„Sehr geehrte Frau Müller“ – das ist so eine typische Anrede, die einem reflexartig über die Tastatur rutscht. Klingt korrekt. Wirkt höflich. Und trotzdem irgendwie nach 1995. Denn wer heute beruflich E-Mails schreibt, steht oft vor einer Zwickmühle: Was ist zu locker? Was zu steif? Und ab wann ist man einfach nur… altbacken?

Anzeige

Laut einer Studie von Grammarly überlegen 81 % der Berufstätigen mehrere Minuten lang, wie sie eine E-Mail an einen neuen Kontakt beginnen sollen. Und ich kann das gut nachvollziehen: Man starrt auf das leere Textfeld, tippt „Sehr geehrte Damen und Herren“, löscht es wieder. „Hallo“ ist zu leger. „Hey“ geht gar nicht, jedenfalls nicht hierzulande. Also zurück zur Formalkeule – aus purer Unsicherheit.

Dabei ist die Anrede mehr als ein Einstiegssatz. Sie ist der erste digitale Eindruck – und der zählt. Studien zu E?Mail-Kommunikation und personalisierten Anreden zeigen, dass individuell formulierte, zum Kontext passende Begrüßungen die Wahrscheinlichkeit einer Antwort deutlich erhöhen. Und ja, das kann im Job entscheiden, ob du eine schnelle Antwort bekommst oder Funkstille erntest.

Wann „Sehr geehrte …“ noch passt – und wann nicht mehr

Warum klammern wir uns also noch an „Sehr geehrte …“? Der Ausdruck stammt aus einer Zeit, in der Korrespondenz per Brief erfolgte, auf schwerem Papier mit Firmenlogo und manchmal auch Siegel. Da war gepflogene Distanz Standard. Heute aber ist Kommunikation schneller, direkter – und zum Glück viel persönlicher. Trotzdem zieht diese Floskel immer wieder in unser Postfach ein. Aus Angst, etwas falsch zu machen.

Anzeige

Natürlich: Es gibt Situationen, da ist die klassische Anrede genau richtig. Bei Erstkontakten, in sehr formellen Branchen wie Recht, Verwaltung oder Finanzdienstleistungen. Wenn man die Person nicht kennt, keinen Vornamen hat oder sichergehen will, niemanden zu verärgern.

Aber im normalen Arbeitsalltag, intern, im Projektteam, im Austausch mit Kollegen? Da ist „Hallo“ oft die bessere Wahl. Oder „Guten Morgen, Frau Müller“. Oder gleich: „Hallo Anna“. Vor allem, wenn der Gegenüber selbst locker schreibt. Dann mit „Sehr geehrte“ zu kontern, wirkt wie ein verbales Stoppschild.

E-Mails im Job: Lieber locker als langweilig?

Die Sprache in E-Mails im Job verändert sich. Und das ist gut so. Denn E-Mails sind längst keine Mini-Briefe mehr, sondern digitale Dialoge. Die Begrüßung bestimmt dabei den Ton. Wer sich nicht verkrampft an Formalitäten klammert, versteht, wie moderne Kommunikation funktioniert. Natürlich mit Fingerspitzengefühl.

Anzeige
Newsletter
Der Arbeitstag
Arbeits-ABC Newsletter erhaltenDer kompakte Überblick zur modernen Arbeitswelt. Karriere, Leadership, KI & Fachkräftemangel – klar, relevant, direkt ins Postfach.


Mit der Eintragung für den Newsletter bestätige ich die Verarbeitung meiner Daten gemäß der
Datenschutzerklärung. Den Newsletter kann ich jederzeit abbestellen.

Ein Tipp für alle, die beim Schreiben zögern: Orientiere dich am Stil des Gegenübers. Wer per Vornamen schreibt, darf so auch angesprochen werden. Wer „Hallo“ nutzt, darf das zurückbekommen. Und wer eine kühle Anrede wählt, dem darf man ruhig einen Hauch Wärme entgegentexten.

Denn die richtige E-Mail-Begrüßung zeigt auch, wie gut wir Empfänger lesen können. Und das ist heute wertvoller als jede Etikette aus dem letzten Jahrhundert. Also, nächste Mail. Neuer Versuch. Und diesmal vielleicht einfach: „Hallo Julia“. Passt fast immer. Und klingt nicht wie ein kalter Behördenbrief.

Anzeige
Du fühlst dich im Job frustriert und brauchst einen klaren Plan für deinen Neustart?

In unserem Guide „Die Exit-Strategie“ erfährst du, wie du deinen Absprung sicher meisterst – von der Kündigung bis zur Jobsuche. Hier geht’s zum Guide!

Anzeige