Die Eingliederung behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt ist eine der Grundvoraussetzungen für die Entfaltung der Persönlichkeit. Menschen mit einer Behinderung sollen eine Chance auf Teilhabe in der Gesellschaft und damit auch explizit am Arbeitsleben bekommen. Arbeit ist eine der Hauptgrundlagen für eine Lebensgestaltung in Eigenverantwortung und die Grundvoraussetzung für die Entfaltung der Persönlichkeit.
Leider ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt so, dass nicht einmal Nichtbehinderte immer einen Job bekommen und deshalb wird der Integration der Behinderten auch von staatlicher Seite besondere Bedeutung beigemessen.

In Deutschland werden Behinderte gefördert. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Arbeitgeber die mehr als 20 Arbeitsplätze haben, auf fünf Prozent dieser Arbeitsplätze Behinderte Menschen beschäftigen muss. Frauen müssen dabei besonders berücksichtigt werden. Arbeitgeber, die dieser Festlegung nicht nachkommen, zahlen eine entsprechende Ausgleichsabgabe.

Für behinderte Menschen gibt es in vielen Bereichen des frei zugänglichen Arbeitsmarktes Arbeit. Oft haben Behinderte besondere Fähigkeiten. So können beispielsweise blinde Menschen viel besser hören, sich besser konzentrieren und genauer zuhören, sodass sie häufig in Callcentern einen Arbeitsplatz finden. Menschen, die gehörlos sind, können ihre Umwelt sehr gut beobachten und sind daher prädestiniert, Maschinen zu bedienen.

Natürlich ist es dennoch so, dass viele Behinderte ohne zusätzliche Hilfe keine Arbeit auf dem öffentlichen Arbeitsmarkt finden. Aufmerksamen Beobachtern wird nicht entgangen sein, dass in Stellenanzeigen der Tagespresse oder auch im Internet gerade bei öffentlichen Arbeitgebern häufig vermerkt ist, dass Behinderte bei gleicher Qualifikation den Vorzug erhalten. Behinderte werden von sogenannten Integrationsfachdiensten, die es in Deutschland flächendeckend gibt, unterstützt. Die dort arbeitenden Fachleute arbeiten mit den Arbeitsämtern und den Rehabilitationsträgern zusammen, mit dem Ziel für Behinderte Arbeit bei privaten und öffentlichen Arbeitgebern zu finden.

Die Arbeit der Integrationsfachdienste

Das große Ziel ist immer, den Behinderten Arbeit zu verschaffen. Dabei leisten die Integrationsfachdienste wichtige Aufgaben. Sie ermitteln die Fähigkeiten der Behinderten Bewerber und bieten auch berufliche Qualifizierungen an. Sie suchen geeignete Arbeitsplätze, begleiten die Behinderten, sofern es notwendig ist, am Arbeitsplatz oder bei beruflichen Trainingsmaßnahmen und helfen den Behinderten, wenn sie in einer Krise stecken.
Die Integrationsberater sind parallel auch Ansprechpartner für die Arbeitgeber. Die Integrationsfachdienste wurden geschaffen, um Menschen mit geistigen und seelischen Behinderungen und Menschen mit Körperbehinderungen zu helfen. Die Integrationsfachdienste unterstützen auch die Menschen, die in Behindertenwerkstätten tätig sind und eine Anstellung am freien Arbeitsmarkt suchen.

Arbeitgeber, die Behinderte beschäftigen, können als Ausgleich für eventuell höhere Aufwendungen bei der Einrichtung eines Arbeitsplatzes für Behinderte zum Beispiel sogenannte Eingliederungszuschüsse bekommen. Die Zuschüsse gibt es zeitlich befristet und sie können bis zu 70 Prozent des Lohnes inklusive der Beiträge für die Sozialversicherung betragen. Diesen Zuschuss gewährt der Staat auch Arbeitgebern, wenn sie noch keinen Behinderten beschäftigen, aber den Arbeitsplatz einrichten wollen.

