Der deutsche Kündigungsschutz ist weltweit einzigartig. In den USA oder bei unseren Schweizer Nachbarn beispielsweise, genießen Arbeitnehmer kein solch hohes Privileg der Arbeitsplatzsicherheit. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt scheint diese jedoch auch hierzulande langsam aber sicher abzunehmen. Häufige Jobwechsel werden immer mehr zur Regel als zur Ausnahme. Eine Kündigung ist in erster Linie aber nur eines: lehrreich!

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Mann hat ohne einen Plan B gekündigt und weiß nicht, wie es weiter geht
Photo by Tom Pumford on Unsplash

Inhalt
1. Arbeitsplatzsicherheit scheint aus der Mode zu kommen
2. Lektion 1: Angst ist lähmend!
3. Lektion 2: Pausen sind wichtig!
4. Lektion 3: Sicherheit ist eine Illusion!
5. Lektion 4: Geld ist nicht wichtig!
6. Lektion 5: Reue ist ein schreckliches Gefühl!
7. Lektion 6: Es ist egal, was andere denken!
8. Lektion 7: Der Job ist nicht Ihre Identität!
9. Lektion 8: Sie werden nicht der Erste und nicht der Letzte sein!
10. Lektion 9: Erfolg ist keine Konstante
11. Fazit: Eine Kündigung bringt Sie als Persönlichkeit weiter – garantiert!

Arbeitsplatzsicherheit scheint aus der Mode zu kommen

Kündigung – das klingt in den Ohren vieler Deutscher nach dem Horrorszenario Nummer eins. Aber ist das nicht vielleicht Jammern auf hohem Niveau? Es macht keinen Sinn, den vergangenen Zeiten des Industriebeamtentums nachzutrauern, in welchen der Arbeitnehmer nach der Ausbildung oder dem Studium unbefristet in einem Unternehmen eingestiegen ist und dort das gesamte Dasein seines Berufslebens gefristet hat. Fakt ist: Die Patchwork-Karriere ist schwer im Kommen.

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Seien es der neue Spirit der jungen Generation Y, die globalen Veränderungen in der Geschäftswelt, die Digitalisierung oder eine bunte Mischung aus vielerlei Faktoren – während die Gründe für die aktuellen Entwicklungen vielfältig sind, ist das Resultat dasselbe: Der Arbeitnehmer von heute genießt weniger Arbeitsplatzsicherheit als noch vor wenigen Jahren. Doch jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Was von vielen Betroffenen als Manko wahrgenommen wird, bedeutet auf der anderen Seite ein Plus an persönlicher Freiheit. Experten raten sogar, freiwillig nach spätestens sieben Jahren den Job zu wechseln.

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Millenials werden im Laufe ihres Lebens mindestens fünf verschiedene Jobs haben, heißt es in einer aktuellen Werbung. Schon bald werden wir in einer Gesellschaft der Freelancer leben, tönt es aus der US-amerikanischen Presse. Egal, welche Wahrheit schlussendlich eintreffen wird, erste Tendenzen in Richtung weg von der Arbeitsplatzsicherheit und hin zu einer höheren Kündigungsbereitschaft unter deutschen Arbeitnehmern ist bereits jetzt zu beobachten. Rund 46 Prozent der Berufstätigen in Deutschland planen derzeit einen Jobwechsel innerhalb der nächsten zwölf Monate, lautet das Resultat einer Studie des Personaldienstleisters ManpowerGroup.

Infografik: Fast jeder Zweite ist reif für den Jobwechsel | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Wie viele der Befragten ihre Pläne wirklich in die Tat umsetzen, bleibt abzuwarten. Zahlreiche Menschen bleiben lieber in einer unglücklichen Anstellung, als den Sprung in die Unsicherheit zu wagen. Eine Kündigung ohne Plan B? Undenkbar! Unvernünftig! Riskant! Angsteinflößend! Natürlich gestaltet sich der Übergang vom alten in den neuen Job im Optimalfall fließend. Aber was läuft im Leben schon optimal? Manchmal ist es der Arbeitgeber, der Sie mehr oder weniger überraschend vor die Tür setzt.

