Neid gilt als eine der sieben Todsünden. Genauer genommen die sechste, welche den schön klingenden Namen „Invidia“ besitzt und für nichts Anderes steht als Eifersucht und Missgunst. Dennoch: Neid dürfte ein uns allen bekanntes Gefühl sein. Schließlich ist Eifersucht menschlich und selbst Führungskräfte sind vor dem unangenehmen Stich im Magen nicht gefeit. Doch die Grenzen zwischen Menschlichkeit und „Todsünde“ sind fließend. Und so passiert es leider alles andere als selten, dass der ein oder andere von Neid zerfressene Chef seine Mitarbeiter bewusst zu sabotieren beginnt.

Anzeige
Führungskraft ist eifersüchtig auf seine Mitarbeiter
Bildernachweis: © romero1964 – Fotolia.com

Inhalt
1. „Du sollst nicht begehren…“
2. Eifersucht – Störung oder biologisch verankert?
3. Ein Streich der Psyche: Neid in der narzisstischen Gesellschaft
4. Exkurs: Shakespeares eifersüchtiger „Othello“
5. Warnzeichen: Wenn Führungskräfte ihre Machtposition ausnutzen
6. Tipps: So können Sie das „Othello Boss Syndrome“ verhindern & bekämpfen

„Du sollst nicht begehren…“

Niemand spricht gerne über Gefühle von Neid oder Missgunst. Es handelt sich schließlich um eine „schlechte“ Emotion, die es zu verstecken und für welche es sich zu schämen gilt. Eifersucht ist in der deutschen Gesellschaft nicht toleriert, was mitunter an der weiten Verbreitung des christlichen Glaubens liegen mag. Schon in der Bibel heißt es nämlich:

„Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Weib.
Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Haus, Acker, Knecht,
Magd, Rind, Esel, noch alles, was sein ist.“
(5. Buch Mose)

Zudem ist Neid ein Zeichen von Schwäche, welche im Berufsleben hierzulande nichts verloren hat. Etwas mehr Toleranz genießt die Eifersucht im Privatleben, zum Beispiel in Liebesbeziehungen. Wir möchten keineswegs sagen, dass Neid oder Missgunst endlich akzeptiert werden sollten. Im Gegenteil: In einem professionellen beruflichen Umfeld können sie großen Schaden anrichten. Aber dazu später mehr.

Eifersucht – Störung oder biologisch verankert?

Unsere Intention ist viel eher, Ihnen die Ursachen für die Eifersucht näherzubringen. Denn Eifersucht ist alles andere als eine psychische Störung oder eine Charakterschwäche. Sie ist in uns Menschen biologisch verwurzelt und daher tief in unseren Verhaltensweisen verankert. Sogar Tiere können sich eifersüchtig verhalten. Sie glauben uns nicht? In folgendem Video erfahren Sie noch mehr spannende und überraschende Fakten zum Thema Eifersucht, welche Sie garantiert überraschen werden:

Ja, auch Tiere sind eifersüchtig, denn das Gefühl hängt unmittelbar mit dem Bedürfnis nach Fortpflanzung zusammen. Ziel ist es in der Natur schließlich immer, dass nur die „besten“ Gene weitergegeben werden. Im Tierreich ist Eifersucht vor allem bei den Männchen zu beobachten und auch bei den Menschen neigen eher die Männer zum ständigen Kräftemessen mit den „Rivalen“. Doch die Frauen der Schöpfung sind natürlich ebenso eifersüchtig und missgünstig – sie äußern es nur anders. Hier sind vermehrt Lästereien, Intrigen oder Selbstmitleid an der Tagesordnung.

Anzeige

Ein Streich der Psyche: Neid in der narzisstischen Gesellschaft

Doch nicht nur biologisch hat der Mensch eine Veranlagung zur Eifersucht, sondern auch die Psyche trägt einen Teil dazu bei. Wie Sie im Video bereits erfahren haben, neigen vor allem Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl zu Neid und Missgunst. Je mehr ein Mensch sein Selbstbewusstsein also von äußeren Faktoren abhängig macht, seien sie materieller oder sozialer Art, umso mehr vergleicht er sich mit seinen Mitmenschen. Viele von uns wünschen sich zudem, für mindestens einen anderen Menschen etwas „Besonderes“ zu sein. Der oder die eine Auserwählte.

