Dein Arbeitgeber will dich subtil aus dem Unternehmen schubsen? Quiet Firing nennt sich dieser passiv-aggressive Kündigungs-Trend, der dafür sorgt, dass Arbeitnehmer schnell und freiwillig das Unternehmen verlassen.

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„Quiet Firing“, das „leise Feuern“, macht in den Medien immer wieder die Runde. Und bereitet immer mehr Beschäftigten Kummer, weil sie das Muster kennen: Arbeitgeber sorgen indirekt dafür, dass Mitarbeiter freiwillig das Unternehmen verlassen. Vorgesetzte und Chefs schlüpfen in eine passive Rolle, weil sie nicht den aktiven Schritt gehen möchten, einen Mitarbeiter zu entlassen. Lieber setzen sie alles daran, diesen fast leise und unauffällig zu vergraulen.

Warnsignale: Sechs Anzeichen, dass ich „leise“ gefeuert werde

Da das Verhaltensmuster oft subtil ist, wird nicht sofort deutlich, ob Unternehmen bestimmte Mitarbeiter „loswerden“ wollen – oder einfach ein internes Problem in der Firma haben, welches für intransparente, zweideutige und veraltete Strukturen sorgt.

Kommen mehrere dieser Warnsignale zusammen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Arbeitnehmer leise gefeuert werden:

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  1. Wenig Geld: Eine Gehaltserhöhung wird seit Jahren verwehrt.
  2. Sinnlose Beschäftigung: Er oder sie wird lediglich mit „busy work“ beschäftigt – also Aufgaben, die nicht wirlich notwendig sind, aber zeitliche Lücken ausfüllen.
  3. Andauernde Terminverschiebungen: Gespräche mit dem Betroffenen werden sehr häufiger verlegt und nicht ernst genommen. 
  4. Wenig Teilnahmemöglichkeiten: Die Chance, an wichtigen und prestigeträchtigen Arbeitsprojekten und Meetings teilzunehmen, wird diesem bestimmten Mitarbeiter nicht gegeben.
  5. Wenig Wertschätzung: Die Anerkennung und ein Lob fehlt völlig; es gibt auch keine Option, aufzusteigen.
  6. Distanz: Vorgesetzte wirken dem Betroffenen gegenüber unverbindlich und abweisend.

Seit wann gibt es den Trend Quiet Firing?

Ob das Verhalten neu ist? Wohl eher nicht. Seit etlichen Jahren gibt es dieses Muster, welches Beschäftigten in der Arbeitspraxis Kummer bereitet. Um ein Trendthema handelt es sich aber, weil ein neues Bewusstsein für die Problematik entwickelt wird. Angestellte in einem Unternehmen können besser einschätzen, was da passiert, weil heute in der breiten Öffentlichkeit auf diese passiv-aggressive Verhaltenspraxis aufmerksam gemacht wird. Gerade, weil unzählige Menschen davon betroffen sind.

Gut zu wissen: Zunächst ging das sogenannte „Quiet Quitting“ in den sozialen Medien viral, das ähnlich klingt, aber anders ist. Von „leiser Kündigung“ ist hier die Sprache, wenn Beschäftigte eine innere Haltung annehmen, die ihr eigenes Wohlbefinden und die mentale Gesundheit über den Job stellt. Sie erledigen ihre Aufgaben innerhalb ihrer Arbeitszeit – und das war es schon. Keine Überstunden, keine zusätzlichen To-dos nach Feierabend, keine Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit, einfach nichts über das normale Arbeitspensum hinaus. Die eigene Arbeitsleistung wird heruntergeschraubt, indem nur das erledigt wird, was wirklich notwendig ist.

Während quiet quitting also dafür sorgt, deine mentale Gesundheit zu schützen, kann quiet firing Beschäftigte eher in Kummer, Schmerz und sogar in den Wahnsinn treiben. Umso wichtiger, gut aufzupassen – und subtile Signale vom Arbeitgeber richtig zu deuten.

Quiet Firing: Warum macht mein Chef das?

Denkbar sind zwei mögliche Motive seitens der Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter bis in die Kündigung treiben, diese also „leise und subtil feuern“:

Motiv 1: Das Unternehmen möchte keine Abfindung zahlen

Geld zu sparen, ist fast immer ein Motiv, um krumme und fiese Wege zu gehen. Wenn das Unternehmen einen Mitarbeiter loswerden möchte, aber nicht einsieht, hierfür finanziell aufzukommen, bleibt nur das leise Feuern.

Es gibt heute zwar keinen Rechtsanspruch auf eine Abfindungszahlung. Aber möglicherweise ist diese bei dir im Arbeitsvertrag geregelt. In solchen Fällen möchten Unternehmen es vermeiden, diese zahlen zu müssen – und setzen auf quiet firing.

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Motiv 2: Der Vorgesetzte hat selbst schon innerlich gekündigt

Ein direkter Vorgesetzter hat selbst „leise“ gekündigt und geht seiner derzeitigen Aufgabe als Manager nur halbherzig nach. Der Körper ist anwesend, der Geist nicht. Führung findet nicht mehr richtig statt, sodass Arbeitnehmer schnell das Gefühl bekommen, keine Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Entwicklungschancen zu erhalten.

