Ist es wirklich klug, früh in Rente zu gehen und dennoch weiterzuarbeiten? Diese Frage beschäftigt viele Arbeitnehmer in ihren späten 50ern und frühen 60ern. Mit den aktuellen Regelungen wird die Kombination aus Frührente und Nebenjob immer attraktiver, doch die Entscheidung will gut durchdacht sein. Wir beleuchten die Vor- und Nachteile, rechtliche Rahmenbedingungen und geben praktische Tipps.

Anzeige

Reiz und Realität der Frührente

Der Gedanke an die Frührente lockt: Mehr Freizeit, mehr Flexibilität und trotzdem eine finanzielle Absicherung. Doch die Realität ist komplexer. Seit Anfang 2023 können Frührentner unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass ihr Gehalt auf die Rente angerechnet wird. Diese Regelung eröffnet neue Möglichkeiten, bringt aber auch Herausforderungen mit sich.

Warum überhaupt Frührente und Job kombinieren?

  1. Flexibilität und Freiheit: Viele Menschen möchten früher aus dem stressigen Arbeitsleben aussteigen, aber nicht komplett auf ein gutes Einkommen verzichten. Ein Nebenjob kann hier die perfekte Balance bieten.
  2. Finanzielle Sicherheit: Die Kombination aus Rente und Gehalt kann das verfügbare Einkommen erheblich steigern.
  3. Soziale Teilhabe: Weiterhin im Job zu bleiben, hält nicht nur finanziell fit, sondern auch geistig und sozial aktiv.

Die finanziellen Aspekte im Detail

Steuern und Sozialabgaben

Wer neben der Rente weiterarbeitet, muss folgende finanzielle Aspekte berücksichtigen:

Anzeige
  • Steuerpflicht: Zusätzliche Einkünfte erhöhen das zu versteuernde Einkommen. Der steuerliche Grundfreibetrag liegt 2024 bei 11.604 Euro. Überschreitet man diesen Betrag, fällt Einkommensteuer an.
  • Sozialabgaben: Auch Sozialabgaben auf das Gehalt bleiben bestehen, was das Netto-Einkommen natürlich schmälert.

Rentenabschläge und Hinzuverdienstgrenzen

  • Rentenabschläge: Ein frühzeitiger Renteneintritt bedeuten Abschläge von 0,3 % pro Monat vor der Regelaltersgrenze. Bei einem Renteneintritt drei Jahre früher sind das 10,8 % weniger Rente.
  • Hinzuverdienstgrenzen: Bis Ende 2022 gab es strikte Grenzen. Seit 2023 dürfen Frührentner unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird.

Praktische Tipps für eine optimale Kombination aus Job und Rente

  1. Teilrente in Betracht ziehen: Mit der Teilrente kannst du schrittweise in den Ruhestand wechseln und gleichzeitig weiterarbeiten. So lassen sich Rentenabschläge minimieren. Laut deutscher Rentenversicherung muss die Teilrente mindestens 10 Prozent und darf höchstens 99,99 Prozent der Vollrente betragen.
  2. Detaillierte Finanzplanung: Berechne genau, wie sich dein Netto-Einkommen durch Rente und Gehalt zusammensetzt und wie hoch deine Steuerbelastung sein wird.
  3. Professionelle Beratung: Nutze die Beratung der gesetzlichen Rentenversicherung oder eines unabhängigen Finanzberaters, um deine individuelle Situation darzustellen und zu optimieren.

Rechtliche Rahmenbedingungen beachten

Die Kombination aus Frührente und Job ist rechtlich abgesichert:

  • Unkündbarkeit aufgrund von Frührente: Arbeitgeber können das Arbeitsverhältnis nicht allein wegen des Rentenbezugs kündigen.
  • Arbeitsrechtliche Aspekte: Frührentner haben die gleichen Rechte und Pflichten wie andere Arbeitnehmer auch.

Die Vorteile und Nachteile im Überblick

Vorteile:

  • Höheres verfügbares Einkommen durch Kombination von Rente und Gehalt.
  • Flexibilität und mehr Freizeit.
  • Soziale und geistige Aktivität durch Weiterarbeit.

Nachteile:

  • Erhöhte Steuerlast und Sozialabgaben.
  • Kein Anspruch auf Arbeitslosengeld und Krankengeld.
  • Komplexe Planung erforderlich, um finanzielle Nachteile zu vermeiden.

Wissenswertes zur Frührente

  • Seit Januar 2023: Unbegrenzter Hinzuverdienst ohne Rentenkürzung möglich.
  • 45 Versicherungsjahre: Besonders langjährig Versicherte sollten die Frührente in Betracht ziehen.
  • Beratung nutzen: Gesetzliche Rentenversicherung bietet kostenlose Beratung an.

Frührente und Job: Lohnt sich die Kombination?

Die Kombination aus Frührente und Weiterarbeit kann sich lohnen – finanziell und persönlich. Es erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und Beratung, um steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Fallstricke zu vermeiden. Nutzen sollte man die Möglichkeiten der gesetzlichen Rentenversicherung und unabhängiger Berater, um die beste Entscheidung für die individuelle Situation zu treffen.

Nachgefragt: Könntest du dir vorstellen früh in Rente zu gehen und dennoch weiterzuarbeiten oder wäre das ein absolutes No-Go?

Anzeige

Bild: SeanShot/istockphoto.com