Wer möchte nicht gerne beliebt sein? Als sympathisch wahrgenommen werden? Oder seine Kollegen beim Klatsch und Tratsch dabei erwischen, wie sie etwas Positives über Sie sagen? Der Mensch ist ein Sozialwesen und sehnt sich nach der Anerkennung seines sozialen Umfelds. Einsamkeit hingegen macht unglücklich und krank. Im Job können Kontakte zudem die Karriere vorantreiben. Doch wer beliebt ist und wer nicht, ist nicht unbedingt eine Frage des Zufalls. Sie können jetzt die Psychologie aktiv für sich nutzen, um bei Ihren Kolleginnen, Kollegen sowie Vorgesetzten beliebter zu werden – genauer gesagt das sogenannte „Resonanzphänomen“.

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Inhalt
1. Exkurs: Der Mensch braucht nur eines, um glücklich zu sein – Menschen
2. Definition: Das Resonanzphänomen oder „die Sache mit dem Echo“
3. Die Ursache des Resonanzphänomens liegt in den Spiegelneuronen
4. Wie „wirkt“ das Resonanzphänomen?
5. Beliebter im Job? Mit dem Resonanzphänomen klappt‘s

Exkurs: Der Mensch braucht nur eines, um glücklich zu sein – Menschen

Viele Menschen sind unzufrieden mit ihrer aktuellen Lebenssituation und sehen sich nach mehr Geld, einer erfüllten Partnerschaft oder auch der Auswanderung – in der Hoffnung, dann endlich glücklich zu sein. Doch dass Geld (alleine) nicht glücklich macht, darüber sind sich 61 Prozent der Deutschen einig.

Statistik: Würden Sie sagen, Geld macht glücklich oder hat das nichts miteinander zu tun? | Statista
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Eine Erkenntnis, die von der modernen Wissenschaft belegt ist. Denn auch zahlreiche Forscher beschäftigen sich ausgiebig mit der Frage: Was macht Menschen eigentlich glücklich – und was nicht? Einen ersten Anhaltspunkt auf die Antwort gibt bereits eine auf Statista veröffentlichte Umfrage der IfD Allensbach.

Statistik: Was glauben Sie, was macht einen Menschen glücklich? | Statista
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Gesundheit sei der wichtigste Glücksfaktor im Leben, so die Meinung von 89 Prozent der rund 1.200 Befragten. Auf Platz zwei findet sich mit 79 Prozent die Partnerschaft und auf dem dritten Rang mit 74 Prozent die Familie. Die mit 68 Prozent vierte Position lautet etwas allgemeiner „Menschen“. Aber stimmt das auch? Jein, sagt Robert Waldinger, teilweiser Betreuer zweier über einen Zeitraum von 75 Jahren angelegter Studien „The Grant Study“ und „The Glueck Study“. Weder körperliche Gesundheit noch materieller Besitz seien demnach entscheidend für das subjektiv empfundene Glück eines Menschen. Dieses hänge stattdessen einzig und alleine von einem Faktor ab: anderen Menschen!

„Ich weiß, du bist mein Freund, wenn du mich kennst: Und eines solchen Freunds bedurft’ ich lange.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

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Tatsächlich sind also Familie, Partnerschaft und Freunde die wichtigsten Glücksfaktoren im Leben. Dabei komme es aber nicht auf die Anzahl der Beziehungen an, so Robert Waldinger, sondern auf deren Qualität. Glücklich sei demnach, wer „gute“ soziale Beziehungen pflegt. Der Mensch sehnt sich nach Tiefgründigkeit, bedingungsloser Liebe und dem Gefühl, einfach „er selbst“ sein zu können und gerade dafür gemocht, geschätzt und geliebt zu werden. Oberflächliche soziale Beziehungen haben hingegen keinen (positiven) Einfluss auf das Lebensglück. Um glücklich zu sein, braucht der Mensch also nichts weiter als andere Menschen – doch auch hier gilt das Prinzip: Qualität statt Quantität.

Statistik: Top 5 Aktivitäten die die Deutschen glücklich machen (2010) | Statista
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Und nicht nur beim grundlegenden Lebensglück, sondern auch dem subjektiv empfundenen Glück in einem Moment spielen Menschen für andere Menschen eine wichtige Rolle. Auf die Frage, welche Aktivitäten es seien, die sie besonders glücklich machen, antworteten 55 Prozent der Deutschen mit einer Umarmung. 44 Prozent genießen die wertvolle Zeit mit der Familie und 37 Prozent gehen gerne mit Freunden aus. Erst auf dem vierten Platz findet sich mit dem Musikhören eine Aktivität, welche nichts mit Menschen zu tun hat.

