Wenn am Monatsende kaum etwas vom Gehalt übrig bleibt und einem im Büro die Luft zum Atmen fehlt, ist die Belastungsgrenze schnell erreicht. Die Zeit wird nur noch abgesessen – sei es vor Langeweile oder weil der Aufgabenstapel einem über den Kopf wächst. Fehlt dann auch noch die Anerkennung vom Chef, rückt der Gedanke an die Kündigung zwangsläufig näher.

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In solchen Momenten wirkt der Gedanke an die Kündigung geradezu erlösend. Doch die Angst vor dem Ungewissen ist nicht ganz unbegründet. Laut einer Umfrage des Bewerbungsportals Resume Now hat mehr als ein Drittel der Befragten den Schritt weg vom alten Arbeitgeber schon einmal bereut. Die Daten des Portals zeichnen aber noch die Kehrseite: Mittlerweile geben sogar zwei von drei Menschen an, ihre Karrierewege oder beruflichen Entscheidungen generell zu bedauern.

Lese-Tipp: „Hätte ich bloß …“: Zwei von drei Menschen bereuen ihre Karriere

Das vermeintliche „Perfect Match“

Oft steckt hinter der Kündigung eine Mischung aus Selbstüberschätzung und völlig unrealistischen Vorstellungen. Wer glaubt, beim nächsten Arbeitgeber falle ihm das „Perfect Match“ sofort in den Schoß, wird meistens unsanft auf dem Boden der Tatsachen landen. Gerade am Anfang der Karriere neigen manche dazu, den eigenen Marktwert maßlos zu übertreiben.

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Das Problem: Wer sich beim Personaler als Goldstaub verkauft, aber dann im Job nicht abliefert, landet schneller auf der Abschussliste als in der Festanstellung. Gerade in der Probezeit ist das Vertrauen schnell verspielt, wenn die Leistung hinter dem großen Auftritt zurückbleibt.

Warum der Neustart schiefläuft: 3 Gründe für Kündigungsreue

  1. Das „Gras ist grüner“-Syndrom: Viele kündigen impulsiv, ohne einen echten Plan B zu haben. Sie flüchten vor etwas, statt zu etwas Neuem zu streben. Wenn der neue Job dann dieselben Macken hat – etwa starre Hierarchien oder null Aufstiegschancen –, ist der Frust vorprogrammiert.
  2. Unterschätzte Extras: Manchmal merkt man erst nach dem Wechsel, was man am alten Schreibtisch eigentlich hatte. Waren es die unkomplizierten Tankkarten oder Gutscheine, die das Konto geschont haben? Oder die Freiheit im Homeoffice, die im neuen Laden plötzlich einem strengen Büro-Zwang weicht? Arghhh, ich habe an dieser Stelle den Obstkorb vergessen.
  3. Wenn es zwischenmenschlich knallt: Im Vorstellungsgespräch klang alles super, doch im Joballtag merkst du, dass die Bude innerlich am Verfaulen ist. Wenn die Kommunikation nicht auf Augenhöhe läuft, rettet dich am Ende des Tages auch ein höheres Gehalt nicht vor der schlechten Laune.

In eigener Sache: In ihrem Guide „Exit-Strategie: Dein Jobwechsel Guide“ zeigt Karriereexpertin Anne Borrmann, wie du den Absprung ohne Reue meisterst. Auf 48 Seiten erfährst du, wie du deine Kündigung taktisch vorbereitest, das Gespräch mit dem Chef souverän führst und den Job findest, der wirklich zu dir passt. Das Workbook hilft dir, deine Ziele zu klären, bevor du eine Entscheidung triffst, die du später bereuen könntest. Hol dir jetzt den Guide für deinen erfolgreichen Neustart!

Wenn der Chef dich zur Kündigung drängt

Es gibt Fälle, in denen die Kündigung gar nicht dein alleiniger Wunsch war, sondern subtil provoziert wurde. Experten sprechen von „verdeckten Entlassungen“. Dabei nutzen Unternehmen Strategien wie die plötzliche Präsenzpflicht oder den Entzug von Privilegien, um unliebsame Mitarbeiter zur Eigenkündigung zu bewegen und Abfindungen zu sparen. Wer in einer solchen Situation überstürzt das Handtuch wirft, bereut es später meist.

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Lese-Tipp: Wie Chefs ihre Mitarbeiter subtil zur Kündigung drängen

So verhinderst du das bittere Kündigungserwachen

Bevor du kräftig an der Reißleine ziehst, solltest du dir eine Selbstreflexionsphase gönnen. Frage dich ehrlich:

  • Ist es ein temporäres Tief oder ein Dauerzustand? Wer ständig seine Impulse unterdrückt, wird irgendwann aggressiv. Bevor du alles hinschmeißt, versuch den Druck rauszunehmen. Manchmal hilft es schon, Aufgaben mutig abzugeben oder den eigenen Perfektionismus abzulegen. Auch eine bewusste „Tür-zu“-Zeit im Büro oder ein Spaziergang an der frischen Luft können den Kopf klären, bevor du eine Entscheidung triffst, die du morgen bereust.
  • Habe ich im Gespräch alle Karten auf den Tisch gelegt? Nutze das Vorstellungsgespräch aktiv. Frage direkt: „Warum ist die Stelle frei?“. Die Antwort kann dir eventuell Anhaltspunkte geben, ob du einen unglücklichen Vorgänger ersetzt oder eine Chance auf Wachstum hast.
  • Was bin ich wirklich wert? Ein kurzer Check des Marktwertes ist Gold wert. Statt direkt das Weite zu suchen, kannst du diese Info für ein faires Gehaltsgespräch mit dem Chef oder einen internen Jobwechsel nutzen. Aber Achtung: Setz ihm nicht die Pistole auf die Brust. Statt zu drohen, zeig lieber sachlich auf, was du leistest, welche Erfolge du vorzuweisen hast und wo du dich in der Zukunft siehst. 

Merke: Eine Kündigung sollte wohlüberlegt sein. Sicherheit wird hierzulande als höchstes Gut gehandelt. Wer jedoch nur aus Angst vor dem Bereuen in einem Job bleibt, der ihn mürbe macht, nimmt sich selbst die Chance auf eine bessere berufliche Zukunft. Am Ende bist du aber deines eigenen Glückes Schmied – solange du mutig, aber mit kühlem Kopf entscheidest.

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