Wenn Vorgesetzte leise kündigen, äußert sich diese innere Einstellung genauso wie bei Angestellten. Wer zum leisen „Quitter“ wird, führt nur noch die notwendigsten Aufgaben durch, macht pünktlich auf die Minute Feierabend und verschwendet keine Zeit mehr, um Extra-Aufgaben zu erledigen. Arbeit findet auf Sparflamme statt – und die hierdurch gewonnene Energie wird in die mentale Gesundheit und das Privatleben oder andere Dinge investiert.

Motiv 3: Vorgesetzte haben Angst vor Konflikten

Jemanden leise zu kündigen, ist ein äußerst passives Verhalten. Manchmal steckt hinter diesem Verhalten die Angst vor dem Konflikt. Wer als Chef die Verantwortung nicht übernehmen möchte, um eine Kündigung auszusprechen oder endlose Gespräche zu führen, wählt den einfachen Weg. Mitarbeiter werden subtil so weit ins Abseits getrieben, dass sie selbst endlich gehen wollen – und schließlich doch kündigen. Diese Aufgabe muss der Boss nun nicht mehr übernehmen und ist fein raus.

Motiv 4: Der Vorgesetzte greift nicht durch

Dieser Punkt ist eng verwandt mit der Angst vor dem Konfliktgespräch. Einige Chefs bringen es nur schwer übers Herz, Klartext zu reden und Mitarbeitern ehrlich und auf Augenhöhe mitzuteilen, was nicht funktioniert und dass die Arbeitsleistung vielleicht nicht stimmt. Wer nicht durchgreifen kann, weil die Fähigkeit dazu fehlt, wählt ebenfalls den passiven Weg.

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Was können Beschäftigte dagegen tun?

Du bist selbst davon betroffen und merkst, dass dich dein Unternehmen vielleicht aus dem Betrieb drengen will? In zwei Schritten findest du heraus, ob du mit deinen Gedanken richtig liegst.

Schritt 1: Führe ein Vertrauensgespräch mit anderen Mitarbeitern

Geht es deinen Kollegen ähnlich wie dir? Wenn ein Großteil der Mitarbeiter feststellt, dass die Führungskräfte sich irgendwie seltsam verhalten, kann es schlicht und ergreifend an einer toxischen Arbeitskultur liegen. Das ist es nicht unbedingt leises Feuern.

Wenn du dich den anderen jedoch anvertraust und merkst, dass nur du betroffen bist, könntest du richtig liegen: Möglicherweise stimmt etwas nicht und dein Arbeitgeber versucht dich aus dem Unternehmen zu drängen. Das ist zwar bitter, zugleich bekommst aber etwas Gewissheit.

Schritt 2: Suche das Gespräch mit deinen Vorgesetzten

Du kommst nicht drumherum: Wenn du ganz sicher sein möchtest, solltest du mit deinem Chef Klartext sprechen. Die offene Kommunikation verhindert eventuelle Missverständnisse.

Bleibe professionell. Aber rede auch nicht „um den heißen Brei“ herum. So brichst du endgültig das passive Schweigen, welches zwischen dir und deinem Vorgesetzten steht. Wenn du das Gefühl hast, ungerecht behandelt zu werden, bei Beförderungen nicht berücksichtigt zu werden, Aufgaben zu bekommen, die dich unterfordern, hast du das Recht, endlich die Gründe zu erfahren. Im schlimmsten Fall bewahrheiten sich deine Befürchtungen.

Aber im besten Fall stellst du fest, dass es sich vielleicht um ein strukturelles Problem handelt, welches wenig mit dir zu tun hat. Und auch das hat seine Vorteile. Denn für Unternehmen wird es spätestens jetzt höchste Zeit, etwas zu verändern.

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Wichtig ist, sich im Unternehmen willkommen zu fühlen

Für Arbeitnehmer lohnt es sich nicht immer, um ihren Job zu kämpfen, wenn sie nicht wirklich im Unternehmen willkommen sind. Denn die allgemeine Arbeitsatmosphäre und das Verhältnis zum Chef, sowie den Kollegen sind wichtige Faktoren, um fokussiert und motiviert zu bleiben. Stimmen diese Faktoren nicht, ist es legitimund verständlich , den Job zugunsten eines anderen aufzugeben.

Wenn du tatsächlich leise subtil im form von Quiet Firing aus dem Unternehmen gedrängt wirst, solltest du dir gut überlegen, ob du wirklich bleiben oder lieber gehen möchtest. Wie auch immer du dich entscheidest – es gibt ausreichend Arbeitgeber und Unternehmen mit gesunden Arbeitskulturen, die deine Arbeitskraft, gerade weil so viele Fachkräfte fehlen, zu schätzen wissen und dich mit offenen Armen begrüßen.

Bild: Andrii Bicher/istockphoto.com