Würdest du Chef werden wollen, wenn dein Gehalt auch ohne den Posten steigt? Als das Jobbewertungsportal Glassdoor diese Frage Ende Juli 2025 über 1.000 US-Fachkräften stellte, antworteten 68 Prozent der Generation Z mit Nein. Glassdoor nennt das Muster Karriereminimalismus: Der Hauptjob soll zahlen und Sicherheit geben, der Ehrgeiz sucht sich einen anderen Ort. In Deutschland trifft dieses Modell auf einen Arbeitsmarkt, in dem es kaum vorkommt.
Das Wichtigste in Kürze
- 68 Prozent der US-amerikanischen Gen Z würden eine Führungsposition nur übernehmen, wenn Gehalt oder Titel es rechtfertigen (Glassdoor, über 1.000 US-Fachkräfte, Juli 2025).
- 57 Prozent der US-amerikanischen Gen Z haben einen Nebenjob, unter Babyboomern sind es 21 Prozent (Harris Poll für Glassdoor, 1.108 Erwerbstätige, Februar 2024).
- In Deutschland haben 4,3 Prozent der unter 25-Jährigen einen Zweitjob, über alle Erwerbstätigen sind es 5,0 Prozent (Arbeitskräfteerhebung 2025).
- Weltweit nennen 6 Prozent der Gen Z eine Position im Top-Management als wichtigstes Karriereziel (Deloitte, 23.482 Befragte in 44 Ländern, Erhebung Ende 2024).
Warum die Gen Z ins Handwerk geht statt in die Beratung
Karriereminimalismus heißt nicht, weniger zu arbeiten. Er verschiebt, wofür gearbeitet wird. Der Hauptjob soll zahlen und Sicherheit geben, der Ehrgeiz sucht sich einen zweiten Platz.
Der Auslöser sitzt am Berufseinstieg. In einer weiteren Glassdoor-Abstimmung vom Juni 2025, an der sich über 1.000 US-Fachkräfte beteiligten, gaben 70 Prozent der Gen Z an, dass KI am Arbeitsplatz ihre langfristige Jobsicherheit infrage stellt. Absolventen ziehen daraus Konsequenzen und orientieren sich Richtung Gesundheitswesen, Handwerk, öffentlicher Dienst und Bildung. Also in Felder, in denen kein Sprachmodell die Einstiegsstelle wegautomatisiert.
Dass es sich nicht um ein rein amerikanisches Muster handelt, zeigt der Deloitte Gen Z and Millennial Survey. Zwischen Oktober und Dezember 2024 wurden dafür online 23.482 Menschen in 44 Ländern befragt. Nur 6 Prozent der Gen Z nennen darin eine Position im Top-Management als wichtigstes Karriereziel.
Daniel Zhao, Chefökonom bei Glassdoor, ordnet die Entwicklung so ein: „Die Gen Z überdenkt gerade, was beruflicher Erfolg bedeutet. Sie lehnt Ehrgeiz nicht ab, sie richtet ihn auf Wege aus, die finanzielle Sicherheit und persönliche Erfüllung zusammenbringen.“
Lese-Tipp: [Titel des passenden Arbeits-ABC-Artikels ergänzen]
In den USA jobbt jeder Zweite nebenbei, in Deutschland jeder Zwanzigste
In den USA hat mehr als jeder zweite junge Beschäftigte einen Nebenjob. 57 Prozent der Gen Z gaben das an, als das Institut Harris Poll im Februar 2024 im Auftrag von Glassdoor 1.108 Erwerbstätige befragte. Unter den Babyboomern waren es 21 Prozent.
In Deutschland sind es 4,3 Prozent. So viele der unter 25-Jährigen arbeiteten 2025 laut Arbeitskräfteerhebung in einem zweiten Job, weniger als der Schnitt aller Erwerbstätigen von 5,0 Prozent. Wer hier jung ist, jobbt seltener nebenbei als seine Eltern.
Ein Teil der Lücke ist Definition. Harris fragt nach dem gefühlten „side hustle“, die Arbeitskräfteerhebung zählt gemeldete Jobs. Den Abstand von 57 auf 4,3 erklärt das nicht.
Führung wird durchgerechnet, nicht abgelehnt
Das Nebenjob-Modell der amerikanischen Gen Z lässt sich hier nicht kopieren. Die Frage dahinter schon.
68 Prozent würden den Chefposten nur übernehmen, wenn Gehalt oder Titel es hergeben. Dahinter steckt eine Rechnung: mehr Verantwortung, mehr Stunden und mehr Konflikte auf der einen Seite, ein paar hundert Euro brutto und eine neue Zeile im Lebenslauf auf der anderen. Diese Rechnung stellen längst nicht nur Zwanzigjährige auf.
Sie besetzen die Chefposten trotzdem. In den USA stellt die Generation Z seit April 2025 jeden zehnten Manager, ermittelt von Glassdoor aus der amtlichen Arbeitsmarktstatistik Current Population Survey.
Nachgefragt: Würdest du eine Führungsposition annehmen, wenn sie für dein Gehalt nicht nötig wäre? Und falls nein: Was müsste sich ändern, damit die Rechnung für dich aufgeht?
Quellen
- Glassdoor: „Why Gen Z is redefining the workplace with career minimalism“ (26.08.2025), inkl. Methodik zu den Befragungen vom 28.–29. Juli 2025 (Führungsposition), 18.–20. Juni 2025 (KI und Jobsicherheit) und zur Harris-Poll-Erhebung: https://www.glassdoor.com/blog/why-gen-z-is-redefining-work/
- Harris Poll im Auftrag von Glassdoor, Online-Befragung 22.–26. Februar 2024, 1.108 voll- und teilzeitbeschäftigte Erwachsene ab 18 Jahren in den USA, Fehlertoleranz ± 3,4 Prozentpunkte bei 95 Prozent Konfidenzniveau (Methodikangabe von Glassdoor). Zahlen bestätigt bei Fortune: https://fortune.com/2025/08/26/gen-z-career-minimalism-side-hustle-management/ und Forbes: https://www.forbes.com/sites/carolinecastrillon/2025/09/02/57-of-gen-z-choose-side-hustles-over-the-corner-office/
- Glassdoor Worklife Trends 2025, Midyear Check-in, Trend 3 (Gen Z stellt seit April 2025 jeden zehnten Manager; Grundlage: Current Population Survey via IPUMS CPS, University of Minnesota): https://www.glassdoor.com/blog/worklife-trends-2025-midyear-check-in/
- Statistisches Bundesamt, Arbeitskräfteerhebung 2025: 5,0 Prozent aller Erwerbstätigen mit mindestens einer weiteren Tätigkeit, 2,1 Millionen Personen, unter 25-Jährige 4,3 Prozent: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/zweitjobl.html
- Deloitte Global Gen Z and Millennial Survey 2025, 23.482 Befragte (14.751 Gen Z, 8.731 Millennials) in 44 Ländern, Online-Befragung vom 25.10. bis 24.12.2024, 6 Prozent der Gen Z nennen eine Senior-Führungsposition als primäres Karriereziel: https://www.deloitte.com/global/en/about/press-room/deloitte-2025-gen-z-and-millennial-survey.html
- Zitat Daniel Zhao: Glassdoor-Blogbeitrag vom 26.08.2025, aus dem Englischen übersetzt.

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