzen und Abholen von Kindern in Kindergarten oder Schule, bei Fahrgemeinschaften oder Umleitungen, schnellere Erreichbarkeit der Arbeitsstätte).

Wann und wie muss ein Arbeitsunfall gemeldet werden?

Nach § 193 SGB VII müssen Arbeitsunfälle vom Unternehmen dem jeweiligen Unfallversicherungsträger (gewerbliche und landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften, Unfallkassen von Bund und Ländern) gemeldet werden, „wenn Versicherte getötet oder so verletzt sind, dass sie mehr als drei Tage arbeitsunfähig werden“. Die Meldung muss normalerweise innerhalb von drei Tagen nach dem Unfall erfolgen, wobei der Unfalltag selbst nicht mitzählt; bei Unfällen mit tödlichen und schwerwiegenden Gesundheitsfolgen sowie Massenunfällen muss die Meldung dagegen sofort erfolgen.

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Verletzte oder geschädigte Arbeitnehmer sind deshalb schnellstmöglich an einen niedergelassenen Durchgangsarzt, einen Facharzt für Unfallchirurgie mit Zulassung der Unfallversicherungsträger, zu überweisen (so genanntes „D-Arzt-Verfahren“). Bei geringfügigen Unfällen (z. B. leichte Schnittverletzungen) kann die Untersuchung und Behandlung allerdings auch durch einen Allgemeinmediziner erfolgen; bei besonders schwerwiegenden Gesundheitsschäden (z. B. offene Schädelverletzungen) muss dagegen zunächst eine Behandlung in einer von der gesetzlichen Unfallversicherung zugelassenen Klinik (z. B. berufsgenossenschaftliche Unfallklinik) und bei Verletzungen im Augen- bzw. Hals-Nasen-Ohren-Bereich beim Augen- bzw. HNO-Arzt veranlasst werden.

Der zuständige Arzt schickt anschließend seinen Unfallbericht in doppelter Ausführung an den Unfallversicherungsträger zur Prüfung. Wenn das Unternehmen der staatlichen Arbeitschutzaufsicht unterliegt, muss zusätzlich die zuständige Landesbehörde informiert werden (z. B. Amt für Arbeitsschutz, Gewerbeaufsichtsamt, Bergbehörde), und auch der Betriebsrat muss – falls vorhanden – ein Exemplar erhalten.

Lesetipp: Ratgeber zum Thema Berufsunfähigkeit