Wörter wie Psycho-Tricks, Manipulation oder Psycho-Spiele sorgen erst einmal für Entrüstung. Kein Mensch wird schließlich gerne manipuliert. Das Problem an der Sache ist nur: Psycho-Tricks gehören zum Alltag und ob Sie es wollen oder nicht – Sie werden tagtäglich manipuliert, im Privat- sowie Berufsleben und von vielen verschiedenen Personen. Dies geschieht in der Regel unwillkürlich und resultiert aus in der Kindheit erlernten Verhaltensmustern. Auch Sie wenden regelmäßig Psycho-Tricks an, seien sie bewusst oder unbewusst – garantiert! Wieso also sollten Sie die harmlosen Psycho-Spiele nicht nutzen, um Ihre Ziele zu erreichen oder beliebter zu werden?

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Psycho-Tricks gehören zum Arbeitsalltag dazu.
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Inhalt
1. Manipulation gehört zum Menschsein
2. Menschen sind Sozialwesen – und Meister der Psycho-Spiele
3. Reflektieren Sie Ihre individuellen Psycho-Tricks
4. 8 harmlose Psycho-Spiele für den Berufsalltag
5. Psycho-Spiel 1: Imitation
6. Psycho-Spiel 2: „Foot in the Door“
7. Psycho-Spiel 3: Vorleistung
8. Psycho-Spiel 4: Komplimente
9. Psycho-Spiel 5: Geheimnisse
10. Psycho-Spiel 6: Massendruck
11. Psycho-Spiel 7: Mächtiges „Nein“
12. Psycho-Spiel 8: Rarität

Manipulation gehört zum Menschsein

Wenn Sie sich nun entrüstet gegen die Behauptung wehren möchten, Sie würden im Alltag Ihr soziales Umfeld manipulieren, haben wir einige anschauliche Beispiele für Sie:

  • Das Kind, welches die Süßigkeiten an der Kasse nicht bekommt und sich deshalb trotzig auf den Boden setzt.
  • Die Frau, welche ihren Mann mit Liebesentzug „bestraft“, weil er den Müll nicht rausgebracht hat.
  • Der Chef, welcher die Motivation des Mitarbeiters dadurch erhöhen möchte, dass er ihm eine Beförderung oder Gehaltserhöhung in Aussicht stellt.
  • Das Pärchen im Club, welches bewusst „fremdflirtet“, um ein wenig Eifersucht und neues Prickeln in die eingefahrene Beziehung zu bringen.
  • Die Sekretärin, welche der neuen Kollegin ein kleines Willkommensgeschenk mitbringt, um bei ihr einen Stein im Brett zu haben.

Wir könnten diese Liste ewig weiterführen. Fakt ist einfach: Wann immer hinter Ihrem Handeln ein Hintergedanke steckt, findet eine Form der Manipulation statt. Sie würden Ihre Mitmenschen also nur dann niemals Ihren Psycho-Spielchen unterwerfen, wenn Sie zu jeder Sekunde an jedem Tag 100-prozentig selbstlos handeln würden. Hand aufs Herz: Trifft das auf Sie zu? Vermutlich wird es kaum einen Menschen geben, der diese Frage besten Gewissens bejahen kann.

Definition: Manipulation beschreibt eine „Form der Beeinflussung anderer Personen zum eigenen Vorteil“, wie sie beispielsweise in der Werbepsychologie eingesetzt wird.

(Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon)

Schlussendlich möchten wir eben, dass der Partner in unserem Sinne handelt und am Freitagabend mit uns ins Kino geht, auch wenn ihm persönlich die gemütliche Runde unter Freunden vielleicht mehr Spaß machen würde. Wir wollen, dass unser Gegenüber sich über ein Geschenk freut, sich bedankt und uns vielleicht ein bisschen mehr mag als ohnehin schon. Oder wären Sie nicht sauer, wenn nicht einmal ein „Danke“ käme? Vielleicht sogar Kritik am Geschenk oder an Ihrer Person? Und schlussendlich wünschen wir uns für die erbrachten Leistungen am Arbeitsplatz auch Wertschätzung, Anerkennung und vielleicht sogar einen beruflichen Aufstieg.

