Eine Umschulung ist eine berufsbildende Maßnahme der beruflichen Erwachsenenbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), die eine Person befähigen soll, eine andere als die ursprünglich erlernte berufliche Tätigkeit auszuführen (§ 1 Abs. 5 BBiG). Im Gegensatz zu einer beruflichen (Anpassungs-)Fortbildung werden dem Umschüler dabei nicht vorrangig weiterqualifizierende Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, sondern eine neue berufliche Qualifikation in einem der staatlich anerkannten Ausbildungsberufe.

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Eine Umschulungsmaßnahme kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll bzw. notwendig sein. Dazu gehören insbesondere:

  • längere berufliche Abwesenheit (z. B. durch Krankheit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen)
  • Berufsunfähigkeit (z. B. durch chronische Krankheiten und Behinderungen, die es unmöglich machen, die frühere Tätigkeit weiter auszuführen)
  • geringe Einstellungsmöglichkeiten im erlernten Berufsfeld, die auch durch Fortbildungen nicht ausgeglichen werden können
  • persönliche Interessenverschiebungen bzw. berufliche Neuorientierung

In der Regel dauert eine Umschulung neun Monate bis zwei Jahre und findet entweder wie die betriebliche Ausbildung im dualen System von Ausbildungsbetrieb und Berufsschule, in schulischer Ausbildung bei einer Berufsfachschule oder überbetrieblich bei einem Berufsförderungswerk oder einer Institution der beruflichen Rehabilitation (z. B. Werkstätten für Behinderte) statt. Bei der betrieblichen Umschulung entfällt dabei die Pflicht, am Berufsschulunterricht teilnehmen zu müssen.

Zur Finanzierung dient bei der betrieblichen Umschulung einerseits die Ausbildungsvergütung. Zum anderen können zusätzlich Unterhaltsleistungen bei der Agentur für Arbeit beantragt werden, um die Kosten während der Ausbildungszeit abzudecken (z. B. Sozialversicherungsbeiträge, Fahrt- und Unterbringungskosten bezüglich der beruflichen Umschulung, auch Schul- und Prüfungsgebühren bei schulischer Ausbildung). Anspruch auf Umschulung und Kostenübernahme hat dabei nur, wer nach SGB III (Drittes Buch Sozialgesetzbuch) eine solche Bildungsmaßnahme benötigt, um drohende Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder eine bereits bestehende Arbeitslosigkeit zu beenden.

Aber auch, wer aus gesundheitlichen Gründen gezwungen ist, beruflich umzusatteln, kann sein Recht auf eine Umschulung geltend machen:

  • Nach SGB VI (Sechstes Buch Sozialgesetzbuch) ist die gesetzliche Rentenversicherung für „berufsfördernde Leistungen zur Rehabilitation“ zuständig, um die Teilhabe von gesundheitlich beeinträchtigten Versicherten am Arbeitsleben zu fördern. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen der beruflichen Ausbildung, Fortbildung und Umschulung, die nicht länger als maximal zwei Jahre dauern. Während dieser Zeit können Unterhaltsgeld und ergänzende Leistungen, die einen direkten Bezug zur Umschulung besitzen (z. B. Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, Kosten für Lern- und Arbeitsmittel sowie Berufskleidung), beantragt werden.
  • Nach SGB VII (Siebtes Buch Sozialgesetzbuch) können zudem bei der zuständigen Berufsgenossenschaft / gesetzlichen Unfallversicherung auf Antrag die Kosten für eine berufliche Rehabilitationsmaßnahme und Lebensunterhalt (z. B. Verletzten- und Übergangsgeld) gewährt werden. Anspruch haben dabei Personen, die aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit ihren früheren Beruf nicht mehr ausüben können und deshalb umschulen müssen. Die Umschulung findet dabei meist überbetrieblich im Berufsförderungswerk oder einer Rehabilitationseinrichtung statt.

Personen, die sich aus persönlichen Gründen für eine berufliche Neuorientierung entscheiden, müssen dagegen die meist doch relativ hohen Kosten für eine Umschulung gewöhnlich selbst tragen.