Definition: Das Resonanzphänomen oder „die Sache mit dem Echo“

„Die beste Arznei für den Menschen ist der Mensch.“
(Paracelsus)

Kennen Sie dieses Sprichwort? Aber woran liegt das eigentlich, dass unsere sozialen Kontakte so wichtig für das Lebensglück sind? Auf diese Frage fanden Forscher mit dem sogenannten Resonanzphänomen die Antwort. Dabei handelt es sich um den Effekt, dass Menschen sich unbewusst gegenseitig zu imitieren beginnen und dass aus eben dieser Imitation eine Sympathie entsteht – sozusagen die „gemeinsame Wellenlänge“. Bei der Resonanz handelt es sich im physikalischen Sinne um „das Mitschwingen eines schwingfähigen Systems“, wie Ihr Trommelfell beim Musikhören. Doch warum „schwingen“ Menschen mit ihrem Gegenüber mit?

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“
(Deutsches Sprichwort)

Die Ursache des Resonanzphänomens liegt in den Spiegelneuronen

Schon früh in der Entwicklung der Menschheit war es essentiell für das Überleben, nicht auf sich alleine gestellt zu sein, sondern in einer sozialen Gruppierung integriert zu werden. Nur so genossen die Menschen ausreichend Schutz vor Feinden, Pflege im Fall einer Krankheit oder Verletzung oder auch ausreichend Nahrung. Menschen sind von Natur aus Sozialwesen und auf ihre Mitmenschen angewiesen. Wer früher alleine war, konnte in der Regel nicht lange oder nur sehr beschwerlich überleben.

Nicht überlebensfähig waren und sind zudem Babys. Der menschliche Nachwuchs kommt unselbstständig auf die Welt und ist auf die Fürsorge durch ihre Eltern oder andere Personen angewiesen. Erst langsam lernt es nach und nach, selbst zu gehen, sprechen, essen – und zwar mittels der Spiegelneuronen. Diese sorgen dafür, dass das Kind sein soziales Umfeld imitiert und dadurch eben mit der Zeit eigenständig überlebensfähig wird. Doch auch bei Erwachsenen sind diese Spiegelneuronen noch (teilweise) vorhanden. Sie kennen das Phänomen der Imitation zum Beispiel vom als ansteckend empfundenen Gähnen.

Wie „wirkt“ das Resonanzphänomen?

Die Spiegelneuronen sorgen also dafür, dass wir unser Gegenüber unbewusst imitieren. Dies geschieht vor allem bei Personen, die uns sympathisch sind. Achten Sie einmal darauf: Schlagen Sie bei einem Meeting die Beine übereinander und schon bald werden es Ihnen einige der im Raum anwesenden Personen gleichtun. Genau diese Imitation führt wiederum dazu, dass Sie sich (unbewusst) verstanden und ernstgenommen fühlen. Dies erhöht die Sympathie zur Ihrem Gegenüber, Sie geben mehr Informationen preis, öffnen und entspannen sich.

„Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung.“
(Oscar Wilde)

Wie bereits erwähnt, läuft das Resonanzphänomen in der Regel völlig unbewusst ab. Wenn Sie allerdings um die Psychologie hinter dem Effekt wissen, können Sie diese gezielt nutzen, um Ihre sozialen Interaktionen zu verbessern und (im Job) beliebter zu werden. Denn wenn Sie fortan in die Rolle des „Imitators“ gehen, wird sich Ihr Gesprächspartner unwillkürlich öffnen, Ihnen mehr sowie privatere Details erzählen und zugleich mehr Sympathie für Sie empfinden.

Beliebter im Job? Mit dem Resonanzphänomen klappt‘s

Wie genau Sie das Resonanzphänomen nutzen können, um (im Job) beliebter zu werden, möchten wir Ihnen folgend erläutern. So können Sie Ihre sozialen Beziehungen nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ verbessern und dadurch glücklicher werden – sowie Ihre Karriere in Schwung bringen.