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Ein anderes Mal ist es eine Krankheit, welche Sie arbeitsunfähig werden lässt. Und das dritte Mal muss das Unternehmen vielleicht Insolvenz anmelden und der scheinbar so sichere Arbeitsplatz löst sich in Luft auf. Sicherheit ist eine Illusion, von welcher Sie sich schnellstmöglich verabschieden sollten – nicht nur im Berufsleben. Nehmen Sie sich stattdessen ein Beispiel an all jenen Menschen, die vor Ihnen den Mut gefasst und eine Kündigung gezückt haben, und zwar ohne Plan B. Fast immer war die Entscheidung schlussendlich ein großer Glücksfall im Leben. Und immer war sie auf jeden Fall lehrreich. Wir haben deshalb jetzt die wichtigsten Lektionen zusammengetragen, welche Ihnen eine Kündigung ohne Plan B lehren kann:

Lektion 1: Angst ist lähmend!

Sie denken schon länger über eine Kündigung nach? Sie sind in Ihrer aktuellen Anstellung chronisch unglücklich? Sie nehmen vielleicht erste gesundheitliche Beschwerden psychischer oder physischer Art wahr? Dann ist es keinesfalls zu früh für eine Kündigung. Was hält Sie ab? In den meisten Fällen wird Ihre Antwort „Angst“ lauten. Natürlich sollte eine solche Entscheidung gut durchdacht und aus finanzieller Sicht auch durchgerechnet sein. Doch stehen die Zeichen auf Grün, dann wagen Sie den Sprung ins kalte Wasser.

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Einmal unten angekommen, wird die Kündigung gar nicht mehr so angsteinflößend erscheinen und Sie fühlen sich erfrischt und voller Tatendrang für alles, was jetzt kommen mag. Denn viele Betroffene sind gerade durch diese Angst gelähmt. Ihre Energie fließt in die Angst, statt in ihre Bewerbungen, die Selbstständigkeit oder sonstigen beruflichen Zukunftspläne. Sie begeben sich dadurch in eine negative Spirale aus einer sich selbst verstärkenden Angst. Fassen Sie hingegen den Mut, aus diesem Teufelskreis auszubrechen, sich Ihren Befürchtungen zu stellen und dadurch wieder die Kontrolle über Ihr Leben zu übernehmen, lässt der Plan B meist nicht mehr lange auf sich warten. Wieso? Weil Sie, wenn Sie loslassen, beide Hände frei haben für die neuen Chancen, welche sich anschließend für Ihre Karrierelaufbahn ergeben.

Lektion 2: Pausen sind wichtig!

Dass Pausen wichtig sind, kennen Sie gewiss aus eigener Erfahrung. Sie werden viel produktiver sein, wenn Sie an einem Acht-Stunden-Arbeitstag mehrere Pausen einlegen, als wenn Sie von morgens bis abends durchschuften. Doch nicht nur die Pausen „im Kleinen“ sind wichtig, sondern auch die „im Großen“. Das bedeutet: Manchmal ist es besser, zwischen dem alten und dem neuen Job ein paar Wochen oder sogar Monate Pause zu machen. Wenn das Ihre berufliche, private und finanzielle Situation zulässt, könnte dies Ihre einmalige Chance auf ein Sabbatical werden.

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Pausen sind manchmal wichtig, um neue Energie zu tanken, die Prioritäten neu zu ordnen, sich über Entscheidungen klar zu werden oder einfach, um zu leben. Nicht selten sieht der „Plan B“ am Ende der Pause ganz anders aus als noch zu Beginn.

Lektion 3: Sicherheit ist eine Illusion!

Wir sagten es bereits und wiederholen es gerne: Im Leben gibt es keine Sicherheit! Verabschieden Sie sich von der Illusion einer „sicheren“ Arbeitsstelle, von „sicheren“ finanziellen Verhältnissen oder einer „sicheren“ Zukunft. Ihr Arbeitsplatz kann jederzeit Umstrukturierungen zum Opfer fallen. Eine Inflation könnte Ihr Vermögen auffressen. Oder Sie erhalten eine schreckliche Diagnose und all Ihre Zukunftspläne lösen sich innerhalb von Sekunden in Luft auf. Wir wollen keine Schwarzmalerei betreiben. Doch wir möchten Ihnen bewusst machen, dass Sicherheit eine Illusion ist. Fragen Sie sich stattdessen: Wenn Sie nur noch ein Jahr, einen Monat oder eine Woche zu leben hätten, würden Sie auch nur einen weiteren Tag in diesem Job „verschwenden“?