Teilzeitarbeit ist häufig der erste Weg

Nicht immer können Behinderte aufgrund ihrer Behinderung in Vollzeit arbeiten. Deswegen sind Arbeitgeber verpflichtet, den Behinderten die Möglichkeit zu eröffnen in Teilzeit zu arbeiten. Nur in Ausnahmefällen darf ein Arbeitgeber einem Behinderten die Teilzeitarbeit verweigern.

Im Sozialgesetzbuch IX ist verankert, dass die Benachteiligung schwerbehinderter Menschen im Arbeitsleben verboten ist. Das Verbot gilt grundsätzlich. Es betrifft die Bewerbung Behinderter, deren Einstellung und auch den beruflichen Aufstieg sowie deren Kündigung. Arbeitgeber müssen Behinderte mit bis zu drei Monatsverdiensten entschädigen, wenn ihre Einstellung erfolgt wäre, wenn sie nicht behindert wären. Bei der Durchsetzung dieses Rechts sind auch die Mitarbeiter der Integrationsfachdienste behilflich.

Um die Integration der Behinderten in ein Unternehmen zu erleichtern, gibt es Schwerbehindertenvertretungen. Die Arbeitgeber sind in der Pflicht mit diesen Vertretungen verbindliche Regelungen zur Integration zu vereinbaren. In den Integrationsvereinbarungen sind solche wichtigen Punkte wie die Arbeitsplatzgestaltung, die Organisation der Arbeit und die Arbeitszeit für Behinderte, genau geregelt.

Die Chancen für Behinderte am ersten Arbeitsmarkt dauerhaft Fuß zu fassen stehen nicht schlecht und sind sie erstmal in den Arbeitsprozess integriert bieten sich den Behinderten, wenn sie es wünschen, auch berufliche Perspektiven.

4 Kommentare

  1. Anja Bertram

    Die Chancen für Behinderte auf dem Arbeitsmarkt sind überhaupt niht gut. Firmen zahlen lieber die Strafe, als jemanden einzustellen, der angeblich unkündbar ist.

  2. Sabine

    INKLUSION ist für mich eine riesen Luftblase, mehr nicht. Ich bin IHK Bürokauffrau, habe also eine reguläre Ausbildung gemacht. Unterschied: Träger für Personen mit besonderen Förderbedarf! mit Übungsfirma, also kein richtiger Betrieb. Fazit: Hat nichts gebracht, Behindert ist Behindert, bleibt behindert… Nach 7 Jahren Hartz IV gings freiwillig in die Behindertenwerkstatt.

  3. He Sabine,
    Dein Kommentar fand ich richtig gut.
    Bin auch gerade am Bewerben und eigentlich nur minimal behindert und ohne Behindertenausweis. Aber dennoch. Für eine Behindertenwerkstatt bin ich nicht behindert genug. Für den 1.Arbeitsmarkt zu behindert.

    Außerdem frage ich, wie ein Behinderter beweisen will, dass er auf Grund seiner Behinderung nicht eingestellt wurde ?

  4. Mein Vater kommt vom Bergbau. Ich hatte Leukemie und Menangitis als Säugling, meine Mutter hat sich mehrmals geschieden und niemand wollte bzw. konnte mich erziehen. Dadurch wurde ich psychisch krank eingestuft, gesellschaftlich, sozial abgeschottet. Dem Arbeitsmarkt und der Öffentlichen (Pünktchen-Akademiker)Hand bin ich auch total gleichgültig. Ich habe es auf eigene Faust mit einer gescheiterrten Ausbildung versucht, mit Praktika, mich in die Gesellschaft einzubringen. Danach machte ich eine Umschulung, durch der es mir noch schlechter geht wie ohne.
    Ich weiß schon jahreland einfach nicht mehr weiter.
    Bleibt stark. Wir sind Menschen.

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