Menschen sind Sozialwesen – und Meister der Psycho-Spiele

Dass (fast) alle Menschen ihr soziales Umfeld manipulieren, hängt schlichtweg mit unserer Geschichte zusammen. Menschen sind Sozialwesen. Das war früher für unsere „Spezies“ überlebenswichtig und hat sich bis heute nicht geändert. Qualitativ hochwertige soziale Beziehungen sind der wichtigste Glücksfaktor im Leben eines Menschen. Dementsprechend ist Einsamkeit ein Garant für Unglück, der sogar bis zum Tod führen kann.

Lese-Tipp: Remote Work: Telearbeit fördert Einsamkeit – und kann tödlich enden

Es liegt also in unseren Instinkten, dass wir mit anderen Personen gut auskommen wollen. Gleichzeitig droht in jeder sozialen Gruppierung auch immer das Individuum unterzugehen. Wer sich nicht gegen „Stärkere“ durchzusetzen lernt, wird schnell ausgenutzt oder übergangen. Dies trifft sowohl im Job als auch in allen anderen Lebensbereichen zu. Deshalb entwickeln wir bereits im Kindesalter Mechanismen, um unseren Willen gegen „Stärkere“ – damals die Eltern oder Geschwister – durchzusetzen. Und da wir mittlerweile zum Glück kultiviert genug sind, solche „Machtspielchen“ nicht (immer) durch körperliche Auseinandersetzungen auszutragen, entwickelt eben stattdessen jeder Mensch seine individuellen Manipulationsstrategien, beispielsweise emotionale Erpressung, Mitleid, Trotz, Schmeicheleien, Appell an das Gewissen und und und…

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Reflektieren Sie Ihre individuellen Psycho-Tricks

Halten Sie in nächster Zeit die Augen offen und achten Sie bewusst auf Psycho-Spiele – sowohl bei sich selbst als auch in Ihrem sozialen Umfeld.

Lese-Tipp: Manipulation im Job: So durchschauen Sie die Psycho-Tricks der Chefs

Lernen Sie, zwischen negativer und harmloser Manipulation zu unterscheiden und legen Sie schädliche Verhaltensweisen ab. Dennoch kann es spannend sein, ein wenig mit Psycho-Spielen zu experimentieren. Es gibt nämlich durchaus auch eine positive Form der Manipulation. Sie können zum Beispiel mehr über die Verhaltensweisen und den Charakter Ihres Gegenübers erlernen oder es dazu bringen, dass es Sie (mehr) mag. Klingt spannend? Ist es auch. Wir haben deshalb jetzt acht Psycho-Tricks für Sie zusammengetragen, die Sie guten Gewissens im Berufsleben austesten können – und die vielleicht Ihr Bewusstsein für das Thema der psychologischen Manipulation schärfen.

8 harmlose Psycho-Spiele für den Berufsalltag

Diese acht Psycho-Spielchen helfen Ihnen dabei, Ihre beruflichen Ziele zu erreichen. In erster Linie sorgen sie aber dafür, dass Ihre Kollegen und Vorgesetzten Sie mehr mögen, dadurch eine bessere Arbeitsatmosphäre entsteht und Sie gemeinsam an einem Strang ziehen. Aber übertreiben Sie es bitte nicht, denn Manipulation ist und bleibt ein schmaler Grat!

Psycho-Spiel 1: Imitation

Imitieren Sie Ihr Gegenüber. Das bedeutet: Machen Sie unauffällig kleine Gesten Ihres Gesprächspartners nach, nehmen Sie dessen Körperhaltung ein oder wiederholen Sie dessen Gesagtes. Die Betonung liegt auf „unauffällig“. Ihr Gegenüber soll die Imitation nicht bewusst wahrnehmen. Stattdessen reagieren seine Spiegelneuronen auf Ihre Imitation und es entsteht bei ihm ein Gefühl der Sympathie, dessen Herkunft er sich selbst nicht erklären kann. Dieser Mechanismus nennt sich Resonanzphänomen und resultiert aus den sogenannten Spiegelneuronen.