Sicherheit finden Sie schlussendlich nur in sich selbst – in Form von Selbstvertrauen. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben, stellen Sie sich Ihren Ängsten und vertrauen Sie sowohl in Ihre Fähigkeiten als auch darin, dass der „Plan B“ kommen wird und Sie nicht obdachlos unter einer Brücke enden.

Lektion 4: Geld ist nicht wichtig!

Eines der häufigsten Gegenargumente einer Kündigung sind die Finanzen. Viele Menschen begründen, sie könnten sich eine Kündigung schlichtweg nicht leisten. Sie hätten Angst davor, ihren Lebensstandard nicht halten zu können. Der nächste Job könnte schlechter bezahlt sein. Die Selbstständigkeit könnte scheitern. Die Ersparnisse könnten nicht reichen. Wie bereits erwähnt, sollten Sie eine Kündigung natürlich unbedingt vorab durchrechnen. Doch wer bereit ist, hier und dort ein wenig an den Stellschrauben seines Lebensstandards zu drehen, braucht schlussendlich meist viel weniger Geld zum Leben als gedacht. Prüfen Sie deshalb, ob das Geld wirklich nicht reichen würde oder ob Ihr Gegenargument nur ein willkommenes Alibi ist. Geld ist schließlich nicht das Wichtigste im Leben. Die wirklich wichtigen Dinge können Sie stattdessen nicht kaufen:

  • Gesundheit
  • Glück
  • Freiheit
  • Zufriedenheit
  • Familie
  • Liebe
  • Freunde
  • Lebenszeit
  • Geborgenheit
  • Sinn
  • u. v. m.

Wie unwichtig Geld wirklich ist und wie viel zufriedenstellender es sein kann, aus einer belastenden Situation auszubrechen, wieder Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und eine freie Entscheidung zu treffen – auch ohne Plan B – merken viele Menschen erst nach ihrer Kündigung.

Lektion 5: Reue ist ein schreckliches Gefühl!

Eine wichtige Lektion der Kündigung ohne Plan B ist häufig: Reue fühlt sich schrecklich an. Wer einmal den Sprung ins kalte Wasser gewagt und gemerkt hat, dass es vielleicht doch wärmer ist als gedacht, fragt sich nicht selten:

  • Wieso bin ich überhaupt so lange geblieben?
  • Wieso habe ich nicht das Jobangebot vor zwei Jahren angenommen?
  • Wieso habe ich für diesen Arbeitsplatz meine Gesundheit ruiniert?
  • Wieso habe ich so viel Zeit mit meiner Familie verschenkt?
  • Wieso habe ich nicht früher die Notbremse gezogen?

Es ist ein schmaler Grat zwischen einer übereilten Entscheidung und dem Pfad der Reue. Wer einmal gekündigt hat, tut es meist wieder, wenn die Zeit reif ist. Wieso? Um sich nicht irgendwann wieder fragen zu müssen „Wieso…?“. Denn ohne Reue lebt es sich leichter.

Lektion 6: Es ist egal, was andere denken!

„Wieso…?“, das ist eine Frage, die auch Freunde, Familie, Kollegen & Co bei der Entscheidung für eine Kündigung ohne Plan B häufig stellen. Die optimale Gelegenheit also, endlich zu realisieren, dass es vollkommen egal ist, was andere denken. Sie müssen sich nicht rechtfertigen. Es ist Ihr Leben. Es sind Ihre Entscheidungen. Sie werden es sonst sein, der irgendwann unter der soeben genannten Reue leidet. Wer einmal den Mut gefunden hat, sich von der Meinung des sozialen Umfelds loszusagen, findet ihn meist wieder und wieder. Diese neue Freiheit und Selbstbestimmung kann geradezu süchtig machen – weil sie glücklich macht.

Lektion 7: Der Job ist nicht Ihre Identität!