„Eifersucht ist Liebesneid.“
(Wilhelm Busch)

Kommt eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hinzu, wollen die Betroffenen sogar generell „besser“ sein, weshalb sie sich besonders missgünstig verhalten. Und gerade von diesen Narzissten und Psychopathen – bei welchen Neid und Eifersucht schnell krankhafte Ausmaße annehmen – gibt es in den Führungsetagen leider eine Menge.

Lesetipp:Gruselkabinett im Büro: Ist Ihr Chef ein Psychopath?

Wenn also jemand Zurückweisung erlebt oder befürchtet, dass ein Konkurrent „besser“, reicher oder mächtiger werden könnte – zum Beispiel in eine höhere Führungsposition aufsteigt – kann es zu starken Gefühlen von Neid kommen. Ein manipulativer Psychopath ergreift dann kurzerhand Maßnahmen, um den Rivalen „aus dem Weg zu räumen“, zum Beispiel durch Mobbing. In den USA wird dieses Verhalten auch „The Othello Boss Syndrome“ genannt.

Exkurs: Shakespeares eifersüchtiger „Othello“

„Othello“ heißt ein berühmtes Theaterstück von William Shakespeare aus den Jahren 1603-1604, eine klassische Eifersuchts-Tragödie. Der namensgebende Othello ist ein dunkelhäutiger Feldherr, welcher entgegen des Wissens ihres Vaters seine große Liebe Desdemona heiratet. Als er jedoch den unerfahrenen Cassio anstelle des Fähnrichs Jago zum Leutnant befördert, entscheidet sich Jago aufgrund seiner Eifersucht zur Rache: Er macht Othello glaubhaft, seine geliebte Ehefrau Desdemona hintergehe ihn mit dem neuen Leutnant Cassio.

„Bewahrt Euch, Herr,
vor Eifersucht, dem grüngeäugten Scheusal,
das besudelt die Speise, die es nährt.”
(Shakespeare, Jago in Othello III,3)

In rasender Eifersucht erdrosselt Othello seine Desdemona. Als Jago jedoch verhaftet wird und die Unwahrheit seiner Intrige ans Licht kommt, ersticht sich Othello selbst, um nicht mit den Schuldgefühlen leben zu müssen.

Warnzeichen: Wenn Führungskräfte ihre Machtposition ausnutzen

Kommt es im Berufsleben zu solch einer „Othello-Konstellation“, in welcher eine Führungskraft eifersüchtig auf ihren Mitarbeiter ist, kann dies durchaus dazu verleiten, dass der Chef seine Machtposition schamlos ausnutzt. Für das „Opfer“ bedeutet dies eine echte Zwickmühle, schließlich erschwert das Machtgefälle seine Verteidigung und er fürchtet häufig den Jobverlust. Dringende Warnzeichen für eine solche Situation können sein:

Warnzeichen: Wenn Führungskräfte ihre Machtposition ausnutzen
Bild: Arbeits-ABC/Canva.com

Lesetipp:Straining: Tipps beim Mobbing durch Langeweile im Job

Schrillen jetzt Ihre Alarmglocken und Sie vermuten, dass Ihr Vorgesetzter – aus welchem Grund auch immer – auf Sie eifersüchtig sein könnte und Sie eventuell bewusst sabotiert, um einen weiteren Aufstieg in der Hierarchie zu vermeiden oder Sie gar gänzlich aus dem Unternehmen zu verjagen? Dann haben wir eine gute Nachricht für Sie: Es gibt durchaus Möglichkeiten, wie Sie sich vor Neidern schützen und gegen einen eifersüchtigen Chef wehren können.

