Für viele Führungskräfte zählt Sichtbarkeit anscheinend mehr als messbare Leistung. Zwei Drittel der hybrid Arbeitenden ziehen daraus ihre Konsequenzen. Sie halten den Status grün, schicken zu ungewöhnlichen Zeiten Mails oder lassen ihre Jacke im Büro, um ihren Einsatz zu signalisieren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Jobportals Indeed und des Marktforschungsinstituts Appinio unter 1.000 hybrid arbeitenden Beschäftigten in Deutschland.
Das Wichtigste in Kürze
- Indeed und Appinio haben im März 2026 1.000 hybrid arbeitende Beschäftigte in Deutschland zwischen 16 und 66 Jahren befragt
- 66,7 Prozent inszenieren Produktivität, um engagierter zu wirken, als sie es tatsächlich sind
- Häufigste Methoden: künstlicher Online-Status, längere Bürozeiten, Mails zu Randzeiten
- 66,2 Prozent würden auf Gehalt verzichten, wenn ihre Leistung an Ergebnissen gemessen würde
So inszenieren Angestellte Produktivität
In den vergangenen zwölf Monaten haben 66,7 Prozent der Befragten Maßnahmen ergriffen, um produktiver oder engagierter zu wirken, als sie es tatsächlich waren. Nur 33,3 Prozent lassen ausschließlich ihre Arbeitsergebnisse für sich sprechen.
Die häufigsten Methoden laut Indeed-Befragung:
- 27,7 Prozent halten ihren Online-Status künstlich auf „anwesend“
- 25,4 Prozent bleiben länger im Büro, wenn die Führungskraft noch da ist
- 23,2 Prozent verschicken E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten
- 22,3 Prozent melden sich in Meetings zu Wort, ohne inhaltlichen Mehrwert zu liefern
- 17,3 Prozent lassen Jacke oder Tasche im Büro, um Anwesenheit zu suggerieren
Wenn du dich in einem dieser Punkte wiedererkennst: Damit gehörst du zur Mehrheit der hybrid Arbeitenden in Deutschland.
Präsenzkultur und Angst um den Arbeitsplatz
Die Gründe liegen laut Umfrage tief in der Unternehmenskultur und in der wirtschaftlichen Lage. 32,5 Prozent nennen eine Kultur, die von Präsenzkontrolle geprägt ist. 31,6 Prozent führen ihr Verhalten auf Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz zurück. 24,4 Prozent verweisen auf Druck oder Mikromanagement durch Vorgesetzte.
55,9 Prozent der Befragten glauben, dass ihr Arbeitgeber Anwesenheit höher bewertet als messbare Ergebnisse. Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland, sieht darin ein systemisches Problem:
„Die Debatte um Büropräsenz hat in vielen Unternehmen ein problematisches Signal hinterlassen: Nicht die Qualität der Arbeit entscheidet, sondern ihre Sichtbarkeit.“
Was Beschäftigte fordern: Bewertung an Ergebnissen
Wie unzufrieden viele Beschäftigte sind, zeigt sich an ihrer Bereitschaft zum Gehaltsverzicht. 66,2 Prozent würden auf fünf Prozent oder mehr ihres Gehalts verzichten, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen gemessen würde.
70 Prozent wären zu denselben Einbußen bereit, um dauerhaft im Homeoffice arbeiten zu können. Hensgens ordnet das wie folgt ein:
„Das zeigt, wie groß die Leistungsbereitschaft unter Angestellten grundsätzlich ist und wie wenige sich derzeit daran gemessen fühlen.“
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Das Büro als Schauspielbühne
Die Folgen sind im Büro am sichtbarsten. 56,6 Prozent der Beschäftigten geben an, primär ins Büro zu kommen, um „Gesicht zu zeigen“, obwohl sie ihre Arbeit im Homeoffice effizienter erledigen könnten. 50,9 Prozent sitzen dort vor allem in Videocalls mit Kollegen aus dem Homeoffice. 69 Prozent werden im Büro durch Lärm, Smalltalk oder Unterbrechungen aus der Konzentration gerissen.
Das Ergebnis: 48,8 Prozent sind nach einem Bürotag erschöpfter als nach einem Tag im Homeoffice. Das Büro hat seine Funktion als produktivster Arbeitsort verloren – zumindest für die Mehrheit der hybrid Arbeitenden.

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