In unserer deutschen Kultur nimmt der Job einen hohen Stellenwert ein. Auf die Frage „Was machen Sie so?“ oder „Wer sind Sie?“ werden die meisten Menschen mit ihrem Beruf antworten. Leider entsteht daraus schon im Kindesalter der Irrtum, der Job wäre Teil der Identität einer Person. Dies ist nicht der Fall! Wer sich über seine Arbeit definiert, leidet häufig unter einem mangelnden Selbstbewusstsein. Dies erklärt, weshalb viele der erfolgreichsten Menschen der Welt narzisstisch oder sogar psychopathisch veranlagt sind.

Lese-Tipp: „Gruselkabinett im Büro: Ist Ihr Chef ein Psychopath?

Wer hingegen über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügt, kann jeden Job der Welt ausüben – oder überhaupt keinen – ohne sich deshalb als besserer oder eben schlechterer Mensch zu fühlen. Wenn die Kündigung also keinen Identitätsverlust mehr bedeutet, erscheint sie gleich viel weniger beängstigend.

Lese-Tipp: „Selbstbewusstsein stärken: Tipps & Übungen für mehr Selbstvertrauen

Lektion 8: Sie werden nicht der Erste und nicht der Letzte sein!

Eine Kündigung ohne Plan B? Seien Sie sich sicher: Sie sind nicht der erste Mensch auf der Welt, der vor dieser Entscheidung steht. Und Sie werden nicht der letzte sein. Einige Ihrer Vorgänger haben sich dafür entschieden, andere dagegen. Wenn Sie sich unsicher sind, sprechen Sie einfach mit ihnen. Die Erkenntnis, nicht alleine zu sein, kann Ihnen viel Mut und Kraft schenken. Wer sich darauf einlässt, erfährt meist viel mehr Unterstützung aus dem sozialen Umfeld – oder auch von bislang völlig Fremden – als jemals gedacht.

Lektion 9: Erfolg ist keine Konstante

Last but not least führt eine Kündigung ohne Plan B häufig zu der Erkenntnis, dass Erfolg nicht konstant, planbar und dauerhaft ist. Es wird stets Phasen in Ihrem Leben geben, in denen alles wie am Schnürchen zu laufen scheint. Und dann wird irgendwann der nächste Abgrund kommen. Haben Sie dieses Hindernis überwunden, haben Sie vielleicht wieder Rückenwind. Zumindest so lange, bis die nächste Hürde kommt. So ist das Leben. Eine Kündigung ist nur eines dieser Hindernisse. Wenn Sie nicht davor zurückschrecken, sondern es überwinden, kann es zu ungeahnten Möglichkeiten führen, welche Sie sonst verpasst hätten:

  • Ein neuer Job.
  • Mehr Geld.
  • Ein glücklicheres Leben.
  • Eine neue Liebe.
  • Mehr Freizeit.
  • Der Umzug in ein fremdes Land.
  • Eine Selbstständigkeit.

Das Leben steckt voller Überraschungen. Wer es positiv beschreitet, statt sich von Angst leiten zu lassen, wird Positives erfahren – oder sich von Negativem einfach weniger einschüchtern lassen. So oder so bedeutet das Leben Veränderung. Viele Menschen haben Angst vor Veränderungen, da sie stets auch eine Verschlechterung bedeuten könnten. Doch auch eine Verbesserung ist eben nur durch Veränderung möglich.

Fazit: Eine Kündigung bringt Sie als Persönlichkeit weiter – garantiert!

Lassen Sie sich also nicht einschüchtern. Dies wird vielleicht nicht Ihr erster und mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht Ihr letzter Jobwechsel im Berufsleben sein. Das Leben ist zu kurz, um Chancen zu verschenken oder dauerhaft in einer belastenden Situation zu verweilen. Lassen Sie sich nicht von Angst leiten, denn Angst ist stets ein schlechter Berater. Sprechen Sie am besten selbst mit einer Person aus Ihrem Umfeld, die den Sprung ins kalte Wasser und die Kündigung ohne Plan B gewagt hat. Fragen Sie nach den wichtigsten Lektionen, welche sie aus diesem Abenteuer mitgenommen hat.

Welche waren das? Wie stehen Sie selbst zur Kündigung ohne Plan B? Oder haben Sie eine solche Erfahrung hinter sich und wie bewerten Sie diese rückblickend? Würden Sie es wieder tun? Was gilt es zu bedenken? Wir bedanken uns für Ihre Anregungen in den Kommentaren!