Immer online, faul, zugleich umwelt- und gesundheitsbewusst, fordernd, verwöhnt: So lautet die weitverbreitete Meinung über die junge „Generation Z“. Was wirklich stimmt und was die Älteren von ihnen lernen können.

Müsste man einen Stereotypen der Gen Z beschreiben, fiele das Ergebnis für die betroffene Generation ernüchternd aus. Die zwischen 1995 und 2010/2012 Geborenen kämpfen mit vielen Klischees. Sie seien faul und fordernd, aber auch internetabhängig und verwöhnt. In den Medien wird die Debatte um den Generationskonflikt lauter. Auch am Arbeitsmarkt und am Arbeitsplatz selbst entstehen Konflikte.

Fakt ist aber: Gen Z ist die Ressource der Zukunft, die Arbeitskraft von morgen und eine Antwort auf den Fachkräftemangel, wenn wir von der natürlichen Dynamik der Wirtschafts- und Arbeitswelt ausgehen.

Eine internationale Studie („Work 2035 – The Born Digital Effect“, Coleman Park Research, Citrix u. Oxford Analytica) beweist, wie wertvoll die Digital Natives für die Wirtschaft sind. Ein Land wäre demnach um 0,9 Prozent ertragskräftiger, sobald der Anteil der Gen Z-ler sich um einen einzigen Prozentpunkt erhöhen würde.

Gen Z: Was ist der Konflikt?

Dass die Post-Millennials umweltbewusst und besonders versiert in Sachen Technologie sind, steht für viele außer Frage. Nicht nur die globale Bewegung „Fridays for Future“, die große Aufmerksamkeit über Social Media erregte, bestätigt das. Sondern auch ihr Einkaufsverhalten – „slow fashion“ ist hier das Stichwort- und die Fähigkeit, relevante Informationen und Daten innerhalb von Sekunden herauszufiltern und im Bedarfsfall gezielt einzusetzen.

Generation X (ca. 1965 bis etwa 1979) hatte es nicht so einfach: Harte Arbeit und Fleiß waren und sind Standard – ohne Google, den heute so bekannten „Freund und Helfer in Not“, mussten sie ebenfalls auskommen. Generation Y (ca. 1980 bis 1994) wurde zwar nicht mit dem Internet geboren, liegt jedoch genau zwischen Gen X und Gen Z – und hat sich in die digitale Welt eingearbeitet.

Die meisten Vorwürfe muss also die Gen Z ertragen: Der soziale Wohlstand hätte sie verwöhnt, sie wären in das gemachte Nest hineingeboren worden, welches die Älteren vorbereitet hätten. Unter Druck würden sie auf der Arbeit „zusammenbrechen“, so das vernichtende Urteil des Headhunters Heiner Thorborgs.

Neid und Missgunst der älteren Generation?

Immer wieder stellt sich die Frage: Ist es der Neid der älteren Generationen, unser aller Missgunst, auf das, was wir uns hart erarbeiten mussten – und die „Jungen“ nun die reifen Früchte der Ernte genießen? Und was bedeutet das für die Arbeitswelt?

Auch wenn Neid und Missgunst vielleicht im Spiel sind. Sie entstehen in der Regel aus dem Gefühl heraus, dass andere das „Bessere“ nicht verdient hätten – und man selbst schon. Aus psychologischer Sicht steckt dahinter ein noch tieferes Gefühl, nämlich die Zweifel am Selbstwert. Es könnte sich deshalb die Frage auftun: „Bin ich (Generation X und älter) es nicht WERT, das zu bekommen, was die anderen haben?“

Es stimmt: Gen Z hängt viel im Internet herum, WLAN und Akku sind essenziell, wo auch immer sie sich aufhalten. Aus materieller und sozialer Sicht müssen sie sich weniger Gedanken um Hab und Gut machen. Sie genießen Bequemlichkeiten, die ältere Generationen nicht hatten.

Hier besteht jedoch die Gefahr der Relativierung. Denn auch Gen Z kämpft:

  • Sie haben Ängste und leiden unter Depressionen wegen der ständigen Vergleiche in Sozialen Medien.
  • Sie kämpfen um Anerkennung und darum, von Älteren ernst genommen zu werden.
  • Sie haben Sorge um die Zukunft des Planeten, der über Jahre hinweg langsam und stetig zerstört wird.

Entwicklungen, die ebenfalls von den Vorgenerationen geprägt worden sind und nun zu Konflikten zwischen den Generationen führen.

Ist Gen Z zu sprunghaft?

Fakt ist: Auch Gen Z hat es mit Leistungs- und Erwartungsdruck zu tun. Zugleich sind Themen wie Selbstliebe und Selbstfürsorge, Empathie und Empowerment wichtig. Dass sie schnell mal das Weite suchen, wenn der Druck zu viel wird, könnte so gedeutet werden, dass sie sich um sich selbst kümmern, wenn sie rechtzeitig „abbrechen“ und sich einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Könnte man so deuten, muss man aber nicht. Denn für Generation X-ler könnte es auch schlicht und ergreifend bedeuten: „Ich habe keine Lust“, oder „Ich bin zu faul und halte auch dem Druck nicht stand!“. Die ältere Generation lebt den Wert der Beständigkeit, die neue den der Wandelbarkeit.