Lese-Tipp:Vitamin „B“: Wie Sie im Job Freundschaften knüpfen

Wenn Sie durch Imitation bei Ihrem Gegenüber Sympathie wecken möchten, sollten Sie dafür in zwei Schritten vorgehen:

  1. Imitieren Sie die Körpersprache, indem Sie eben zum Beispiel dieselbe Körperhaltung einnehmen, die Beine ebenfalls übereinanderschlagen, einen ähnlichen Gesichtsausdruck haben oder die gleichen Gesten verwenden. Dies sollten Sie natürlich unauffällig und in ausgeglichenem Maße machen. Ihr Gegenüber soll Ihre Imitation nicht bewusst wahrnehmen. Unbewusst allerdings, wird sie ihm auffallen und es wird sich bestätigt sowie ernstgenommen fühlen. Ein erster wichtiger Schritt für eine gegenseitige Sympathie.
  2. Wiederholen Sie das Gesagte, auch das ist eine Form der Imitation, durch welche Sie dem Sprechenden beweisen, dass Sie ihm zuhören. Dadurch zeigen Sie Interesse und auch das weckt natürlich Sympathie – denn wie wir bereits gelernt haben, sehnt sich nun einmal jeder Mensch nach tiefergehenden sozialen Beziehungen, die über das oberflächliche „Wie geht es Ihnen?“ hinausgehen.

Beispiel: Zum besseren Verständnis möchten wir Ihnen diese zweite Form der Imitation anhand eines Beispiels näher erläutern. Nehmen wir einmal an, Ihr Gesprächspartner hat Ihnen soeben erzählt:

„Ich bin momentan sehr unter Zeitdruck, da die Deadline für das Projekt XXX um zwei Wochen vorverschoben wurde. Ich weiß nicht, wie ich das bis dahin alles schaffen soll!“

An dieser Stelle ist Ihre Empathie gefragt. Wenn Sie das Gesagte nun kurz wiederholen – „imitieren“ – zeigen Sie dem Gesprächspartner, dass Sie ihm zugehört haben und ihn verstehen. Sagen Sie also beispielsweise:

„Sie sagten gerade, dass die Deadline um zwei Wochen vorverschoben wurde, um welches Datum handelt es sich dabei genau?“

„Wenn Sie die Deadline unter Zeitdruck setzt, gibt es dann vielleicht eine Möglichkeit, Aufgaben zu delegieren oder die Frist zumindest um eine Woche nach hinten zu verschieben?“

„Sie sagen, Sie wissen nicht, wie Sie das alles schaffen sollen. Gibt es denn Möglichkeiten, eine Lösung für diese Problematik zu finden und dadurch den Druck von Ihren Schultern zu nehmen?“

„Sie sagten ja bereits, dass Sie aufgrund des Projektes XXX derzeit sehr unter Druck sind. Darf ich Sie bei dem Projekt XYZ vielleicht dennoch kurz um Hilfe bitten?“

Letzteres Beispiel mag Ihnen nun vielleicht auf den ersten Blick sehr dreist erscheinen. Wieso sollten Sie einen Menschen, der Ihnen gerade davon erzählt hat, dass er sehr unter Stress und Zeitdruck ist, vielleicht sogar ein wenig überfordert, um einen Gefallen bitten? Ganz einfach: Auch die Bitte um einen Gefallen kann Sie bei Ihrem Gegenüber beliebter machen, da es sich dadurch wertgeschätzt und anerkannt fühlt. Wenn Sie Ihr soziales Umfeld hin und wieder um Hilfe bitten, ohne dabei in ein Ausnutzen zu verfallen, werden Sie ebenfalls qualitativ bessere soziale Beziehungen (am Arbeitsplatz) aufbauen. Wenn Sie dann auch noch die Imitation gezielt einzusetzen lernen, werden Sie dank Resonanzphänomen schon bald im Job beliebter – und dadurch auch erfolgreicher – sein.

Lese-Tipp:Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?

Zwar leben wir in einer (Geschäfts-) Welt, in welcher viele Menschen egoistisch sowie mit ausgefahrenen Ellenbogen agieren, um ihre Karriere voranzutreiben, doch schlussendlich sind es eben die qualitativ hochwertigen sozialen Beziehungen, die Sie im (Berufs-) Leben nicht nur erfolgreicher, sondern vor allem glücklicher machen. Denn Sie wissen ja:

„What goes around, comes around.“
(Englisches Sprichwort)

Probieren Sie es aus und teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit dem Resonanzphänomen in den Kommentaren mit. Wir sind gespannt, welche Effekte Ihre Imitation erzielt oder in welchen Situationen Sie vielleicht bewusst wahrnehmen, dass Sie von Ihrem Gegenüber imitiert werden. Welche weiteren Ergänzungen haben Sie zum Thema?