Lese-Tipp: Resonanzphänomen: Beliebt werden leichtgemacht!

Auch, wenn diese Art der Imitation für Sie erst einmal befremdlich klingt, gehört sie eigentlich zum Alltag. Die Spiegelneuronen sorgen unbewusst dafür, dass wir Menschen – vor allem jene, die wir sympathisch finden – imitieren. Dadurch fühlt sich Ihr Gegenüber verstanden sowie ernstgenommen und empfindet ebenfalls ein höheres Maß an Sympathie. Probieren Sie es einfach aus und achten Sie im nächsten Meeting bewusst darauf, welche Personen im Raum vielleicht Ihre Sitzhaltung imitieren

Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung.

(Oscar Wilde)

Psycho-Spiel 2: „Foot in the Door“

Die sogenannte „Foot-in-the-Door-Technik“ ist ebenfalls ein Mechanismus, den Sie gewiss schon öfter unbewusst angewendet haben. Sie ist eigentlich recht simpel: Bitten Sie einen Menschen um einen Gefallen. Beginnen Sie dabei mit winzigen Kleinigkeiten, die Ihr Gegenüber quasi überhaupt nicht ausschlagen kann. Die Krux bei der Sache ist, dass die Person zwar Ihnen einen Gefallen erbringt, sich aber selbst dadurch wertgeschätzt fühlt. Dass Sie ihre Hilfe beziehungsweise ihren Rat suchen, zeugt für sie von Vertrauen und erhöht dadurch ihr Selbstwertgefühl.

Lese-Tipp: 10 Anzeichen, die nur Menschen mit einem mangelnden Selbstbewusstsein haben

So seltsam es klingen mag, entsteht dadurch also eine Art Win-Win-Situation. Sein positives Selbstbild als „Helfer“ sorgt anschließend dafür, dass dieser Mensch Ihnen auch weitere, größere Gefallen mit höherer Wahrscheinlichkeit erfüllen wird. Aber übertreiben Sie es bitte nicht. Bieten auch Sie stattdessen bei Bedarf Ihre Hilfe an. So funktioniert wahres Teamwork!

Psycho-Spiel 3: Vorleistung

Ein weiteres Psycho-Spiel, welches mit Gefallen zu tun hat, ist die Vorleistung. Wenn Sie also einem Menschen etwas „geben“, sei es ein Gefallen, ein Geschenk oder einfach Ihre Zeit und Hilfsbereitschaft, gerät dieser automatisch in die Defensive. Die meisten Personen mögen kein solches „Ungleichgewicht“ und bestehen deshalb darauf, Ihnen ebenfalls einen solchen Gefallen zu erbringen, ein Geschenk zu geben oder sich in anderer Art und Weise zu revanchieren. Wenn Sie in Zukunft von einem Menschen also etwas wollen, gehen Sie doch erst einmal in diese Vorleistung. Das Leben besteht bekanntlich aus dem Geben und Nehmen.

Psycho-Spiel 4: Komplimente

Haben Sie schon einmal einem Menschen Komplimente gemacht? Dann haben Sie ihn genau genommen manipuliert. Wenn Ihnen zum Beispiel auffällt, dass der Kollege abgenommen hat, und Sie das mittels Kompliment ausdrücken, zeugt das für Ihr Gegenüber von Aufmerksamkeit und Interesse. Er merkt, dass Sie ihm wohlgesonnen sind und wird Sie unmittelbar als sympathischer einstufen.

Lese-Tipp: Mit diesen 11 Tipps wirken Sie auf jeden Menschen extrem sympathisch – nicht nur im Job

Allerdings funktioniert das nur bei ernst gemeinten Komplimenten. Wenn Sie ab sofort jede Person, die Ihren Weg kreuzt, mit Komplimenten überschütten, wirken Sie eher „schleimig“, falsch und als hätten Sie bei Ihren netten Worten egoistische Hintergedanken. Auch hierbei kommt es also auf das richtige Maß an!