Wichtig: Arbeitnehmer können heute flexibler arbeiten, flexibler kündigen und sich eine neue Stelle suchen. Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Auf alte, starre Strukturen ist Gen Z nicht angewiesen. Auch das verleitet vielleicht dazu, schneller den Arbeitsplatz zu kündigen.

Was erwartet Gen Z von Arbeitgebern?

Den Gen Z-lern wird nachgesagt, sie würden sich wieder festere Arbeitsstrukturen – zumindest geregelte Arbeitszeiten – wünschen.

Eine weitere Behauptung, die zwar nicht unbedingt validiert werden kann, außer durch Umfragen und Beteiligung der Gen Z. Stimmt das aber, ist diese Art von Wunsch gar nicht so fern von dem, was noch vor Generation Y war. Erst mit Generation Y kam der überwiegende Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten und Work-Life-Balance auf.

„Back to the roots“? Möglicherweise. Denn Gen Z soll nicht „nur“ faul, sondern auch verantwortungsbewusst sein. Das Problem ist, dass die Treue ihren eigenen Gruppen, ihren digitalen Peers gilt. So die Vermutung. Sie gelten als sozial engagiert, helfen, wo Hilfe gebraucht wird und leben nachhaltig und umweltbewusst. Das überträgt sich auf die Arbeit. Sie möchten von ihrem Arbeitgeber – natürlich neben einem WLAN-Zugang – auch Folgendes:

  • Sinnhaftigkeit
  • Wertschätzung
  • Führung auf Augenhöhe
  • ein soziales Miteinander, sich wohlfühlen
  • Wandelbarkeit, wo sie gebraucht wird
  • Werte wie Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein

Was, wenn Arbeitgeber an alten Gewohnheiten festhalten?

Sind Arbeitgeber der älteren Generationen nicht bereit, sich den Post-Millennials zu öffnen, stehen Unternehmen vor einem großen Problem. Der Fachkräftemangel nimmt stetig zu und die Arbeitswelt digitalisiert sich zunehmend. Wer sich jetzt querstellt, schießt sich gewissermaßen selbst ins Aus. Flexibilität und Wandelbarkeit werden von Generation X gefordert, bringen autoritäre Chefs aber zugleich in einen Wertekonflikt.

Das bedeutet nicht, eigene Unternehmenswerte komplett aufzugeben. Sondern sich zu fragen, wo der Mittelweg ist, wie weit Arbeitgeber Beschäftigten entgegenkommen können. Nach wie vor hilft nur Kommunikation, Austausch und das Verständnis für die Lebenswelt der anderen.

Zukünftige Führungselite – ist Gen Z fähig?

Dass Gen Z faul und verwöhnt sei, ist die eine Sache, dass sie deshalb keine guten Führungskräfte hervorbringen könne, ist die andere. Yaël Meier ist mit unter 20 Jahren Unternehmerin geworden. Die Schweizerin leitet ein Unternehmen namens Zeam, das anderen zeigt, wie Gen Z tickt. Gelistet wurde sie bereits im Forbes „30 under 30“. Sie führt ein Team an und ist eines der Beispiele dafür, dass Gen Z gründen möchte, um etwas zu verändern.

Die Frage ist also nicht, ob Gen Z führen kann, sondern mit welchem Ziel. Sie sind geprägt von Influencern – so etwas wie die Vorbilder und Führungspersönlichkeiten für Gen Z. Diese setzen so neue Maßstäbe, wirken nicht autoritär, sondern inspirierend, beeinflussend, motivierend. Ob das reicht, um eine neue Führungskultur zu erschaffen, steht offen.

Auch hier gilt: Pauschale Antworten gibt es nicht – denn in jeder Generation gibt es die, die führen wollen und solche, die lieber geführt und gelenkt werden möchten.

Fazit: Was können ältere Generationen lernen?

Konflikte wird es auch in Zukunft geben, denn die Wertvorstellungen der verschiedenen Generationen unterscheiden sich. Die gute Nachricht ist, dass Konflikte immer Potenzial für wertvolle Erkenntnisse bieten.

Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, einen besseren Sinn für die körperliche und seelische Gesundheit haben: Generation Z hat von ihren Eltern gelernt – und sie wollen es besser machen. Deshalb geht die körperliche und seelische Gesundheit über Arbeit. Psychotherapie ist kein Tabu. Für Generation X und älter kaum denkbar – aber vielleicht ein Hinweis darauf, selbst umzudenken und von den Jüngeren zu lernen.

Übrigens: Auch wenn es große Unterschiede zwischen Generation Z und allen anderen Generationen gibt und die Arbeitswelt sich darauf einstellen muss, sind es doch unsere eigenen Brillen, aus denen wir die Andersartigkeit der anderen betrachten. Projektionen unserer eigenen Gefühle sind nicht ausgeschlossen. Offenheit und Empathie sind deshalb durchaus wichtige Werte, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu erkennen – und eine gemeinsame Zukunft zu gestalten.

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