In wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmen sinkt nicht nur die Gewinnmarge, sondern auch die Stimmung im Team. Führungskräfte geraten unter Druck, Kolleginnen und Kollegen ziehen sich zurück, Misstrauen wächst.
Eine interessante Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Beschäftigte in krisengeplagten Betrieben bewerten das Arbeitsklima deutlich schlechter als ihre Kollegen in finanziell stabilen Unternehmen.
Krisen hinterlassen Spuren, auch im Miteinander
Laut der aktuellen IW-Beschäftigtenbefragung 2025 bewerten Beschäftigte in wirtschaftlich stabilen Firmen das Betriebsklima im Schnitt mit der Schulnote 2,6. In Unternehmen mit wirtschaftlichen Sorgen rutscht die Bewertung ab, auf eine 3,0.
Besonders auffällig: Nur 34 Prozent der Beschäftigten in krisengeplagten Unternehmen empfinden das Arbeitsklima als gut oder sehr gut. In gesunden Firmen sind es 53 Prozent.
Was auf den ersten Blick nach banalen Bewertungen klingt, hat tiefere Ursachen. Die Studie zeigt, dass sich das Klima am Arbeitsplatz nicht nur durch äußere Faktoren verändert, sondern vor allem ein Spiegel innerbetrieblicher Spannungen ist.
Kontrolle ersetzt Nähe, wenn Führung unter Druck gerät
Fast jeder Sechste in wirtschaftlich schwachen Unternehmen bewertet die Zusammenarbeit mit der eigenen Führungskraft als mangelhaft oder ungenügend, mehr als doppelt so viele wie in stabilen Betrieben.
Was steckt dahinter? In Krisenzeiten verschieben sich die Prioritäten vieler Führungskräfte: Statt Personalentwicklung und Teamförderung stehen plötzlich Kostenkontrolle und Krisenmanagement im Fokus. Entscheidungen fallen dann oft schneller und im Alleingang, Kommunikation wird seltener und rein funktional. Der Gürter wird enger gezurrt.
Die Folge: Misstrauen, Demotivation, Rückzug. Führung wird zum Flaschenhals, gerade dann, wenn Orientierung und Zuversicht gebraucht würden.
Auch Kollegen werden zu Konkurrenten
Nicht nur das Verhältnis zur Führung leidet, auch unter Kollegen bröckelt die Harmonie. Zwar bewerten die meisten Beschäftigten das Miteinander weiterhin als positiv, doch in krisengeschüttelten Firmen bewerten rund sechs Prozent ihre Kollegen als mangelhaft oder ungenügend.
Aber warum? In stabilen Phasen überdecken gemeinsame Erfolge oft unterschwellige Konflikte. Wenn die Zukunft ungewiss ist, brechen alte Rivalitäten und Wunden auf, die Stimmung wird frostig, das „Wir“ somit schwächer. Und mit ihm die psychologische Sicherheit, die Teams brauchen, um produktiv und kreativ zu arbeiten.
Arbeitsplatzklima: Mehr als nur „nett zueinander sein“
Was viele unterschätzen: Das Betriebsklima ist kein weicher Wohlfühlfaktor, sondern ein zentraler Produktivitäts- und Resilienzindikator. In der IW-Befragung bewerteten die Beschäftigten neun Arbeitsplatzmerkmale mit Schulnoten, darunter Zusammenarbeit, Entscheidungsspielräume, Vereinbarkeit, Vergütung und Entwicklungsmöglichkeiten. Am besten schnitt, über alle Unternehmen hinweg, die Zusammenarbeit im Kollegenkreis ab (Note 2,2).
Auffällig ist: Während harte Faktoren wie die Vergütung (Note 3,0) und vor allem die beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten (Note 3,2) schlechter abschneiden, bleibt das Zwischenmenschliche in stabilen Zeiten ein echter Pluspunkt.
Was also können Führungskräfte jetzt tun?
Die IW-Analyse liefert nicht nur ernüchternde Zahlen, sondern auch einen klaren Hinweis: Führung entscheidet in der Krise über das Klima. Ein paar Impulse dazu:
- Transparente Kommunikation: Wer unangenehme Maßnahmen erklären kann, schafft Verständnis statt Widerstand.
- Empathische Führung: In unsicheren Zeiten ist das Zuhören der Führungskraft die starke Schulter für Mitarbeiter.
- Partizipation ermöglichen: Wer Teams in Lösungen einbindet, aktiviert statt lähmt.
- Stärken betonen: Krisen bieten auch Chancen für Zusammenhalt, wenn man ihn bewusst gestaltet. Den Krise bedeutet vor allem, Entscheiden und den Weg bereiten.
Krise als Charaktertest verstehen
Trotz allem: Die Mehrheit der Beschäftigten in kriselnden Unternehmen bewertet das Arbeitsklima nicht vernichtend, sondern „nur“ mittelmäßig. Und das hat eine starke Botschaft: Krise heißt nicht automatisch Kälte. Aber sie zeigt, wie belastbar das Miteinander wirklich ist. Denn manchmal wachsen Menschen gerade unter Druck enger zusammen. Entscheidend ist, ob das Unternehmen diese Chance erkennt oder ob es die letzten Reserven durch kurzfristige Maßnahmen verspielt.
Nachgefragt: Hast du selbst schon erlebt, wie in deinem Unternehmen unter wirtschaftlichem Druck die Stimmung gelitten hat?