Psycho-Spiel 5: Geheimnisse

Wenn Sie einem Menschen in kürzester Zeit auf einer freundschaftlichen Ebene näherkommen möchten, teilen Sie ihm einfach ein Geheimnis mit. Dadurch entsteht das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Dass Sie genau dieser Person Ihr Geheimnis mitteilen, zeugt von Vertrauen und erweckt dadurch bei Ihrem Gegenüber Sympathie. Sie haben das Gefühl einer „besonderen Verbindung“. Im Berufsleben sollten Sie aber natürlich darauf achten, dass es sich um ein unverfängliches Geheimnis handelt. Denn schlussendlich müssen Sie immer damit rechnen, dass es eventuell doch früher oder später ans Tageslicht kommt – und dann sollte es nicht peinlich werden oder sogar gefährlich für Ihre Karriere.

Psycho-Spiel 6: Massendruck

Je mehr Menschen ein Ziel verfolgen, umso attraktiver wirkt dieses auch auf andere. Das ist schlichtweg Fakt und Ergebnis unserer Evolution. Menschen sind Herdentiere und schwimmen deshalb nur ungerne gegen den Strom.

Lese-Tipp: Wer Chef werden will, muss zur „Herde“ passen

Nehmen wir einmal an, Sie möchten zur Führungskraft befördert werden. Sie müssen nun also „nur“ Ihre Teamkollegen und Vorgesetzten davon überzeugen, dass diese Entscheidung für alle Beteiligten Vorteile mit sich brächte. Je mehr Personen Ihr Vorhaben unterstützen, umso attraktiver wird es auch auf Außenstehende wirken – vielleicht sogar den schlussendlichen Entscheidungsträger. Lernen Sie also, „Verbündete“ für Ihre Vorhaben zu gewinnen und Sie werden in Zukunft all Ihre Ziele mit höherer Wahrscheinlichkeit sowie schneller erreichen. Dies gilt für große Erfolge ebenso wie für kleine Vorhaben.

Psycho-Spiel 7: Mächtiges „Nein“

Sie sind immer gut drauf und haben stets einen Witz auf Lager? Dann sind Sie gewiss beliebt, doch Ihre Karriere könnte ins Stocken geraten. Zwar fühlen sich Menschen von positiven Persönlichkeiten angezogen, welche ihren Arbeitsalltag auflockern und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, neigen aber dazu, diese nicht ganz ernst zu nehmen. Ein Kandidat auf die Beförderung ist der Büroclown nicht unbedingt. Wenn Sie also beruflich erfolgreich sein möchten, zeigen Sie auch manchmal Ihre ernste und autoritäre Seite. Ein deutliches „Nein“ kann dabei bereits kleine Wunder bewirken und Sie werden direkt merken, wie Ihnen mehr Respekt entgegengebracht wird.

Lese-Tipp: Lernen Sie, Nein zu sagen: Grenzen setzen im Beruf, ohne zu verletzen

Psycho-Spiel 8: Rarität

Was in Hülle und Fülle vorhanden ist, wird uninteressant. Was selten ist, wissen Menschen mehr zu schätzen. Auch das liegt in ihrer Natur. Dies funktioniert mit materiellen Dingen ebenso wie mit immateriellen oder eben Personen. Wenn Sie also mehr wertgeschätzt werden möchten, machen Sie sich manchmal vom Acker. Verbringen Sie die Mittagspause mit einem Kollegen im Café, statt immer mit allen anderen in der Kantine. Nehmen Sie nur an für Sie wichtigen Meetings teil und seien Sie zeitlich nicht stets verfügbar. Dadurch wirken Sie direkt interessanter und „wichtiger“. Aber übertreiben Sie es nicht, sonst werden Sie zum Außenseiter und erreichen genau das Gegenteil Ihrer eigentlichen Intention. Hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt.

Welche weiteren harmlosen Psycho-Spiele kennen Sie? Inwiefern beobachten Sie solche Formen der bewussten oder unbewussten Manipulation an Ihrem Arbeitsplatz? Wo liegt für Sie die Grenze zwischen Spielerei und Ernst? Vielen Dank für Ihre Kommentare!