Tipps: So können Sie das „Othello Boss Syndrome“ verhindern & bekämpfen

Im schlimmsten Fall kann die Eifersucht eines Vorgesetzten auf seinen Mitarbeiter in Mobbing beziehungsweise Bossing enden. Einmal eskaliert, lässt sich ein solch verfahrener Konflikt kaum noch lösen. Je früher Sie ein „Othello Boss Syndrome“ erkennen, umso erfolgversprechender sind daher Ihre Gegenmaßnahmen. Also halten Sie Ihre Augen offen und gehen Sie im Fall der Fälle wie folgt vor:

  1. Bleiben Sie stets in Alarmbereitschaft, um Neid oder Missgunst bei Ihrem Vorgesetzten zu erkennen.
  2. Notieren Sie erste Anzeichen für das „Othello Boss Syndrome“ und gehen Sie in die Beobachterrolle. Eventuell setzt bei der Führungskraft noch Vernunft ein und der Konflikt flaut von selbst wieder ab.
  3. Sollte dies nicht geschehen, suchen Sie so früh wie möglich das Vieraugengespräch mit dem Vorgesetzten.
  4. Treten Sie bescheiden, aber nicht unterwürfig auf. Machen Sie deutlich, dass Sie die Kompetenz sowie die hierarchische „Übermachtstellung“ des Vorgesetzten anerkennen und ihn respektieren. (Sprechen Sie ihn niemals direkt auf seine Eifersucht an, er wird sie ohnehin verleugnen!)
  5. Zeigen Sie sich kritikfähig und fragen Sie die Führungskraft, ob Sie ein konkretes Verhalten ändern sollten (eventuell haben Sie die Eifersucht unbewusst durch dieses Verhalten ausgelöst).
  6. Üben Sie sich in Großmut. Wenn Sie anderen Mitarbeitern – egal ob Führungskraft, Teammitglied oder Praktikant – ihre Erfolge gönnen, werden Sie nicht nur beliebter, Sie reduzieren auch eine mögliche Eifersucht, sobald Sie selbst Erfolge verzeichnen.
  7. Fragen Sie Ihren Chef um Rat. So drücken Sie aus, dass Sie seine Expertise anerkennen und er (zumindest in diesem Fall) „klüger“ ist als Sie selbst. Auch, wenn Sie die Antwort vielleicht bereits vorher kennen: Hin und wieder den Vorgesetzten nach seiner Meinung zu fragen, kann Eifersucht drastisch reduzieren. Dass Sie hierbei auf einen kleinen Manipulationstrick zurückgreifen, braucht er ja nicht zu erfahren.

Sie sehen: Ein „Othello Boss Syndrome“ lässt sich am besten verhindern, indem Sie Ihrem Vorgesetzten das Gefühl geben, Sie seien „auf seiner Seite“. Versuchen Sie den Teamgedanken in ihm zu wecken und ihm ein wenig zu schmeicheln. Sobald Sie sich aber unwohl fühlen – Stichwort: Schleimer, Streber oder A****kriecher – hören Sie damit auf. Ansonsten verlieren Sie Ihre Authentizität und können sich irgendwann nicht einmal mehr selbst im Spiegel anblicken. Bewahren Sie Ihre Würde und seien Sie selbstbewusst genug, im Notfall um eine interne Versetzung zu bitten oder sich eine neue Anstellung in professionellerer Atmosphäre zu suchen. Selbiges gilt, wenn der Neid Ihres Vorgesetzten mehr und mehr in Bossing mündet.

„Die Eifersucht ist eine Leidenschaft,
die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“
(Franz Grillparzer)

Waren auch Sie als Führungskraft schon einmal eifersüchtig auf Mitarbeiter und weshalb? Oder mussten Sie als Angestellter die schmerzhafte Erfahrung eines neidischen Vorgesetzten machen? Wie hat die Geschichte geendet? Haben Sie sich erfolgreich gewehrt oder doch lieber die Flucht ergriffen? Wir freuen uns auf all Ihre Tipps für die betroffenen Leser in den Kommentaren.

Anzeige

Ihr Kommentar zum Thema