Daten analysieren, Tools bedienen, Prompts formulieren – reicht das für den Arbeitsmarkt der Zukunft? Eher nicht. Zwar übernimmt Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend Aufgaben, die bisher in menschlicher Hand lagen. Doch die Rolle des Menschen verändert sich nicht in Richtung Überflüssigkeit, sondern in Richtung Neudefinition. Eine neue Studie des Upwork Research Institute zeigt: Gefragt sind weniger Generalisten mit KI-Kurs-Zertifikat, sondern Fachkräfte, die ihre Kompetenz vertiefen und gezielt mit Technologie kombinieren.

Anzeige

Mehr KI, mehr Mensch: Warum der Bedarf an qualifizierten Fachkräften steigt

Die Studie basiert auf Analysen von Plattformdaten sowie Befragungen von Entscheiderinnen und Entscheidern in Unternehmen. Ihre Kernaussage: KI hält Einzug, aber nicht als Ersatz, sondern als Katalysator. Die Nachfrage nach KI-gestützter Videobearbeitung ist um 329 Prozent gestiegen, die nach Datenannotation um 154 Prozent. Gleichzeitig geben 77 Prozent der Führungskräfte an, dass sie mehr qualifizierte Mitarbeitende brauchen, nicht weniger.

Die Zahlen zeigen: Automatisierung verändert Arbeitsprozesse, nicht die grundsätzliche Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft. Unternehmen suchen nach Menschen, die ihre berufliche Expertise behalten – und in der Lage sind, diese mit digitalen Werkzeugen zu erweitern. Wer etwa Design oder Softwareentwicklung beherrscht, wird nicht durch KI ersetzt. Er oder sie wird durch sie schneller, präziser, breiter einsetzbar.

Welche Kompetenzen besonders gefragt sind – und warum

Die Upwork-Daten legen nahe: Nicht nur technische Skills zählen. Auch Eigenschaften, die lange unter „Soft Skills“ liefen, gewinnen an wirtschaftlicher Relevanz. Gefragt sind laut Studie vor allem:

  • Anpassungsfähigkeit
  • Lernbereitschaft
  • Zuverlässigkeit
  • Kreative Problemlösung

Diese Fähigkeiten lassen sich nicht automatisieren – und stehen dennoch selten im Lebenslauf. Dabei steigen gerade dort die Erwartungen: Wer flexibel auf neue Anforderungen reagiert, wer bereit ist, auch in unbekanntem Terrain zu fischen, wird zur stabilen Größe in zunehmend beweglichen Arbeitsmarktstrukturen.

Was an den Rand gedrängt wurde, wird jetzt wieder wichtig

Ein zweiter Aspekt: Kommunikation wird knapper. Menschen sprechen seltener mit Menschen. Wir bestellen Essen über Terminals, Tickets über Apps, Support erhalten wir von Bots. Genau deshalb wird echte Interaktion wieder zur Stärke. Wer Kunden nicht nur bedient, sondern anspricht, wer nicht nur erklärt, sondern einordnet, sticht hervor – gerade weil der Standard durch Automatisierung immer generischer und austauschbarer wird.

Drei strategische Ansätze für die Arbeitswelt von morgen

Was bedeutet das für Berufstätige, die sich 2026 nicht nur behaupten, sondern mitgestalten wollen?

1. Spezialisierung – mit technologischem Anschluss

Die oberflächliche Beschäftigung mit KI reicht nicht aus. Allgemeine Prompt-Kenntnisse sind kaum mehr als ein Einstieg. Entscheidend ist, wie Technologie im eigenen Fachgebiet sinnvoll eingesetzt werden kann – ob im Marketing, im Engineering oder im Personalwesen.

2. Soziale und kognitive Fähigkeiten ausbauen

ChatGPT und ähnliche Tools können Daten blitzschnell aufbereiten. Doch was sie nicht leisten: Einordnen, gewichten, Konsequenzen abschätzen. Wer das kann, sorgt dafür, dass aus Daten Erkenntnisse werden – und aus Erkenntnissen gute Entscheidungen.

Anzeige

Der Arbeitstag

Welche Jobs haben Zukunft? Wo knirscht’s zwischen Boomern und Gen Z? Wie verändern KI und Fachkräftemangel unser Berufsleben? „Der Arbeitstag“ ist der Newsletter mit allem, was die moderne Arbeitswelt bewegt. Klar, kompakt und direkt ins Postfach.


3. Lernen als Haltung etablieren

Weiterbildung wird nicht mehr projektweise betrieben, sondern kontinuierlich. Wer sich nur dann bewegt, wenn es eng wird, bleibt hinter denen zurück, die aus reiner Neugier lernen. Und Neugier lässt sich trainieren wie jede andere Fähigkeit.

Lese-Tipp: Neugierde: Warum die „kindliche“ Erfolgseigenschaft so wichtig ist

Was bleibt?

Ja, KI verändert Arbeitsprozesse. Sie ersetzt aber nicht den Menschen. Sie stellt Anforderungen. Aber sie macht menschliche Kompetenzen in gleichem Atemzuge auch wertvoller. Wer technologische Mittel mit fachlicher Tiefe und zwischenmenschlicher Kompetenz verbindet, wird um seinen Arbeitsplatz nicht fürchten müssen.

Anzeige